Farm-to-Fork-Strategie

Green Deal: Das kommt auf Landwirte zu

50 % weniger Pflanzenschutzmittel, 20 % weniger Dünger, dafür den Öko-Anteil auf 25 % erhöhen: Die EU hat Pläne für die künftige Landwirtschaft vorgestellt. Der Bauernverband schlägt Alarm, Julia Klöckner fordert Geld.

Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel in der Europäischen Union soll gemäß der Farm-to-Fork-Strategie bis zum Jahr 2030 um die Hälfte reduziert werden. Wie die EU-Kommission diese Woche erklärte, wird außerdem eine „Verringerung des Einsatzes von Düngemitteln um mindestens 20 %“ angestrebt. Bei der Farm-to-Fork-Strategie handelt es sich um eines der Kernelemente des Green Deal, mit dessen Hilfe die EU bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität erreichen will.

Des Weiteren schlägt die Brüsseler Behörde vor, den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche in der EU bis 2030 auf 25 % zu erhöhen. Wie der geschäftsführende Vizepräsident der Kommission und Hauptverantwortliche für den Green Deal, Frans Timmermans, in Brüssel dazu feststellte, liegt der Anteil der Ökofläche EU-weit aktuell bei rund 8 %.

Darüber hinaus plant die EU-Kommission den Anteil an verkauften antimikrobiellen Mittel für Nutztiere und die Aquakultur um 50 % bis Ende dieses Jahrzehnts zu reduzieren. Den Brüsseler Plänen nach sollen so das Risiko, das antimikrobielle Resistenzen (AMR) entstehen, deutlich reduziert werden.

DBV: Generalangriff auf Landwirtschaft

Scharfe Kritik an den Kommissionsvorhaben äußerte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) sowie des EU-Ausschusses der Bauernverbände (COPA), Joachim Rukwied. „Wir wollen den Weg hin zu einer umweltfreundlichen Landwirtschaft weitergehen und weiterentwickeln. Aber dieser Vorschlag ist der falsche Weg. Er ist ein Generalangriff auf die gesamte europäische Landwirtschaft“, erklärte Rukwied.

Der Bauernpräsident beklagt vor allem, dass seiner Auffassung nach in den vorgelegten Strategiepapieren dringend notwendige Anpassungen, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, nicht berücksichtigt worden seien. Rukwied forderte die Kommission dazu auf, die Ernährungs- und Versorgungssicherheit der Menschen in Europa mit heimischen Nahrungsmitteln „in den Mittelpunkt dieser Strategie“ zu rücken.

Um eine produktive, wettbewerbsfähige und ressourcenschonende Landwirtschaft zu erreichen, müsse statt auf neue Auflagen verstärkt auf Kooperation gesetzt werden, betonte der COPA-Präsident. Er unterstrich, dass die europäische und deutsche Landwirtschaft dazu bereit sei, ihren Teil zu einem verbesserten Umwelt- und Biodiversitätsschutz beizutragen und eine Transformation der Lebensmittelerzeugung hin zu noch mehr Nachhaltigkeit mitzugestalten.

Allerdings seien nur in Kooperation mit dem Sektor und unter Beteiligung der Verbraucher die ambitionierten Ziele des Green Deal erreichbar, gab Rukwied zu bedenken. Allgemeine politische Reduktionsziele für Pflanzenschutzmittel und andere Betriebsmittel seien „kontraproduktiv“ und würden die Grundlage der guten fachlichen Praxis verlassen.

Klöckner pocht auf Ausgleich

BundeslandwirtschaftsministerinJulia Klöckner betrachtet die vorgelegten Ziele der Farm-to-Fork-Strategie der EU-Kommission als „sehr ambitionierte“ Diskussionsgrundlage und pocht bei deren Umsetzung auf einen ausgewogenen Lastenausgleich. Klöckner stellte klar, dass die Kernaufgabe der Landwirtschaft in der Produktion von Nahrungsmitteln liege. Die ausreichende Verfügbarkeit an Grundnahrungsmitteln und die Ernährungssicherung in der Europäischen Union und global müssten stets im Vordergrund stehen.

Die Ministerin gab gegenüber der Brüsseler Kommission zudem zu bedenken, dass die Landwirte die in der Strategie angestrebten Ziele nur erreichen könnten, wenn diese auch finanziell unterlegt würden. Sie hätte sich daher von Brüssel ein „klares Bekenntnis zu einem gut ausgestatteten Agrarbudget gewünscht“, so Klöckner. Auch dürfe die Verantwortung für das Erreichen der Strategieziele nicht allein bei einer Branche abgeladen werden.

„Essen und unsere Landwirtschaft werden künftig noch nachhaltiger, daran besteht kein Zweifel“, betonte die Bundesministerin. Auch deshalb müsse es für die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2020 in puncto Klima- und Umweltauflagen verbindliche Leitplanken geben, die für alle Mitgliedstaaten gleichermaßen gelten müssten. Klöckner sieht deshalb Gesprächsbedarf auf der Ebene der EU-Agrarminister, wie weitere Maßnahmen der Strategien umgesetzt werden sollen.

Wichtig ist für die CDU-Politikerin, Innovationen in der Landwirtschaft zu befördern, damit die Landwirte wirksame Instrumente an die Hand bekommen, Aufgaben zu erfüllen. Auch werde man darüber sprechen müssen, wie die Farm-to-Fork- und die Biodiversitätsstrategie verschränkt werden könnten mit den ebenfalls ambitionierten Zielen der GAP-Reform.

Deutsche Ratspräsidentschaft ab Juli

Eine Aufgabe der ab Juli anstehenden deutschen Ratspräsidentschaft liegt für Klöckner deshalb darin, einen „notwendigen Ausgleich der Interessen“ zu schaffen. Sie wies darauf hin, dass nachhaltige Ernährungssysteme gleichermaßen soziale, wirtschaftliche, ökologische und gesundheitliche Auswirkungen des Handelns betrachteten. „Wir müssen Wert darauf legen, dass in der Diskussion nicht der ein oder andere Aspekt Übergewicht bekommt“, so die Bundeslandwirtschaftsministerin.

Weitere Säule des Green Deal ist die EU-Biodiversitätsstrategie. Diese soll bis zu 30 % der Land- und Meeresfläche unter Schutz stellen. Details lesen Sie hier.


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