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Preisblase am Bodenmarkt?

Finanzstarke Betriebe aus Westfalen und dem Rheinland kaufen und pachten heute oft in Nordhessen, der Eifel und Rheinland-Pfalz, so Unternehmensberater Rudolf Spellerberg von der Landwirtschaftskammer NRW.

Die aktiven Landwirte in Deutschland bewirtschaften immer mehr Pachtland. In NRW beträgt der Pachtflächenanteil inzwischen rund 55%.

Seit 30 Jahren begleitet Rudolf Spellerberg landwirtschaftliche Betriebe in Ostwest­falen und den neuen Bundesländern. Der Unternehmensberater der Landwirtschaftskammer NRW kennt seine „Pappenheimer“, er weiß, warum Bauern ihre Höfe aufgeben und andere wachsen, wie viel sie für Pachtland zahlen und warum die Preise für Ackerland so stark gestiegen sind.

Im Osten verdreifacht

Auf einem Seminar der Kanzlei Wolter und Hoppenberg analysierte Spellerberg die Entwicklungen am Bodenmarkt. Seit 2006/07 haben sich die Preise für Acker­flächen in Westdeutschland im Schnitt verdoppelt, im Osten verdreifacht. Etwa im gleichen Maße sind die Pachtpreise gestiegen.

Die Nullzinspolitik der Europä­ischen Zentralbank, der Biogasboom, Stallbauten sowie der Landhunger der öffentlichen Hand haben den Preisschub verursacht, so Spellerberg. Doch deutschlandweit driften die Preise für Kauf- und Pachtflächen stark auseinander, je nach Angebot und Nachfrage in der Region. Im Kreis Borken zum Beispiel kostet Acker derzeit im Schnitt 8,60 €/m2; im Sauer- und Siegerland sowie im Kreis Höxter werden Flächen dagegen teils nur für 2 bis 4 €/m2 gehandelt.

Wohin geht die Reise?

In der Diskussion mit Beraterkollegen und Landwirten wies Spellerberg auf weitere interessante Entwicklungen hin:

  • In den alten Bundesländern kaufen in erster Linie aktive Bauern Land, das sie jahrelang gepachtet haben oder günstig zu ihrem Hof liegt. Andere Landwirte kaufen, um Geld aus einer 6b-Rücklage zu reinvestieren (etwa aus Baulandverkauf).
  • In den neuen Ländern kaufen zu etwa 50 % juristische Personen bzw. außerlandwirtschaftliche Investoren Grund und Boden. Dazu gehören der Versicherungskonzern Münchener Rück und bis vor Kurzem die KTG Agrar. Weil es auf dem Kapitalmarkt kaum noch Zinsen gibt, suchen Investoren einen sicheren Hafen für ihr Kapital.

Weitere spannende Punkte zur aktuellen Entwicklung lesen Sie im ausführlichen Beitrag in der Wochenblatt-Folge 8.