Pflanzenschutzmittel

Rückstände in Lebensmitteln: Nicht EU-Produkte stärker belastet

Wenn Medien über Lebensmittel berichten, ist oft von "hoher Chemiebelastung" die Rede. Die Zahlen der amtlichen Lebensmittelüberwachung geben das aber nicht her. Ganz im Gegenteil: Die allermeisten Produkte sind "sauber" - zumindest die aus Deutschland und der EU.

Lebensmittel weisen nur sehr geringe Mengen an Rückständen von Pflanzenschutzmittel auf. Das geht aus der „Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2018“ hervor, den das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vorgestellt hat. Darin werden die Untersuchungsergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung für das Jahr 2018 in Deutschland mitgeteilt. Die Prüfergebnisse bestätigen die Entwicklung der vergangenen Jahre.

19.600 Lebensmittelproben

2018 wurden insgesamt 19.600 Lebensmittelproben in den Laboren der Bundesländer auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht. Dabei wurden lediglich bei 1,3 % der untersuchten Erzeugnisse aus Deutschland Überschreitungen der Rückstandshöchstgehalte festgestellt. In den vergangenen fünf Jahren bewegte sich diese Quote stets auf sehr niedrigem Niveau zwischen 1 und 2 % (2017: 1,1 %).

Bei häufig verzehrten Lebensmitteln wie Äpfeln, Karotten, Kartoffeln und beliebten saisonalen Erzeugnissen, etwa Erdbeeren oder Spargel, wurden kaum oder gar keine Überschreitungen der gesetzlichen Rückstandshöchstgehalte festgestellt.

Produkte aus Nicht-EU-Ländern stärker belastet

Laut BVL sind Erzeugnisse aus Deutschland und anderen EU-Staaten deutlich geringer belastet als solche aus Nicht-EU-Staaten. Bei importierten Lebensmitteln aus Nicht-EU-Staaten steigt die Zahl der Überschreitungen von Jahr zu Jahr und liegt inzwischen laut BVL bei 8,8 %. 2017 waren es noch 6,3 %. Das betreffe aber lediglich einzelne Produkte, die meisten Lebensmittel aus Nicht-EU-Staaten wie Äpfel, Kartoffeln, Tomaten, Orangensaft und alle untersuchten tierischen Lebensmittel seien "nur gering belastet", der Rückstandshöchstgehalt sei nicht oder nur in wenigen Fällen überschritten.

Quoten von über 15 % und mehr würden nur bei wenigen Produkten wie Gemüsepaprika, Bohnen mit Hülsen, frischen Kräutern und Auberginen festgestellt. Die hierbei häufig nachgewiesenen Wirkstoffe sind Carbendazim in Gemüsepaprika, Acephat und Methamidophos in Bohnen sowie Chlorpyrifos in frischen Kräutern.

Eine Gefahr für die Gesundheit?

Das BVL weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Überschreitung des Höchstgehalts nicht gleichbedeutend sei mit einer Gesundheitsgefahr für die Verbraucher. "Der Rückstandshöchstgehalt bezieht sich lediglich auf die Menge an Rückständen, die bei ordnungsgemäßer Anwendung des Pflanzenschutzmittels nicht überschritten werden dürfen. Eine Gesundheitsgefahr für den Verbraucher darf nicht gegeben sein."

Zur genaueren Bewertung der Daten ist es ebenfalls wichtig zu wissen, dass die Auswahl der Proben "risikoorientiert" erfolgt, wie das BVL mitteilt. Das heißt: Die örtlichen Überwachungsbehörden nehmen häufiger Proben von Lebensmitteln, die bereits in der Vergangenheit auffällig waren. Aufgrund dieses risikoorientierten Ansatzes sei der Anteil an Proben, bei denen Überschreitungen der Rückstandshöchstgehalte festgestellt werden, "überproportional groß", so das BVL in seiner Studie. Und es folgert: "Es ist deshalb davon auszugehen, dass die durchschnittliche Belastung von Lebensmitteln mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln niedriger ist."

Wer es genau wissen will: Den Bericht des BVL gibt es hier.


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