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Dialog statt Konfrontation

Grüne Woche: Die Aussagen der Eröffnungsfeier Digital Plus

„Wir wollen Dialog“ – diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch die Eröffnungsfeier zur Internationalen Grünen Woche.

Das Partnerland Kroation bot bei der Eröffnungsfeier ein buntes Rahmenprogramm mit Tanz und Musik.

Man konnte ihm den Stolz ansehen: Mit mehr als 1800 Ausstellern aus 72 verzeichnet die diesjährigen 85. Internationale Grüne Woche (IGW) einen neuen Rekord, verkündete Messechef Christian Göke am Donnerstagabend bei der Eröffnungsfeier. Das untermauere die große Bedeutung der IGW als internationale Austauschplattform für die Landwirtschaft und Ernährungsindustrie.

Start mit Kampfbegriffen

Kurz danach entstand unter den rund 3600 Gästen aber ein Grummeln. Auslöser war die Rede von Dr. Dirk Behrend (Bündnis 90/Die Grünen), Justizsenator des Landes Berlin. Er setzte die Landwirtschaft pauschal gleich mit Kampfbegriffen wie Massentierhaltung und Monokulturen. Damit rechtfertige er seine Forderung nach einer grundlegenden Agrarwende.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ging souverän mit diesem plumpen Vorwurf um und sagte: „Ich bedanke mich für die Sichtweise eines Menschen, der in Berlin im Prenzlauer Berg wohnt. Aber Deutschland ist größer und die Sichtweisen somit vielfältiger.“ Sie machte deutlich, dass ländliche Räume mehr seien als die Kompensationsorte für städtische Wünsche....

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Man konnte ihm den Stolz ansehen: Mit mehr als 1800 Ausstellern aus 72 verzeichnet die diesjährigen 85. Internationale Grüne Woche (IGW) einen neuen Rekord, verkündete Messechef Christian Göke am Donnerstagabend bei der Eröffnungsfeier. Das untermauere die große Bedeutung der IGW als internationale Austauschplattform für die Landwirtschaft und Ernährungsindustrie. Start mit Kampfbegriffen Kurz danach entstand unter den rund 3600 Gästen aber ein Grummeln. Auslöser war die Rede von Dr. Dirk Behrend (Bündnis 90/Die Grünen), Justizsenator des Landes Berlin. Er setzte die Landwirtschaft pauschal gleich mit Kampfbegriffen wie Massentierhaltung und Monokulturen. Damit rechtfertige er seine Forderung nach einer grundlegenden Agrarwende. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ging souverän mit diesem plumpen Vorwurf um und sagte: „Ich bedanke mich für die Sichtweise eines Menschen, der in Berlin im Prenzlauer Berg wohnt. Aber Deutschland ist größer und die Sichtweisen somit vielfältiger.“ Sie machte deutlich, dass ländliche Räume mehr seien als die Kompensationsorte für städtische Wünsche. Jeder neunte Arbeitsplatz in Deutschland hänge direkt oder indirekt von der Land- und Ernährungswirtschaft ab. Mit ihr werde es keine rückwärtsgewandte Agrarpolitik geben, so Klöckner. Um die bald 10 Mrd. Menschen auf der Welt zu ernähren, müsse die landwirtschaftliche Produktion um bis 70 % steigen. Dabei werde es Zielkonflikte geben, gerade im Hinblick auf das Thema Nachhaltigkeit. Die Ministerin warnte aber vor Hysterie. Und sie appellierte an die Gesellschaft anzuerkennen, was Landwirte heute schon alles für Umweltschutz und Biodiversität leisten. „Wir fangen nicht bei null an“, sagte Klöckner. Guter Green Deal? Sie plädierte dafür, die Landwirte beim europäischen Green Deal mit einzubeziehen. Denn ein Deal sei erst gut, wenn beide Seiten profitieren. Zustimmung bekam sei vom neuen EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski. Beim Green Deal sei Bedingung, dass Landwirte Teil der Lösung seien. Er will sich für die Sicherheit der 500 Mio. Bürger einsetzen, aber auch Sicherheit für Landwirte garantieren. Für Handelsabkommen forderte er, dass die Standards, die europäische Landwirte bei ihren Produkten erfüllen müssen, auch für Importe gelten. Damit war er auf einer Linie mit DBV-Präsident Joachim Rukwied. „Das Mercosur-Abkommen können wir so nicht akzeptieren“, sagte er. Die Proteste der vergangenen Wochen würden die Zukunftsängste der Bauern zum Ausdruck bringen. Denn Anforderungen und Markdruck würden immer weiter steigen. „Wir sind zum Dialog bereit – nehmen Sie das Angebot an“, sagte er Richtung Politik und Gesellschaft. Tierwohl bezahlen Rukwied bekannte sich erneut zu mehr Tierwohl und mehr Umweltschutz. Dazu seien aber auch die Verbraucher gefordert: „Ein Großteil der Bevölkerung kann es sich leisten einen höheren Preis zu bezahlen für die Tierwohlprodukte, die sie von uns fordern.“ Das diesjährige Partnerland der IGW ist Kroation. Premierminister Andrej Plenkovic bezeichnete das als „die Krone unserer Teilnahme“ an der weltgrößten Agrarmesse. Da sich Kroatien und Deutschland 2020 die EU-Ratspräsidentschaft teilen, will er sich gemeinsam für eine neue Gemeinsame Agrarpolitik einsetzen, die die Wünsche der Landwirtschaft berücksichtigt. Europäische Lebensmittel müssten den globalen Standard setzen, forderte er. Plenkovic erhofft sich durch die Patenschaft auch einem Schub in den kroatischen Lebensmittelexporten. Finnland, das Partnerland vor vergangenen Jahr, verzeichnete in den ersten fünf Monaten nach der IGW einen Exportzuwachs bei Agrarprodukten von 48 %.