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Röring geht in die Gegenoffensive

Als Reaktion auf die „Panorama“-Sendung ist WLV-Präsident Johannes Röring in die Gegenoffensive gegangen. Bei einem Pressegespräch auf seinen Hof in Vreden (Kreis Borken) stellte er seine Sicht der Dinge dar.

Tierarzt Dr. Jörg Tenhündfeld, Christian Röring und Johannes Röring während des Pressegesprächs in Vreden. Foto: Richard

Als Reaktion auf die am Donnerstagabend ausgestrahlte „Panorama“-Sendung ist WLV-Präsident Johannes Röring in die Gegenoffensive gegangen.

Für Freitagnachmittag vergangener Woche hatte Röring zu einem Pressegespräch auf seinen Hof in Vreden (Kreis Borken) eingeladen, damit sich die Medienvertreter über seine Sicht der Dinge informierten und ihnen Gelegenheit zu geben, sich selbst einen Eindruck von den Haltungsbedingungen und dem Gesundheitszustand seiner Schweine zu machen. Christian Röring, einer der Söhne des WLV-Präsidenten, leitet den Betrieb und stand bei dem Pressegespräch gemeinsam mit seinem Hoftierarzt Dr. Jörg Tenhündfeld ebenfalls als Ansprechpartner bereit.

„Panorama“-Journalisten hatten Erläuterungen und Hinweise Rörings ignoriert und illegal beschafftes Filmmaterial trotzdem gesendet. Röring erklärte demgegenüber am Freitag: "Die Tierhaltung auf unserem Hof ist in Ordnung. Kranke oder verletzte Tiere werden ordnungsgemäß behandelt und gegebenenfalls abgesondert, damit sie genesen können."

Tierarzt kommt regelmäßig

Hoftierarzt Dr. Jörg Tenhündfeld: "Einzelne, auch schwerkranke Tiere bedeuten nicht automatisch einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Das Landgericht Hamburg soll weitere Verbreitung des Films einstweilig untersagen." Nach Angaben des Veterinärs, der auch eine landwirtschaftliche Ausbildung hat und den Hof seit vielen Jahren auf vertraglicher Basis regelmäßig besucht und betreut, zeigen die vom NDR vorgelegten Fotos bzw. Filmaufnahmen aus Rörings Ställen zwar zum Teil schwerkranke bzw. verletzte Tiere. Daraus sei aber nicht zu schließen, dass die Schweine vernachlässigt worden seien.

Vielmehr belegte Tenhündfeld, dass die gezeigten gesundheitlichen Störungen oder Verletzungen wohl jeweils erst wenige Stunden alt waren. Ein Beispiel: Im Frühjahr 2015, als ein Teil des Films entstanden ist, litt ein Teil von Rörings Schweinen unter einer Atemwegserkrankung, die selbstredend von ihm als Tierarzt behandelt wurde. Als Folge des sehr starken Hustens sei es bei einem der Tiere zu einem Enddarmvorfall gekommen. Danach habe ein anderes Tier in derselben Bucht das kranke Tier dort gebissen und verletzt.

Das im Film gezeigte verendet in einer Bucht liegende Schwein sei offenbar schon zwischen 12 und 24 Stunden tot gewesen. Das sei für fachkundige Menschen schnell zu erkennen. Seltsamerweise hätten die Buchtengenossen aber noch nicht damit begonnen, den Körper anzufressen. Mit einer solchen Form des genetisch angelegten, „natürlichen“ Kannibalismus hätte man viele Stunden nach dem Tod des Schweins eigentlich längst rechnen müssen, so Tenhündfeld. Dies und die unnatürliche Liegeposition, fast in Rückenlage, spreche dafür, dass der Tierkörper erst kurz vor der Aufnahme in die Bucht gelegt worden sei.

Röring selbst und seine Familie zeigten sich schockiert darüber, dass fremde Personen sich widerrechtlich Zutritt zu den Ställen verschafft haben. Das hinterlasse ein sehr ungutes Gefühl, ähnlich wie bei einem Wohnungseinbruch. Genauso schlimm sei aber auch, dass betroffene Tierhalter sich mit rechtsstaatlichen Mitteln nicht dagegen wehren könnten. Der WLV-Präsident sieht die in den vergangenen Tagen von verschiedenen Seiten massiv vorgetragene Kritik an der landwirtschaftlichen Tierhaltung als Teil einer Kampagne „Agrarwende“, die auch politisch entsprechend begleitet werde.

Wenn tatsächlich der Tierschutz Hauptziel des „Stallbesuchs“ gewesen wäre, hätten die Tierrechtler-Aktivisten doch sofort das Veterinäramt informieren und Strafantrag gegen den Tierhalter stellen müssen, resümierte Röring. Stattdessen sei das Material mehr als ein Jahr zurückgehalten worden, bis sich eine „passende“ Gelegenheit bot, ihn gezielt zu diskreditieren.

Einstweilige Verfügung beantragt

Die Erklärungen der Familie sowie des Tierarztes zu den vom Norddeutschen Rundfunk vorab an Röring geschickten Fotos haben die Fernsehjournalisten laut Röring schlicht ignoriert. Sie hielten stattdessen an der Darstellung fest, dass die Zustände auf dem Hof grob tierschutzwidrig sind. Das sei ehrverletzend, empörte sich Röring. Man habe ihm von vornherein keine Gelegenheit bieten wollen, die Dinge „geradezurücken“.

Beim Landgericht Hamburg hat der WLV-Präsident deshalb über eine Anwaltskanzlei den Erlass einer Einstweiligen Verfügung beantragt, die dem Rundfunksender die weitere Verbreitung des Filmmaterials untersagt. Mit einer Entscheidung sei in den kommenden Tagen zu rechnen, erläuterte dazu Rechtsanwalt Hubertus Schmitte vom WLV. ri

Ausführlich berichtet das Wochenblatt in seiner Ausgabe vom 29. September.

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