Klöckners Visionen zur Landwirtschaft

Julia Klöckner will die Landwirte und Gesellschaft wieder zusammenbringen. Landwirte sollen neue Trends aufnehmen, Verbraucher anders einkaufen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner setzt auf eine langfristig tragfähige Agrarpolitik. „Wir müssen verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, die auf der einen Seite Planungssicherheit bei den Landwirtinnen und Landwirten erzeugen, aber zugleich die Akzeptanz der landwirtschaftlichen Arbeit in der Gesellschaft sichern“, sagte Klöckner beim Politischen Erntedank ­ihres Ressorts am Dienstag vorvergangener Woche in Berlin.

„Nationale Allianz“

Die Politik müsse für Rahmenbedingungen sorgen, „damit auch die kommenden Generationen noch Lust auf Arbeit im Stall und auf dem Feld haben“. Die Ministerin will sich dafür einsetzen, Landwirtschaft und Gesellschaft wieder stärker zusammenzubringen. Das Ziel sei „eine nationale Allianz für die Landwirtschaft“.

Die Landwirtschaft sieht die Ministerin gefordert, mit neuen transparenten Angeboten auf die vielfältigen Trends zu reagieren. Die Gesellschaft wiederum sei in der Pflicht, diese Angebote auch zu würdigen. Dies gelte nicht zuletzt für die von ihr angestoßenen politischen ­Initiativen, die Ackerbaustrategie, das Tierwohl-Kennzeichen und den Insektenschutz.

„Ein neues Landwirtschaftsbewusstsein“

Klöckner betonte den engen Zusammenhang von Ernährung und Landwirtschaft, den sie in ihrer Politik stärker herausstellen wolle. „Unsere Landwirtschaft ist auch das Ergebnis dessen, was und wie wir einkaufen, was und wie wir ­essen“, sagte die CDU-Politikerin. Sie will weg von pauschalen Schuldzuweisungen und unzumutbaren Verkürzungen in der ­Debatte um die Landwirtschaft.

„Unsere Landwirtschaft ist auch das Ergebnis dessen, was und wie wir einkaufen, was und wie wir ­essen.“ (Julia Klöckner, Bundeslandwirtschaftsministerin)

Notwendig sei stattdessen „ein neues Landwirtschaftsbewusstsein“, um den Einfluss des Einkaufsverhaltens eines jeden Einzelnen auf die Entwicklung der Landwirtschaft deutlich zu machen. Man müsse sich darüber im Klaren sein, „dass wir mit unserer Nachfrage auch das Angebot bestimmen“. Wer also mehr Tierwohl wolle, müsse Tierwohl kaufen. Und wer dem Klimawandel „ganz praktisch begegnen“ wolle, so Klöckner, sollte regionale Lebensmittel beim Direktvermarkter einkaufen.Landwirtschaft seien eben nicht nur die anderen, „Landwirtschaft, das sind wir alle“.

Keine Verbotspolitik

Eine Absage erteilte die Ministerin einer Verbotspolitik im Bereich der Ernährung. Ihr gehe es stattdessen darum, „den Einzelnen entscheidungsfähig zu machen“. Klöckner bekannte sich zu dem Ziel, das hohe Niveau der Lebensmittelsicherheit in Deutschland „zu erhalten und zu verbessern“. Daneben komme es darauf an, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten zu unterstützen und dabei die verschiedenen Lebensphasen noch stärker in den Blick zu nehmen.

Verbraucher beeinflussen mit ihrem Einkauf die landwirtschaftliche Produktion. „Wer mehr Tierwohl will, muss auch mehr Tierwohl kaufen“, nimmt Julia Klöckner die Gesellschaft in die Pflicht. Die Landwirtschaft muss sich auch ändern. (Bildquelle: Robert Kneschke/stock.adobe.com)

Unterstützen will die CDU-Politikerin nachhaltige Konsummuster. Dazu gehören für sie auch eine höhere Wertschätzung von Lebensmitteln sowie weniger Verschwendung. Dem Trend zur Individualisierung in den Ernährungsstilen will Klöckner Rechnung tragen, indem Informationen über Lebensmittel erleichtert werden sollen. Ein Beispiel sei die geplante erweiterte Nährwertkennzeichnung. Schließlich will sich die Ministerin dafür einsetzen, das Menschenrecht auf angemessene Nahrung weltweit zu verwirklichen.

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