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Neue Haarschaf­rasse nach 17 Jahren Züchtung

Für seine züchterische Arbeit bei der Entwicklung einer neuen Haarschaf­rasse wurde Ulf Helming aus Augustdorf mit dem Hans-von-Bemberg-Preis der Landwirtschaftskammer NRW ausgezeichnet.

Nach jahrelanger Selektion erscheinen die Tiere heute in einheitlichem Typ: hornlos, braun bis rotblond und mittelrahmig.

Angefangen hat alles mit vier Kamerunschafen, die Ulf Helming 1992 für einen Freund in Pflege nahm. Entstanden ist letztlich eine offiziell anerkannte, eigenständige Landschafrasse, die nicht geschoren werden muss, keine Hörner trägt und auch bei knapperem Futter vernünftige Schlachtkörper liefert.

Züchterpreis der Kammer

Am vergangenen Freitag nun ­wurden der Schafzüchter aus dem ­lippischen Augustdorf und seine Frau Gabriele Obermark mit dem Hans-von-Bemberg-Preis der Land­wirtschaftskammer NRW für die beste tierzüchterische Leistung des Jahres 2018 ausgezeichnet. Mit diesem Preis würdigt die Kammer Helmings langjährige richtungsweisende Arbeit als Schafzüchter und insbesondere sein Engagement bei der Entwicklung des „Braunen Haarschafs“, wie die neue Rasse vom Typ des Nolana Landschafs seit November 2018 ­offiziell heißt.

Schafzüchter Ulf Helming (rechts) und seine Frau Gabriele Obermark wurden durch Landwirtschaftskammerpräsident Karl Werring für besondere tierzüchte­rische Leistungen mit dem Hans-von-Bemberg-Preis ausgezeichnet.

Den undotierten Hans-von-Bemberg-Preis gibt es seit mehr als 60 Jahren. Er wird einmal jährlich für Höchstleistungen auf dem ­Gebiet der Tierzucht verliehen. Überreicht wurde die Auszeichnung am vergangenen Freitag durch Landwirtschaftskammerpräsident Karl Werring im Rahmen eines Netzwerktreffens der No­lana-­Züchter in Verl. Dort ließ ­Werring die Entstehungsgeschichte der neuen Rasse für die rund 100 Gäste und Gratulanten Revue passieren.

Ulf Helming musste schnell feststellen, dass die Haltung der Kamerunschafe wegen zu geringer Fleischausbeute nicht wirtschaftlich war. Er wollte aber weiter Schafe ohne Wolle halten.

Gezielte Umzüchtung

Also entschied er sich für eine ­gezielte Umzüchtung, erklärte Werring: Das Ziel war eine robuste Rasse, mit natürlichem Fellwechsel und Wollabwurf, möglichst braun, hornlos und im Landschaftyp stehend.

Auf der Grundlage der Kamerunschafe kreuzte Ulf Helming zunächst einen Merino-Landschafbock ein. Diese Rasse war aufgrund des Körperrahmens, ihrer Marschfähigkeit, der asaisonalen Brunst und Leichtlammigkeit interessant. Dann kam der Neben­erwerbs­schäfer aus Augustdorf in Kontakt mit Dr. Rolf Minhorst von der Universität Osnabrück, der ihn auf die Rasse „Wiltshire Horn“ aufmerksam machte. Das sind kompakte, weiße Fleischschafe, die kein Woll­vlies bilden, sondern lediglich ein dickeres Winterfell. Helming entschied sich, einige Kamerunschafe mit einem Wiltshire-­Horn-Bock ­anzupaaren. Damit hatte er nun zwei Töchtergenerationen (F1) mit unter­schiedlichen Vaterrassen.

Braune Haarschafe

Er kreuzte die F1-Tiere unter­einander und selektierte die Nachkommen der Folgegenerationen dann immer weiter in Richtung der gewünschten Merkmale. Zuerst stand der natürliche Wollwechsel im Vordergrund, danach folgte die Hornlosigkeit. Später selektierte Helming auch auf eine braune bis rotblonde Grundfarbe und in Richtung schwererer Schlachtkörper bei gleichzeitig starkem und trockenem Fundament. Schließlich sollten seine Schafe ihre gute Marsch­fähigkeit behalten.

Anders als die meisten Züchterkollegen, die mit Helming etwa seit dem Jahr 2000 am Nolana-­Zuchtversuch teilnahmen, wollte der Lipper Schafhalter keine Fleischschafe ohne Wolle (Nolana- Fleischschafe) züchten, sondern eine Rasse mit geringeren Ansprüchen an das Futter für Standorte mit ärmeren Böden. Das sei Helming mit seinem besonderen Blick für züchterisches Potenzial in beispielhafter Weise gelungen, erklärte Kammerpräsident Werring. So erhielten die Braunen Haarschafe schließlich nach 17 Jahren Zuchtarbeit Ende 2018 die offizielle ­Rasseanerkennung. Damit hat Ulf Helming es mit Unterstützung seiner Züchterkollegen aus dem Nolana-Netzwerk geschafft, eine robuste Landschafrasse zu entwickeln, die gute Schlachtgewichte liefert, aber nicht geschoren werden muss. „Unser Ziel war von Anfang an ein wirtschaftliches Haarschaf. Das ist uns ganz gut gelungen“, zeigten sich Ulf Helming und Gabriele Obermark mit dem Ergebnis zufrieden. Und obendrein haben sie jetzt auch noch einen Tierzüchterpreis dafür erhalten.

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