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"Kritik war nicht erwünscht"

Wilhelm Brüggemeier im heimischen Kuhstall. Er sieht sich vom DMK-Aufsichtsrat ausgetrickst. Die Genossenschaft nennt ganz andere Gründe.  Foto: Richard

Wilhelm Brüggemeier hat sein Vorstandsamt beim Deutschen Milchkontor (DMK) nicht freiwillig geräumt; er wurde quasi rausgeworfen. Dabei war er einer der glühendsten Befürworter der Fusion von Humana Milchunion, Molkereigenossenschaft Bad Bibra und Nordmilch zum DMK vor zwei Jahren und hat bei den Verschmelzungsverhandlungen als Vorstandsmitglied die Humana-Seite vertreten.

Wilhelm Brüggemeier ist nicht mehr Vorstandsmitglied bei der DMK Deutsches Milchkontor eG. Dass ein Ehrenamtlicher nicht wiedergewählt wird, ist eigentlich ein völlig normaler Vorgang. Auch Brüggemeiers „Nebenamt“ als Vizepräsident des WLV darf hier keine Rolle spielen. Aufhorchen lässt eher, wie sich die Abwahl abgespielt hat. Das, so Brüggemeier im Gespräch mit dem Wochenblatt, sei nicht sauber gelaufen. Er sei das Opfer einer Intrige geworden.

"Alles nur eine Formsache"

Schon Mitte Dezember habe es eine Sitzung des Aufsichtsrates gegeben, bei der unter anderem die Neuwahl des Vorstandes auf der Tagesordnung stand. Diese Neuwahl habe deshalb angestanden, weil die DMK eG als Mutterunternehmen des gesamten DMK-Konzerns einen „paritätisch mitbestimmten“ Aufsichtsrat bekommen habe. Dort sitzen jetzt neben sechs Landwirten auch sechs Arbeitnehmervertreter: vier aus dem eigenen Unternehmen, zwei betriebsfremde als Delegierte der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Nachdem das Unternehmen DMK sich insgesamt neu aufgestellt habe, sollte auch der Vorstand nach neuem Status bestellt werden, quasi ein formeller Neuanfang.

Voraussetzung dafür war aber, dass alle Vorstandsmitglieder erst einmal zurücktraten – in der Erwartung, dass sie unmittelbar darauf wiedergewählt würden. So war das auch bei zehn der zwölf Bauern. Lediglich Max-Helmut Kirst (Schleswig-Holstein) schied seines Alters wegen aus. Seinen Platz nimmt jetzt Detlef Horstmann ein. Und Wilhelm Brüggemeier „erhielt nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit der Stimmen“, wie DMK in der vergangenen Woche auf Anfrage mitteilte. Sein Sitz am Vorstandstisch ist jetzt verwaist.

„Hinterlistig ausgetrickst“

Die Umstände dieses Wahlganges treiben dem 59-jährigen Landwirt aber auch jetzt noch die Zornesröte ins Gesicht. In aller Ruhe habe der Aufsichtsrat abgewartet, bis alle Vorstände ihren Rücktritt erklärt hatten. Und danach erst seien plötzlich Vorwürfe gegen ihn erhoben worden, die das Vertrauen in seine Person erschüttern sollten, die seine Wiederwahl verhindern sollten.

Angeblich gehe es um Dinge, die er als Vorstandsmitglied der Humana Milchunion 2004 bis 2007 zu verantworten hatte.

Die Anschuldigungen seien absurd, „eine Fata Morgana“, so Brüggemeier selbst, da sie nicht stimmten und zudem das Vorgängerunternehmen Humana Milchunion betreffen würden – mit dem Abstand vieler Jahre. Aber sie hätten ausgereicht, um im Aufsichtsrat Stimmung gegen ihn zu machen. Das Ergebnis sei bekannt.

Zu viele kritische Fragen?

Brüggemeier selbst sieht den Grund für seinen Rauswurf ganz woanders: „Ich bin dem DMK wohl zu unbequem“, vermutet er. „Als Vorstand habe ich mich nämlich nicht darauf beschränkt, die Vorlagen der Geschäftsführung entgegenzunehmen und gutzuheißen, sondern habe kritisch nachgefragt und Gegenargumente eingebracht. Ich bin auch nicht zufrieden damit, wie sich das Unternehmen seit seiner Gründung entwickelt hat. Die Mitwirkungs- und Informationsmöglichkeiten des Ehrenamtes bei den zahlreichen Tochtergesellschaften und deren Ablegern sind systematisch gefiltert worden.“ Letztlich, so Brüggemeier, sei die Position der Bauern nicht mehr stark genug.

Der Landwirt aus Enger, auch Vorsitzender des Milchausschusses im WLV, sieht seine Entfernung aus dem Amt als Präzedenzfall. Es gehe um die gezielte Einschüchterung auch anderer kritischer Ehrenamtlicher: „Querköpfe“ sollten mundtot gemacht werden.

Die Genossenschaft DMK, namentlich in Gestalt ihres ehrenamtlichen Aufsichtsratsvorsitzenden Otto Lattwesen, sieht den Sachverhalt in seinen wesentlichen Teilen völlig anders. (Mehr dazu im Beitrag )

Wie geht es weiter?

Jetzt ist der Beirat der Genossenschaft am Zuge. Die Wahl der Vorstandsmitglieder nimmt zwar der Aufsichtsrat vor und könnte dies theoretisch auch in Eigenregie tun. Dem Beirat steht aber ein Vorschlagsrecht zu. Zehn der rund 100 Beiräte kommen aus Westfalen und sollen jetzt eine Person als Vorschlag für das Vorstandsamt auswählen, die dann der Beirat als Ganzes dem Aufsichtsrat zur Wahl empfiehlt. Die Wahl soll bis Ende Februar über die Bühne gehen. ri