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Kälber billiger als Ferkel

Die Kälberpreise liegen am Boden, zum Teil müssen Landwirte sogar „Abholgebühren“ zahlen. Woran liegt das?

Viele Milcherzeuger sind erschrocken: Teilweise müssen sie für leichte Mutterkälber Gebühren bezahlen, damit der Vermarkter diese mitnimmt.

Manchmal sagen Zahlen mehr als Worte: Das 25-kg-Ferkel (ohne Qualitätsaufschlag!) ist mit 57 € notiert, das schwarzbunte Bullenkalb der guten Qualität mit 56 €.

Der Ferkelpreis ist ordentlich und der Marktsituation beim Schwein angemessen – aber beim Kalb können sich selbst altgediente Kälbervermarkter nicht an eine solche Marktsituation erinnern. Nun lässt sich das schwarzbunte Bullenkalb über 45 kg ja noch vermarkten, aber beim leichten Mutterkalb nehmen die ersten Vermarkter „Abholgebühren“.

Kalbfleisch ist sehr günstig

Es gibt immer noch mehrere Gründe für das derzeitige Desaster: Nach jahrelangem ordentlichen und auch steigenden Kalbfleischabsatz ist der Markt seit Monaten unter Druck: Weißes Kalbfleisch muss für den Mäster etwa 5 €/kg bringen und nicht die aktuellen 3,80 bis 4,20 €. Es fehlt schlicht 1 €. Die Produktion ist zu hoch.

In den Niederlanden wurden bei der April-Zählung erstmals über 1 Mio. Kälber gezählt. Jetzt werden in etlichen Mastbetrieben vier bis fünf Wochen Leerstände gefahren, um den Markt zu stabilisieren.

Denn auch der Export von Kalbfleisch nach Frankreich und Italien stockt, zum Teil auch wegen fehlender Versicherungsmöglichkeiten im Export. Aus Deutschland gehen etwa 10  000 Kälber pro Woche in die Niederlande – das ist der wesentliche Absatzmarkt.

Holland, Blauzunge, Futter

Auch mit der Phosphorquote haben die Kälbermäster in den Niederlanden ein Problem. Die Quote hat auch etwas damit zu tun, dass auf niederländischen Kälbersammelstellen bis zu 50 % blau-weiße Kälber ankommen. Offenbar re­duzieren niederländische Milchviehhalter ihre Nachzucht. Schon verwunderlich, hatten die Niederländer wegen des Problems im ­vorletzten Jahr 200  000 Milchkühe herausgekauft. Auch der dortige Überfluss an Kreuzungskälbern hat die hiesige Notierung für die Kreuzungskälber massiv unter Druck gesetzt.

Das Thema „Blauzunge“ kommt noch obendrauf und stellt die Kälber- und Fresservermarkter vor gravierende Probleme. Die freien Gebiete dürfen aus Restriktionsgebieten nur mit Impfung beliefert werden. Aber mit Blutprobe ins Ausland verschleudern – das geht.

Auf der anderen Seite läuft der Absatz an Kälbern oder Fressern in die Bullenmast nur sehr schleppend: Die Bullenmäster steigen zum Teil aus, andere agieren nach dem Motto: Schaun wir mal, was im Herbst im Silo ist und mit welcher Qualität! Das Ergebnis der Maisernte wird in vielen Betrieben darüber entscheiden, ob und wie viel nachgestallt wird. Das Fressergeschäft steht jedenfalls stark unter Druck. Und die Fresser aus den ostdeutschen Mutterkuhherden kommen erst noch.

Die Schlachterlöse für die Bullen sind nach wie vor mau, wenn auch leicht verbessert. Da geht es nicht nur um den schleppenden Rindfleischabsatz, sondern auch unverändert um die schlechten Häutepreise, die den Bullenmäster (Gleiches bei der Altkuh) bis zu 20 Cent/kg Schlachtgewicht kosten.

Rindfleisch aus Übersee

Beim Rindfleischabsatz sind auch die Rinderschlachter emotional auf 180 Grad. Während hier jedes Tier ohne Ohrmarke oder Rinderpass „in die Tonne“ geht, zeigt sich an den Theken des Lebensmittelhandels zunehmend die Flaggenparade von Irland über die USA und Patagonien bis nach Austra­lien. Unter dem Begriff „Regionalität“ hatte man bislang etwas anderes verstanden, von sicherem „4  x  D“ ganz zu schweigen.

Von alledem sind natürlich vor allem die spezialisierten Rindfleisch­erzeuger betroffen. Aber unseren Milchviehhaltern – wie war das noch mit angeblich steigenden Milchpreisen in diesem Jahr? – fehlt auch das Geld bei der Altkuh und dem Kalb. Wenn es denn noch abgeholt wird.

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