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AgrarDebatten Göttingen

Streit ums Fleisch

Wer bestimmt was ich esse? Und sollte unsere Essenswahl überhaupt beeinflusst werden? Diese Fragen wurden an der Uni Göttingen kontrovers diskutiert.

Was passiert mit dem Fleischkonsum? Bestimmen wir auch in Zukunft selbst, was wir essen?

"Krieg um das Fleisch – Wer bestimmt, was ich esse?“ Über dieses Thema der AgrarDebatten an der Universität Göttingen diskutierten vier bekannte Agrarwissenschaftler am Dienstag dieser Woche.

Fleischkonsum lenken?

Achim Spiller, Professor für Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte an der Universität Göttingen, nannte die starken Zielkonflikte zu Umweltthemen und Tierschutz. Fleisch sei ein starker Treiber für Klimagase. Eine weitere Intensivierung der Tierhaltung sei nicht gesellschaftstauglich. Spiller begrüßte eine staatliche Regulierungspolitik. Fleisch könnte durch Steuern verteuert werden. Außerdem könnten Verbraucher unbewusst zu ihrer Essenswahl „gestupst“ werden (Nudging). „Fraglich ist allerdings, ob die Politik wirklich zu solchen Instrumenten greifen sollte“, so Spiller.

Keine nationalen Alleingänge

Prof. Dr. Michael Schmitz vom Institut für Agribusiness an der Universität Gießen erklärte, dass gesellschaftliche Diskussionen im Bezug auf Fleischprodukte, Gesundheitsvorteile, Klima-, Ressourcen- und Umweltschutz in Deutschland intensiver geführt werden als in anderen Ländern. „Sogar die Futterfrage, der Import von Soja wird infrage gestellt". Bei so komplexen Themen sollten seiner Meinung nach die drei Säulen des Nachhaltigkeitskonzeptes betrachtet werden: Die soziale Akzeptanz bei den Bürgern, die Umwelteffekte und die volkswirtschaftlichen Verluste der betroffenen Landwirte.

Die Umweltvorteile, die durch eine Reduktion des Fleischkonsums gewonnen würden, seien sehr gering im Vergleich zu den hohen Verlusten für die Volkswirtschaft und vor allem die Erzeuger. „Es hilft wenig, wenn unsere Produktion zurückgefahren, aber auf andere außereuropäische Standorte verlagert wird“, so Schmitz. Deutschland muss global denken und das Netto-Ergebnis nicht aus den Augen verlieren.

Entscheidungsfreiheit behalten

Von politisch gegründeten Steuern auf Fleisch hält der Professor wenig, da die Entscheidungsfreiheit der Konsumenten stark beeinflusst werde. Eine Fleischsteuer wäre laut Schmitz, als würde mit Kanonen auf Spatzen geschossen. „Wir sollten aufpassen, dass wir nicht mit deutscher Gründlichkeit die Nutztierproduktion aus Deutschland vertreiben. Jeder Alleingang stärkt nur die Wettbewerber außerhalb.“

Bernhard Brümmer, Professor für Landwirtschaftliche Marktlehre an der Universität Göttingen, ist wie Schmitz gegen staatliche Eingriffe. Verbraucher sollten in einer Demokratie die Freiheit haben, ihren Konsum selbst zu gestalten.

Wir sollten uns überlegen, ob wir Tierwohl lokal oder global definieren. (Prof. Dr. Brümmer)

In der Produktion von Fleisch müsse zwischen globalen und lokalen Umweltgütern unterschieden werden. Eine Konsumsteuer in einem einzelnen Land ist seiner Meinung nach der falsche Weg und führt zu erheblichen Verlusten. „Wir sollten uns überlegen, ob wir Tierwohl lokal oder global definieren. Die deutsche Mentalität zeugt von Tierwohl auf nationaler Ebene.“ Dazu nannte er das Beispiel der Käfighaltung bei Legehennen. Dadurch wurde das Nettotierwohl aber nicht erhöht.