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Ursula Heinen-Esser beim Schafzuchtverband

„Ich komme nach Schermbeck!“

Klares Bekenntnis von Landwirtschaftsministerin Heinen-Esser: Im Wolfsgebiet Schermbeck sind die Schafhalter die Leidtragenden.

Offener und verständnisvoller Austausch in Dortmund-Lanstrop: Ortrun Humpert, Vorsitzende des Schafzuchtverbandes, und Ursula Heinen-Esser.

Mit klaren Aussagen und Verständnis für ihre Situation hat Ursula Heinen-Esser am Mittwochabend die Schafhalter und –züchter positiv überrascht. Bei der Delegiertenversammlung des Schafzuchtverbandes NRW in Dortmund-Lanstrop machte die CDU-Politikerin keinen Hehl daraus, dass sie die Schafhaltung in Nordrhein-Westfalen unbedingt erhalten möchte. Gleichzeitig erinnerte sie aber auch daran, dass die Wolfsproblematik nicht einfach zu lösen ist.

Auffällige Wölfin?

Hintergrund der aktuellen Debatte ist vor allem die am Niederrhein in Schermbeck (Kreis Wesel) ansässige Wölfin, die bereits viele Nutztiere gerissen hat. Die Schäfer sehen ihre Tiere akut bedroht und fordern, dass das Raubtier „entnommen“, also geschossen wird.

Heinen-Esser betonte, dass die Entnahme nicht einfach anzuordnen sei. Die Wölfin müsse „auffällig“ sein, das heißt zum Beispiel nachweislich 1,20 m hohe, stromführende Zäune überspringen, um Nutztiere zu reißen, oder sich Menschen bis auf kurze Distanz nähern. Der Nachweis, dass die Schermbecker Wölfin im juristischen Sinne auffällig ist, steht noch aus. Bis dahin bleibt nur, die nach Ansicht der Ministerin großzügig bewilligten Entschädigungen nach Wolfsübergriffen zu nutzen, um wenigstens den materiellen Schaden zu begrenzen.

Die Stimmung in Schermbeck ist aufgeheizt, wie während der Versammlung berichtet wurde. „Wolfsschützer“ seien nachts sogar unterwegs, um die Weidezaungeräte auszuschalten, die die Schutznetze mit Strom versorgen. Die Schäfer müssten neben den Schäden auch noch öffentliche Angriffe erdulden, weil sie den naturschutzrechtlich streng geschützten Wolf nicht dulden wollten. Deeskalation ist ganz wichtig, betonte Ursula Heinen-Esser deshalb. „Die Schafhalter sind im Wolfsgebiet Schermbeck die Leidtragenden“, bekannte die Ministerin und erklärte dann: Ich komme zu Ihnen, um mir die Situation direkt anzusehen. Die Schäfer nahmen das mehr als positiv auf.

Offenes Ohr

Ein offenes Ohr hatte Heinen-Esser auch für die anderen Sorgen der Schafzüchter. Dabei geht es unter anderem um Probleme bei der Anerkennung der Futterflächen im Zuge der Cross-Compliance-Kontrollen für die Gewährung von Direktzahlungen. Hier werde übertrieben streng beurteilt, beschwerten sich gleich mehrere Betroffene. Unter anderem sollen Flächen „gestrichen“ werden, weil dort trockenheitsbedingt kein Futter mehr wachse. „Für das Wetter sind wir aber nicht verantwortlich“, brachte es einer der Schäfer auf den Punkt. Wenn zum Ausfall der Futterfläche auch noch eine Prämienkürzung oder –streichung hinzukommt, dann ist das existenzbedrohend.

Die ausgezeichneten Schafzüchter mit ihrer Vorsitzenden Ortrun Humpert und Geschäftsführerin Fides Marie Lenz.

Viele Auszeichnungen

Weitaus angenehmer als das Thema Wolf war der Tagesordnungspunkt „Ehrungen“. Viele Schafzüchter und –halter wurden für besondere Leistungen in der Zucht ausgezeichnet, mit Verbandsplaketten, Medaillen der Landwirtschaftskammer und des Landwirtschaftsministeriums. Geehrt wurden die Aussteller bzw. Verkäufer der besonders erfolgreichen Tiere bei den Auktionen und Schauen des Schafzuchtverbandes.