Klimawandel im Faktencheck

Hysterie, Propaganda, Hype - der Klimawandel ist umstritten. Nicht in der Wissenschaft, dafür umso mehr in der Bevölkerung. Was ist dran am Zweifel?

Was ist dran am Zweifel der Klimaskeptiker? Wir haben verbreitete Argumente gesammelt und sie einem Faktencheck unterzogen. Die einzelnen Quellen, auf die wir unsere Aussagen stützen,

Argument 1: Das Klima hat sich schon immer verändert. Kalt- und Warmzeiten gibt es seit jeher.

Richtig ist, dass das Klima sich auch in der Vergangenheit verändert hat. Allerdings lassen sich die derzeitigen Klimaänderungen nicht durch die bekannten natürlichen Mechanismen erklären.

Dazu einen Schritt zurück: Grundlegend ändert sich das Klima, wenn es durch äußere Einflüsse dazu gebracht wird. Wird beispielsweise die Sonne heller, erhält die Erde mehr Energie und erwärmt sich. Durch Vulkanausbrüche gelangen Mikropartikel in die Atmosphäre und reflektieren die Sonnenstrahlung – die Erde kühlt ab. Nehmen Treibhausgase zu, strahlt die Erde weniger Energie ins Weltall und erwärmt sich.

Die Klimaänderungen der Vergangenheit wurden durch externe Faktoren natürlicher Art ausgelöst. Der treibende Faktor heute ist aber der Mensch, der seit der Industrialisierung der Atmosphäre immer mehr und immer schneller Treibhausgase zufügt. Dieser nicht natürliche Faktor ändert auch das Klima in einer nie dagewesenen Stärke: Die Temperaturen steigen schneller, höher und über den gesamten Planeten hinweg.

Argument 2: Der Klimawandel ist nicht menschengemacht. Dafür liefert auch die Wissenschaft keine Beweise.

Es ist wissenschaftlich belegt, dass der Mensch Hauptverursacher der gegenwärtigen globalen Erwärmung ist. Diesem Konsens stimmen Wissenschafts-Akademien aus 80 Ländern zu und zwischen 97 und 99 % der Klimawissenschaftler. Die derzeitigen Klimaänderungen lassen sich ohne die durch den Menschen verursachten Treibhausgase nicht erklären.

Natürlich gibt es Wissenschaftler, die dies bestreiten. Hier lohnt es, genauer nach deren Kompetenz zu schauen. Denn: Es gibt bislang keine einzige Forschungsarbeit, die das für wissenschaftliche Veröffentlichungen übliche Verfahren zur Qualitätssicherung durchlaufen hat, die die Erderwärmung des 20. Jahrhunderts ohne den menschlichen Einfluss erklären kann.

Argument 3: CO2 ist nicht für die Erderwärmung verantwortlich – der Anteil in der Atmosphäre ist viel zu gering.

Richtig ist, dass nur ein Bruchteil der Atmosphäre – rund 0,04 Volumenprozent – Kohlenstoffdioxid ist. Ein niedriger Wert allein sagt aber nichts aus, denn auch wenige Moleküle können eine große Wirkung haben: Trifft Sonnenstrahlung auf die Erde, wird sie von dieser absorbiert und in Form von Wärmestrahlung wieder ins Weltall geschickt. Die Treibhausgase in der Atmosphäre verhindern durch ihre chemische Struktur aber, dass die Wärmestrahlung ins All entweichen kann. Im Gegenteil: Sie reflektieren sie sogar teils und schicken sie zurück zur Erde.

Das Klimasystem reagiert schon auf geringe Mengen CO2 sehr sensibel. Die Natur nimmt durch Photosynthese, Verwitterung oder andere Prozesse in Böden und Ozeanen mehr CO2 auf, als sie produziert. Ganz anders der Mensch: Er holt fossilen Kohlenstoff aus den Tiefen der Erde an die Oberfläche, verbrennt Kohle, Erdöl oder Erdgas in der Industrie oder beim Heizen und schickt das dabei entstehende CO2 in die Atmosphäre. Seit Beginn der Industrialisierung hat sich der CO2-Anteil in der Atmosphäre von 280 ppm auf 405 ppm erhöht – ein Anstieg um 44 %.

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