Hornlosbullen stark gefragt

Hornlosbullen waren bei den hessischen Rinderzüchtern 2019 besonders beliebt. Das zeigten die Auswertungen bei den Qnetics-Winterversammlungen.

Im Zuge des Strukturwandels ist die Anzahl der Milchviehbetriebe, der Kühe und auch die der Besamungen in Hessen im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen. So nahmen 2019 noch 1573 Landwirte (–86) mit rund 116.400 Kühen (–4100) an der Milchleistungsprüfung (MLP) teil, erklärte Dr. Sonja Kleinhans vom Hessischen Verband für Leistungsprüfung in der Tierzucht (HVL) bei der Winterversammlung des HVL und der Qnetics GmbH in Wolfhagen. Dort waren kurz vor Weihnachten knapp 100 Landwirte aus den Regionen Kassel und Waldeck zusammengekommen, um mit Klein­hans und den beiden anderen Qnetics-­Geschäftsführern Ronald Bialek und Rudi Paul über aktuelle Entwicklungen in der Rinderzucht und Milchviehhaltung zu diskutieren.

Hornlose Spitzenreiter

Wie Bialek berichtete, sind parallel zu den Kuhzahlen auch die Besamungen rückläufig: Von Januar bis November 2019 wurden noch gut 372.000 Spermaportionen im Qnetics-­Verbreitungsgebiet Hessen und Thüringen verkauft (im Vorjahreszeitraum 392.000). Es gibt aber interessante Trends, beispielsweise innerhalb der Rassen bzw. Farbrichtungen.

So ging der Absatz an Sperma von schwarzbunten Holsteinbullen um rund 10 % auf 232.600 Portionen zurück, während sich die Verkaufszahlen beim Red-Holsteinsperma gegenüber 2018 sogar erhöhten – und zwar um 8 % auf 51.600. Das dürfte laut Bialek mit der Qualität der rotbunten Hornlosvererber im Qnetics-Angebot zusammenhängen: „Ganz offensichtlich wurden auch etliche schwarzbunte Kühe mit hornlosen rot­bunten Spitzenvererbern besamt“, so der Geschäftsführer.

Der Trend zum möglichst reinerbigen (PP) Hornlosbullen wird auch an der Rangliste der beliebtesten der Vererber deutlich: Bei den Schwarzbunten wird die Einsatzliste von Advocat PP mit 11.406 Portionen angeführt. Es folgen Filou mit 9707 und Mineral PP mit 8244 Portionen. Bei den Red Holstein-Vererbern gingen sogar alle drei „Medaillenplätze“ an hornlose Bullen: An erster Stelle liegt Lumumba PP mit 3883 Portionen vor Kiss PP mit 3346 und Laptop PP mit 2882 Portionen. Und auch bei den Fleckviehbesamungen wird die Hitliste mit Vollgut PP (1926) und Vollkommen PP (1888) vor Maienstein P (1866) von hornlosen Bullen angeführt. Insgesamt haben die Qnetics-Züchter im Auswertungszeitraum 30.900 Spermaportionen von Fleckvieh-Vererbern gekauft (–4 %).

Milchleistung gestiegen

Was die Milchleistung betrifft, hatte Dr. Sonja Kleinhans erfreuliche Zahlen mitgebracht: Trotz der belastenden Sommerhitze und einzelbetrieblich schwieriger Grundfuttersituation haben die Kühe mehr Milch gegeben: Der hessische Durchschnitt lag im Kontrolljahr 2019 bei 8742 kg Milch pro Kuh und damit um 132 kg über dem Vorjahresergebnis. Die 64 MLP-Betriebe (–1) im Landkreis Kassel erreichten mit ihren 4519 Kühen im Schnitt 8858 kg (+322 kg) pro Kuh. Im Landkreis Waldeck-­Frankenberg gibt es noch 250 Betriebe (–9) mit insgesamt 21  646 MLP-Kühen (–788). Die Leistung stieg hier um 250 kg auf 9569 kg Milch je Kuh und liegt damit weit über dem Landes­durchschnitt.

Weniger Erfreuliches konnte Rudi Paul aus dem Bereich Zuchtviehabsatz berichten. Im vergangenen Jahr litt das Geschäft sowohl unter den Vermarktungshindernissen aufgrund der Blauzungenkrankheit als auch unter den Schwierigkeiten bei der Abfertigung von Zuchtviehtransporten ins Ausland. Hier braucht es dringend Lösungen, damit der Zuchtrinderversand wieder in geregelten Bahnen laufen kann.

Betriebsbesichtigung

Einblicke in die Praxis lieferte der traditionelle Betriebsbesuch am Nachmittag der Winterversammlung. Diesmal ging es nach Bad Arolsen-Landau zum Kuhstall der Erhard und Werner Behr GbR. Die Brüder haben 2005 einen Boxenlaufstall im Außenbereich gebaut, der seitdem in mehreren Schritten auf heute rund 90 Kuhplätze erweitert wurde. In den vergangenen Jahren wurde zudem in zusätzlichen Güllelagerraum und aktuell in eine neue Fahrsiloanlage investiert, wie Junior Alexander Behr seinen Berufskollegen erklärte. Außerdem wurde ein großzügiger Tiefstreubereich für die Tiere rund um die Geburt geschaffen, um den Kühen in dieser sensiblen Phase möglichst komfortable Bedingungen zu bieten.

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