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Tierwohl beim Discounter

Mit dem Teutoburger Hofschwein stellt auch Penny ein Tierwohl-Programm ins Regal. Erstmals geht es nicht nur um Fleisch, sondern auch um Wurst.

Frischfleisch vom Teutoburger Hofschwein wird bei Penny in modernen Flat-Skin-Verpackungen präsentiert. Preislich liegt es 40 % über Standardware.

Seit Juli hat Penny sich in den Reigen der Discounter mit vierstufigem Tierwohllabel eingereiht. Stufen 1, 2 und 4 bekommen die Handelsriesen bei Schweinen gefüllt. Problematisch ist bislang Stufe 3 – unterhalb von Bio, aber oberhalb von Initiative Tierwohl. Penny schließt diese Lücke jetzt mit dem „Teutoburger Hofschwein“. Bei einer Pressekonferenz in einer Kölner Filiale stellte Stefan Magel am Montag sechs Wurstsorten und drei Frischfleischartikel vor. Der Leiter des operativen Geschäfts bei Penny bilanzierte: „Wir haben lange gesucht und sind froh, dass wir Landwirte gefunden haben, die mitmachen.“

Mit im Boot ist die Erzeugergemeinschaft für Schlachtvieh im Raum Osnabrück (EGO). Diese hat das Programm seit zwei Jahren zusammen mit dem Wursthersteller Stockmeyer aus Füchtorf entwickelt. Die EGO bringt die Landwirte, ihre Produktionsberatung sowie einen eigenen Schlachthof ein, der kurze Transportwege und eine saubere Trennung von der Normalware garantiert.

Es geht ums ganze Schwein

„Dies ist ein einzigartiges Projekt, das nicht nur Frischfleisch, sondern das ganze Schwein mit Bo­-nus vermarktet“, stellte EGO-Geschäftsführer Rudolf Festag he­raus. Denn die Edelteile reichen nicht aus, um den notwendigen Mehrpreis für den Landwirt zu erwirtschaften.

Die Landwirte bekommen einen Festpreis von 2,05 €/kg, um Planungssicherheit zu haben. Ihr Mehraufwand durch das Programm ist beträchtlich:

  • 50 % mehr Platz,
  • Buchtenstruktur mit verschiedenen Funktionsbereichen,
  • kein gentechnisch verändertes Futter,
  • Kastration unter Betäubung oder Ebermast,
  • unkupierte Schweine mit Ringelschwanz,
  • Genetik: Duroc-Kreuzungen.

Das Programm läuft in der Einstiegsstufe des Siegels „Für mehr Tierschutz“, das der Deutsche Tierschutzbund seit 2013 anbietet. Dieser ist für die Auditierung und Kontrolle der Betriebe zuständig, die zweimal jährlich unangekündigt stattfindet.

Bis 40 % Aufpreis

Im Laden kostet das Fleisch 40 % mehr als Standardware. Die sechs Wurstsorten liegen 25 bis 35 % über dem Normalpreis. „Den Mehrerlös reichen wir 1 : 1 an den Hersteller weiter“, beteuerte Penny- Manager Magel. Auch bei der Umschlagrate zeigt sich der Discounter großzügig. Ein fester Platz im Regal ist den neun Produkten vorerst sicher, obwohl wir „deutlich höhere Verluste bei der Ware fahren.“ Das Teutoburger Hofschwein muss kein Renner werden, sondern soll vorrangig das Image des Discounters verbessern. „Es zeigt, dass Discount, Nachhaltigkeit und Tierschutz sich nicht ausschließen“, wie es Thomas Schröder formulierte, Präsident des Deutschen Tierschutzbunds.

Die Ware läuft im Laden unter der Penny-Eigenmarke „Naturgut“. Die Wurst wird bundesweit in allen 2200 Penny-Filialen angeboten. Das Fleisch gibt es zunächst in 550 ausgewählten Läden, dort, „wo der Sushi-Faktor hoch ist“, wie Penny-Mann Magel augenzwinkernd erklärte. Doch ist das Ziel, langfristig alle Filialen auch mit Frischfleisch zu bestücken.

Bislang können die drei Landwirte nur 150 Schweine wöchentlich liefern. Penny hofft auf mehr Ware. „Kurzfristig geht da nichts“, bremste Rudolf Festag von der EGO die Euphorie. „Allein aufgrund der Biologie brauchen wir ein Jahr Vorlaufzeit.“

Was sagt der Kunde?

Bleibt abzuwarten, wie die Kunden Fleisch und Wurst vom Teutoburger Hofschwein annehmen. Da Penny keine Bedientheken hat, fällt das direkte Gespräch weg, um Verbraucher neugierig zu machen. Penny setzt auf Informationen im hauseigenen Handzettel, in dem wöchentlich die Sonderangebote beworben werden. Dreimal ist dort bis Weihnachten eine Seite re­serviert. Zusätzlich werden die Social-Media-Kanäle befeuert.

Im Regal hat es die Ware schwer, unter den vielen anderen Labeln und bunten Verpackungen aufzufallen. „Wir wissen, dass es ein langer Weg ist, den Kunden vom Preis wegzubewegen“, ist sich Penny- Manager Stefan Magel durchaus bewusst. Jetzt kann der Verbraucher zeigen, wie viel ihm mehr Tierschutz wert ist.