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Teamfähige Bewerber gesucht

Nachwuchskräfte sind in den grünen Berufen gefragt. Für die Unternehmen wird es Zeit, aktiv um die besten Köpfe zu werben. Foto: B. Lütke Hockenbeck

Unternehmen und Institutionen der Agrarbranche wird es zukünftig schwerer fallen, geeignete Fach- und Führungskräfte zu finden. Davon gehen zumindest die Arbeitgeber selbst aus.

Wie aus einer aktuellen Studie des Instituts für Agribusiness in Gießen hervorgeht, die der Berufsverband Agrar Ernährung Umwelt (VDL) in Auftrag gegeben hatte, reicht die Zahl der Bewerber zwar aus; die Kandidaten allerdings erfüllen oftmals nicht die Anforderungen an persönlichen und sozialkommunikativen Kompetenzen.

Fehlendes ökonomisches Verständnis

Darüber hinaus bemängeln die Unternehmen ein fehlendes Verständnis der Bewerber für ökonomische Zusammenhänge. Zudem seien die Kandidaten oftmals nicht bereit, in weniger attraktiven Unternehmensbereichen wie dem Vertrieb zu arbeiten.

Praktika und Berufserfahrung nehmen für die Arbeitgeber dagegen nur eine untergeordnete Stellung ein. Die Autoren der Studie empfehlen Weiterbildungs- und Qua­lifizierungsmöglichkeiten für Berufseinsteiger sowie Angebote speziell für weibliche Mitarbeiter mit Kindern, um eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Außerdem mahnen sie langfristig Änderungen im Bildungssystem an.

Im Fokus der Absolventen stünden heute Selbstverwirklichung und Work-Life-Balance, heißt es weiter. Nicht monetäre Anreize durch die Unternehmen gewännen daher an Bedeutung, nicht nur, um Mitarbeiter zu finden, sondern, um sie im Unternehmen zu halten.

Teamfähigkeit gefordert

Auf die Frage, welche Fähigkeiten verstärkt in Fachschulen und Meisterkursen vermittelt werden sollten, wurden laut VDL-­Studie besonders ökonomisches Denken, Teamfähigkeit, Personalführung, Fachwissen allgemein und Praxisanwendung genannt. Auch in den Hochschulen sollte auf diese Bereiche künftig stärker Wert gelegt werden. Nicht verstärkt vermittelt werden müssten hingegen Rechtskenntnisse, Sprachen und interkulturelle Kompetenz.

Dessen ungeachtet weisen die Autoren darauf hin, es liege in der Verantwortung der Unternehmen, bei Engpässen bei der Rekrutierung von Fach- und Führungskräften flexibel zu reagieren, unter anderem durch die Weiterbildungsangebote. Eine wichtige Rolle könnten Trainee-Programme spielen, in denen Absolventen das Unternehmen kennenlernten und bereits für die Tätigkeiten im Unternehmen ausgebildet würden.

Eine weitere Option sei die gemeinsame Weiterbildung von Berufseinsteigern und älteren Mitarbeitern. Durch diese Konstellation würden im Idealfall Synergieeffekte erzielt.

Wachsende Branchen
Die befragten Unternehmen schätzen laut Studie, dass der Bedarf an Fach- und Führungskräften in den kommenden zehn Jahren durchschnittlich um rund 10 % steigen wird. Wachsende Branchen seien insbesondere der Land- und Viehhandel, die Land- und Verfahrenstechnik sowie die Agrar­rohstoffverarbeitung.

Zeit, umzudenken

Ein schnelles Umdenken der Unternehmen mahnte Dr. Jochen Riebensahm von der Personalberatung AGRI-associates an. Vielerorts würden die Betriebe unverändert wie zu Zeiten agieren, in denen es weitaus mehr Bewerber als Stellen gegeben habe. Entsprechend unflexibel und träge verhielten sich die Arbeitgeber.

Statt einer passiven Suchstrategie sollten die Verantwortlichen nun aktiver suchen und Hochschulmarketing betreiben. Über Aushilfskräfte, Praktikanten und Studenten sollte ein Talentpool an potenziellen Kandidaten geschaffen werden.

Positiv für die Bewerber sei es zudem, wenn Anfragen zügig bearbeitet würden und das Bewerbungsverfahren transparent erfolge. Nach der Einstellung habe die Betreuung und Integration der Mitarbeiter große Bedeutung. AgE/mss