Ferkelkastration: Hoher Arbeitsaufwand

Die Ferkelkastration unter ­Betäubung ist arbeitsaufwendig und teuer. Außer­dem drohen ­höhere Ferkel­verluste. Trotzdem sehen viele Praktiker keine andere Alternative.

Wenn männliche Ferkel künftig nur noch unter Vollnarkose kas­triert werden können, sollten die heimischen Sauenhalter schon mal ihre Arbeitszeitplanungen anpassen. Das Kastrieren dauert dann nämlich im Schnitt nicht mehr vier Minuten pro Wurf, sondern acht bis zehn Minuten. Und deutlich teurer wird es obendrein. Das haben Untersuchungen der Landwirtschaftskammer NRW, der Universität Bonn und des Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft in Braunschweig im Rahmen des vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderten Projektes „PraxiKaPIK/A“ ergeben (Infos unter www.mud-tierschutz.de).

Viele Zusatzarbeiten

Der hohe Arbeitsaufwand ergibt sich unter anderem aus den umfangreichen Zusatzarbeiten, erklärte Landwirtschaftskammer-­Mitarbeiterin Annika Kiefer am Montag dieser Woche bei der Vorstellung der Projektergebnisse auf Haus Düsse. So können die mit Isofluran betäubten Ferkel in der Regel nicht direkt im Bereich der Abferkelbucht kastriert werden. Die Tiere müssen gefangen und wurfweise etwa in Speißfässern zum Inhalationsgerät gebracht werden. Dies wird wegen des Anwenderschutzes in einem gut belüfteten Bereich aufgebaut.

Die Ferkel werden in die Narkoseschalen gelegt und die sichere Betäubung überprüft, bevor die eigentliche Kastration erfolgt. Anschließend werden sie wieder zur Sau zurückgebracht. Das alles kostet Zeit.

Werden Ferkel stattdessen per Injektion mit Ketamin/Azaperon betäubt, können sie zwar direkt an der Bucht kastriert werden. Zusatz­arbeiten fallen aber ebenfalls an: Jedes Ferkel muss gewogen werden, um eine genaue Dosierung des Narkosemittels zu gewährleisten. Die Betäubung darf übrigens nur ein Tierarzt vornehmen. Problematisch ist bei dieser Methode auch die lange Nachschlafphase: Im Projekt dauerte es zwischen knapp zwei und bis zu sechs Stunden, bis alle mit der Nadel betäubten Ferkel wieder richtig wach und so sicher auf den Beinen waren, dass sie zurück an die Sau gesetzt werden konnten.

Kontrollen notwendig

In der Zwischenzeit wurden die betäubten Ferkel regelmäßig beobachtet. Stichprobenartig wurde die Körpertemperatur gemessen, um notfalls eingreifen zu können, falls die schlafenden Tiere überhitzen oder zu stark auskühlen. Diese Kontrollgänge müssen auf die acht bis zehn Minuten reine Behandlungszeit je Wurf ehrlicherweise noch obenauf gerechnet werden, gab Christina Dauben von der Universität Bonn zu bedenken. Auf die Kontrollen verzichten sollte man jedoch nicht, sonst drohen zusätzliche Ferkelverluste.

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