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Kreisverbandstag in Handorf: „Nein sagen reicht nicht“ Digital Plus

Landwirte in Münster diskutieren mit Kammerexperten Dr. Horst Gömann und Dr. Josef Tumbrinck vom Bundesumweltministerium über Auswege aus der Klima- und Landwirtschaftskrise.

Susanne Schulze Bockeloh mit Dr. Josef Tumbrinck (links) und Dr. Horst ­Gömann. Die Vorsitzende hatte Referenten und Publikum „sicher im Griff“.

Selten war ein Kreisverbandstag der Bauern in Münster so lebhaft. Zunächst stärkten zahlreiche Redner im voll besetzten „Dat Handorfer Huus“ ihrer Kreisvorsitzenden Susanne Schulze Bockeloh den Rücken. Sie tritt am 17. Februar 2020 als Gegenkandidatin von Hubertus Beringmeier an und will sich zur ersten WLV-Präsidentin der Verbandsgeschichte wählen lassen. „Ein frisches Gesicht an der Spitze kann unserem Berufsstand neuen Schub verleihen“, lobte Kreislandwirt Heinz-Georg Hartmann seine Berufskollegin, die aus dem Siegerland stammt und in Soest Landwirtschaft studiert hat. Werner Gehring sagt danke Anschließend verabschiedete sich Werner Gehring von „seinen Bauern“ in Münster. Der WLV-Hauptgeschäftsführer hatte seine berufliche Karriere im Frühjahr 1986 im Kreisverband Münster begonnen. Ab 1. März 2020 reicht er das Zepter an Dr. Thomas Forstreuter weiter. Gehring zollte den jungen Bauern größten Respekt, die nächtelang mit ihren Schleppern unterwegs sind, um gegen Düngeverordnung und Agrarpaket zu protestieren. Doch er mahnte die Hofnachfolger auch zur Besonnenheit. „Sicher

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Selten war ein Kreisverbandstag der Bauern in Münster so lebhaft. Zunächst stärkten zahlreiche Redner im voll besetzten „Dat Handorfer Huus“ ihrer Kreisvorsitzenden Susanne Schulze Bockeloh den Rücken. Sie tritt am 17. Februar 2020 als Gegenkandidatin von Hubertus Beringmeier an und will sich zur ersten WLV-Präsidentin der Verbandsgeschichte wählen lassen. „Ein frisches Gesicht an der Spitze kann unserem Berufsstand neuen Schub verleihen“, lobte Kreislandwirt Heinz-Georg Hartmann seine Berufskollegin, die aus dem Siegerland stammt und in Soest Landwirtschaft studiert hat. Werner Gehring sagt danke Anschließend verabschiedete sich Werner Gehring von „seinen Bauern“ in Münster. Der WLV-Hauptgeschäftsführer hatte seine berufliche Karriere im Frühjahr 1986 im Kreisverband Münster begonnen. Ab 1. März 2020 reicht er das Zepter an Dr. Thomas Forstreuter weiter. Gehring zollte den jungen Bauern größten Respekt, die nächtelang mit ihren Schleppern unterwegs sind, um gegen Düngeverordnung und Agrarpaket zu protestieren. Doch er mahnte die Hofnachfolger auch zur Besonnenheit. „Sicher, wir können wochenlang protestieren. Doch am Ende trägt immer nur das bessere Argument. Jetzt kommt es darauf an, dass wir Partner in der Politik suchen und Allianzen schmieden.“ Können die Landwirte in Deutschland die von der Politik gesetzten Ziele zum Klimaschutz erreichen, zum Beispiel den Ausstoß der schädlichen Klimagase bis 2030 um 17 % senken? Dr. Horst Gömann, Leiter des Fachbereiches Landbau bei der Landwirtschaftskammer NRW, glaubt fest daran. Doch es gebe noch viel zu tun. Die Landwirte müssten insbesondere die Effizienz bei der N-Düngung verbessern und ihre Güllebehälter gasdicht verschließen. Die Landwirtschaftskammer NRW erarbeite gerade ein Beratungskonzept zum Klimaschutz. Gömann: „Wir werden unseren Landwirten helfen, freiwillige Maßnahmen zum Klimaschutz umzusetzen. Das aber geht nur mit Know-how und finanziellen Anreizen.“ Düngeverordnung bleibt Dr. Josef Tumbrinck ist seit Anfang April 2019 Unterabteilungsleiter im Bonner Umweltministerium. Der ehemalige NRW-NABU-­Vorsitzende warnte die Zuhörer vor Wunschdenken. Berlin werde den Kompromiss zur Düngeverordnung nicht wieder aufdröseln. Die Landwirte sollten sich vielmehr aktiv in den Dialogprozess ein­bringen. Die Landwirtschaft in Deutschland und der EU sei nur zukunftsfähig, wenn sie klimafreundlich produziere und die Umwelt nicht belaste. „Nein sagen reicht nicht. Stehen Sie nicht länger am Rand. Lassen Sie uns gemeinsam ein Zukunftspaket für die Landwirtschaft schnüren.“ Fragen nicht beantwortet In der Diskussion warfen jüngere und ältere Landwirte Dr. Tumbrinck vor: „Alle heiklen Fragen blenden Sie aus. Wie zum Beispiel sollen unsere Tierställe aussehen und wer zahlt die Mehrkosten? Unsere Hofnachfolger brauchen Planungssicherheit für 20 bis 30 Jahre. Die Politiker aber denken nur bis zur nächsten Wahl.“ Die Landwirte sollten nicht auf die „aufgeklärten Verbraucher“ an der Ladentheke setzen, warnte Schulze Bockeloh. Die Masse werde immer preisbewusst einkaufen. „Das tun wir als landwirtschaftliche Unternehmer doch auch.“Wäre es eine Lösung, wenn Berlin die Mehrwertsteuer für Lebensmittel auf 19 % anhebt und diese Gelder an die Bauern als Ausgleich weiterreicht? Dr. Gömann hält davon nicht viel. Der Pflanzenbauer traf den Nagel auf den Kopf, als er feststellte: „Derzeit geht es uns sehr gut in Deutschland. Wir leisten uns weltweit die höchsten Strompreise. Doch wie sieht es in 15 oder 20 Jahren aus, wenn die Wirtschaft nicht mehr so gut läuft? Wird der Staat den Bauern dann weiter den versprochenen Ausgleich leisten?“ Mehr zum Thema: