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Milchkrise: Von Entwarnung keine Spur

Die Milchpreise steigen, die psychische Belastung sinkt. Milcherzeuger haben aber immer noch mit den Folgen der Krise zu kämpfen. Foto: Drießen

11.08.2017 . Die Krise ist in den Köpfen der Milcherzeuger nach wir vor präsent. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen fordert, nicht nur die ernüchternden Zahlen, sondern auch den psychischen Druck auf den Höfen zu sehen.

Besonders im vergangenen Jahr war der Druck auf den Milchviehbetrieben groß. „Die Situation auf den Höfen ist trotz des Preisanstiegs seit Mai dieses Jahres noch immer angespannt“, erklärte Dr. Albert Hortmann-Scholten auf einer Pressekonferenz der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen am Mittwoch dieser Woche in Oldenburg. „Im Moment stehen nach wie vor die Konsolidierung und die Liquiditätssicherung im Mittelpunkt.“

Das Geld reicht nicht

„Bei dem Vergleich der Unternehmensergebnisse aus den Wirtschaftsjahren 2013/14 mit rund 86.000 € und 2014/15 mit etwa 33.000 €, ist ein Einbruch um fast zwei Drittel zu verzeichnen“, machte der Leiter des Unternehmensbereiches „Betrieb“ der LWK Niedersachsen deutlich. Im Wirtschaftsjahr 2015/16 gab es einen erneuten Rückgang um 6 % auf 31 000 €. Die Unternehmensergebnisse des Wirtschaftsjahres 2016/2017 werden voraussichtlich besser ausfallen. „Wir erwarten ein durchschnittliches Unternehmensergebnis in Höhe von 58.000 €“, erklärte er.

Keine Rücklagen

Dieses Ergebnis reicht längst nicht aus, um davon leben, geschweige denn Rücklagen bilden zu können. „Von dem Unternehmensergebnis müssen in der Regel mehrere Familien ernährt werden.“ Meistens werden Milchviehbetriebe von zwei Generationen bewirtschaftet. „Von dem Geld müssen Lebenshaltungskosten, private Steuern und Versicherungen, Altenteilsleistungen und die Tilgung von Krediten bezahlt werden.“ Für einen Familienbetrieb mit drei Kindern und einem Altenteilerehepaar sei ein Unternehmensergebnis von 100.000 € notwendig, um über die Lebenshaltungskosten hinaus auch noch sparen und tilgen zu können, Hortmann-Scholten.

Das sagt der Praktiker

Christoph Burmester ist Milchviehhalter in Hittbergen (Landkreis Lüneburg). Ihm macht die Krise noch immer schwer zu schaffen. Gemeinsam mit seinem Vater bewirtschaftet er einen Milchviehbetrieb mit 140 Kühen und 100 ha Grün- und 60 ha Ackerland. Nach seinem Bachelorstudium stieg der heute 31-Jährige in den elterlichen Betrieb ein.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben und dem Betrieb zukünftig eine Perspektive zu geben, erweiterte Burmester mithilfe einer Darlehenssumme von mehr als 500.000 € den bestehenden Boxenlaufstall auf 160 Plätze. Im Jahr 2015 begannen die Baumaßnahmen, im Juli 2016 war alles fertig. „Wir haben über ein Jahr lang ein dickes Minus eingefahren. Die Krise ist noch nicht vorbei. Jetzt gilt es Löcher zu stopfen und qualitativ zu wachsen“, so das Ziel des Milcherzeugers. „Wenn ich es bis zur nächsten Krise nicht schaffe, qualitativ zu wachsen, muss ich die Türen schließen.“ Kirsten Gierse-Westermeier

Den vollständigen Artikel lesen Sie in Wochenblatt-Ausgabe 33/2017.

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