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Maisbeizen: Keine Entwarnung

Mais gehört zu den Kulturen mit der geringsten Intensität der Pflanzenschutzmittel-Anwendung. Foto: Beth

Ein breites Programm von der Unkrautbekämpfung bis hin zum Fungizideinsatz im Mais wurde auf der diesjährigen Pflanzenschutztagung des Deutschen Maiskomitees am vergangenen Freitag in Cloppenburg behandelt. Mais gehört zu den Kulturen mit der geringsten Intensität der Pflanzenschutzmittel-Anwendung. Im Netz der Vergleichsbetriebe lag der mittlere Behandlungsindex nur zwischen 1,9 und 2,5. Dabei bedeutet der Behandlungsindex 1,0, dass nur eine Behandlung mit einem Pflanzenschutzmittel in voller Aufwandmenge gefahren wird.

Warten auf insektizide Beizen

Keine Entwarnung und damit eine mögliche Zulassung der Neonikotinoid-haltigen Saatgutbeizen in Mais konnte Dr. Udo Heimbach vom Julius Kühn-Institut (JKI) geben. Obwohl sich die Beizqualität bei Mais deutlich verbessert habe, mache die Beizqualität bei Getreide Sorgen. Gebeiztes Saatgut enthält noch sehr viel Staub. In Feldversuchen mit Mais, Raps und Gerste wurde festgestellt, dass Wirkstoffe aus der Saatgutbehandlung auch noch in 20 m Abstand in den benachbarten Kulturen gefunden wurde. Um Risiken für den Naturhaushalt auszuschließen, könne nur dann mit Zulassung von Saatgutbehandlungsmitteln gerechnet werden, wenn je nach Risikopotenzial der am Saatgut vorhandenen Wirkstoffe klare Vorgaben eingehalten würden, sowohl zur Abriebfestigkeit und Staubfreiheit des Saatgutes als auch zur Aussaattechnik.

Neue Erkenntnisse zum Auftreten von Guttation bei Kulturpflanzen erläuterte Dr. Christian Maus von der Bayer Crop Science Deutschland GmbH. Guttation ist ein natürlicher Prozess, bei dem die Pflanzen aktiv flüssiges Wasser in Form von Tröpfchen ausscheiden. Nach Saatgutbehandlung mit Neonikotinoiden enthält die Guttationsflüssigkeit Rückstände im hohen Bereich, die bienentoxisch wirken. In Maisbeständen wurden Feldstudien durchgeführt, in denen Bienenkolonien, die an gebeizten Maisfeldern aufgestellt waren, über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet und auf mögliche Effekte der Guttation kontrolliert wurden.

An allen Standorten setzte die Guttation wenige Tage nach dem Auflauf der Kultur ein und dauerte einige Wochen an, in manchen Fällen bis kurz vor der Blüte. Die Flüssigkeit wies direkt nach dem Auflauf hohe bienentoxische Neonikotinoid-Konzentrationen auf, die aber nach wenigen Wochen auf ein unbedenkliches Niveau zurückgegangen waren. Bienen wurden nur gelegentlich in der behandelten Fläche beobachtet. Die Anzahl konnte durch die Darreichung einer Wasserquelle am Bienenstock deutlich reduziert werden. Der Totenfall der exponierten Bienenkolonien war an wenigen Tagen in einzelnen Kolonien leicht erhöht. Rückstände in gefundenen toten Bienen weisen auf eine gelegentliche Aufnahme von Guttations-Wasser hin.

Mit dem Fazit, dass die Guttation von Neonikotinoid-behandeltem Mais unter realistischen Freilandbedingungen kein unvertretbares Risiko für Bienenkolonien darstellt, waren Vertreter des JKI nicht einverstanden. Nach deren Untersuchungen enthält das Guttationswasser über Wochen hohe Rückstände des Beizmittels in tödlicher Dosis für die Bienen. Daher würden die Daten derzeit nicht ausreichen, um Entwarnung zu geben. ekg

Den ausführlichen Bericht lesen Sie in Wochenblatt-Folge 27/2010, S. 24.