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Warburger Zucker­fabrik

Ostwestfalen: Ein guter Standort für Zuckerrüben

Der Rübenanbau in der Region um Warburg ist besonders umweltfreundlich und effizient. Deshalb wäre es unverantwortlich, hier den Rotstift anzusetzen, finden die betroffenen Landwirte. Sie erwarten konstruktive Lösungen.

Gute und stabile Erträge mit geringem Pflanzenschutzaufwand: Das verspricht die Anbauregion zwischen Soest und Kassel.

Einen solchen Rübenstandort gibt man nicht auf. Das wäre aus mehreren Gründen unverantwortlich“, lautet die einhellige Meinung von Andreas, Rainer und Heinz Michels, Christoph Peine, Ferdi Stamm, Dietrich Schade, Ludwig Schachten und Hartmut Neutze. Die Landwirte aus der Warburger Börde bzw. dem nordhessischen Grebenstein machen gegenüber dem Wochenblatt deutlich, warum die Warburger Zucker­fabrik unbedingt erhalten werden muss. Hier darf es nicht nur um kurzfristige betriebswirtschaftliche Aspekte gehen, finden die Rüben­anbauer: „Wenn die Süd­zucker AG in Ostwestfalen und Nordhessen den Rotstift ansetzt, gibt sie eine Gesund­lage mit Zukunftsperspektive auf.“

Wenig Aufwand, gute Erträge

Ferdi Stamm erklärt, was die Bauern meinen: Die Landwirte in der heimischen Anbauregion zwischen Soest und Kassel erzielen mit geringem Pflanzenschutzaufwand regelmäßig gute und stabile Erträge. So reicht in aller Regel eine einmalige Fungizid-Behandlung zum Beispiel gegen die Cer­co­spora-Blatt­fleckenkrankheit. In den südlicheren Anbaugebieten müssen die Betriebe dagegen zumeist drei- bis viermal etwas gegen die Pilzkrankheiten unternehmen. Der Krank­heits­druck ist dort viel höher, wie ein Blick in den Blatt­krankheiten-­Warndienst der Südzucker beweist. Diese Karte zeigt sehr gut, in welcher Gesund­lage wir hier Rüben erzeugen“, so Stamm. Da können nicht viele Regionen in Deutschland mithalten.

„Der geringe Pflanzenschutzaufwand ist ein wichtiges Argument in der gesellschaftlichen Diskussion um mehr Umwelt- und Artenschutz“, verweisen Heinz Michels und Ludwig Schachten auf einen weiteren Aspekt: „Außerdem haben wir Bauern doch selbst großes Interesse daran, mit möglichst geringem Aufwand auszukommen. Das spart Kosten und reduziert die Gefahr von Resistenzen.“

Im Schnitt mehr als 70 t/ha

Die Zahlen geben den Landwirten jedenfalls recht: Im Warburger Einzugsgebiet haben die Betriebe im Schnitt immer deutlich mehr als 70 t/ha geerntet – auch in Jahren mit extremer Witterung wie dem nassen 2017 oder nach dem Dürresommer 2018. „Hier wachsen die Rüben einfach gut“, wissen Dietrich Schade und Andreas Michels. „Selbst die Biobetriebe, die nach Warburg liefern, ernten mehr als 70 bis 80 t/ha. Und die müssen ganz ohne chemischen Pflanzenschutz auskommen“, erklären Christoph Peine und Rainer Michels.

Hier profitieren die Warburger Lieferanten sicherlich vom angenehm-gemäßigten Klima. Die heimischen Rüben­anbauer arbeiten aber seit jeher auch mit einem maßvollen Zuckerrübenanteil in der Fruchtfolge. „Wir liegen hier bei weit unter 25 %“, schätzen Ferdi Stamm und Hartmut Neutze. Im Ergebnis gibt es deutlich weniger Probleme mit Nematoden oder Rizomania bzw. Rhizoctonia. „Unsere Böden sind gesund. Deshalb wäre es ein Fehler, den Rübenanbau in dieser Region abzuwürgen“, finden die Landwirte. Denn das wäre wohl die Folge der Werksschließung.

Kurze Wege, nah am Markt

Natürlich werden die Landwirte in Ostwestfalen ihren Rübenanbau nicht sofort einstellen, falls die Warburger Fabrik geschlossen wird. Die Erzeugung dürfte aber je nach Transportentfernung mehr oder weniger uninteressant werden. „Das ist doch verrückt“, meint Rainer Michels: „Alle reden über Dieselabgase und Klimaschutz und unsere Rüben, von denen mehr als 125  000 t aus dem 15-km-­Umkreis um Warburg stammen, sollen künftig mehr als 50 bis 70 km weit bis nach Wabern im Schwalm-Eder-Kreis gefahren werden. Die Bio­rüben müssten sogar über rund 400 km transportiert werden.“

„Dabei geht der Trend in Richtung Regionalität“, ergänzt Hartmut Neutze. Mit dem Ruhrgebiet liegt eine der größten Verbraucherregionen der EU quasi vor der Haustür. Solche Aspekte müssten doch miteinbezogen werden, auch wenn das Warburger Werk sicherlich nicht mehr das modernste sei. Dafür werden dort überwiegend spezielle Sorten wie Bio-, Dekor- und brauner Zucker hergestellt. Diese Produktion ist aufwendiger und damit natürlich auch teurer, relativieren die Praktiker das Kostenargument der Schließungspläne. Die Landwirte appellieren deshalb mit Nachdruck an die Südzucker-­Verantwortlichen, ihre Pläne noch einmal zu überdenken. Auf lange Sicht wäre eine Entscheidung „pro Warburg“ die richtige, finden sie.

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