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USA-Serie

Fair Oaks - einer der größten Milchviehbetriebe Amerikas Digital Plus

Ein Betriebskonzept der besonderen Art: Fair Oaks Farms ist der Anziehungspunkt für Abenteuerlustige. Nicht etwa wegen schneller Achterbahnen oder wilder Shows, sondern einfach, weil sie moderne Landwirtschaft darstellt.

Aus dem Bus können sich Besucher ein Bild von moderner Milchwirtschaft machen. Aussteigen darf niemand. Hygiene schreiben die neun Betriebsleiter von Fair Oaks groß.

Zischend schließen sich die Türen des schwarz-weißen im Kuhmuster lackierten Busses. Die Stimme des Busfahrers ertönt durch die Lautsprecherboxen: „Herzlich willkommen zur Milchvieh-Abenteuer-Tour“, begrüßt er die Fahrgäste. Fast alle Sitzreihen sind belegt als es losgeht in Richtung Kuhstall. Zuvor konnten sich die Fahrgäste bei einem Rundgang durch das Milch-Aktivitätszentrum spielerisch über Milchwirtschaft und Milchviehhaltung informieren. Landwirtschaft hautnah Fair Oaks befindet sich im Bundesstaat Indiana. Der Betrieb liegt etwa 120 km südöstlich von Chicago – genau an der Hauptverkehrs­achse zwischen Chicago und Indianapolis. Die Farm ist kein gewöhnlicher landwirtschaftlicher Betrieb. Mit rund 37  000 Kühen an elf Stand­orten und mehr als 13  000 ha Ackerbau zählt sie zu Amerikas größten Milchviehbetrieben. Hinzu kommt, dass sich die neun Betreiber der Farm zur Aufgabe gemacht haben, Landwirtschaft für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen (siehe Kasten). Jedes Jahr strömen mehr als 600  000 Besucher zu dem Hof, der 2004 seine Pforten öffnete. Das Besondere am Konzept: Die Gäste erhalten Einblick in echte betriebliche Abläufe und können sich am „Campus“ zusätzlich spielerisch informieren. Öffentlichkeitsarbeit auf Fair Oaks „In Amerika gibt es einen großen Spalt zwischen Farmern und Verbrauchern“, erklärt Dr. Gary Corbett. Er ist Geschäftsführer von Fair Oaks und hat den Betrieb mit gegründet. „Viele amerikanische Landwirte arbeiteten über Jahrzehnte auf ihren Farmen, ohne die Gesellschaft mitzunehmen“, so der 71-Jährige. Ende der 90er-Jahre hatten er und acht weitere Berufskollegen die Idee, offensiv auf die Gesellschaft zuzugehen. Sie konnten an dem Standort, auf dem sie heute wirtschaften, 6000 ha arrondierte Fläche kaufen und gründeten einen der größten Milch

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Zischend schließen sich die Türen des schwarz-weißen im Kuhmuster lackierten Busses. Die Stimme des Busfahrers ertönt durch die Lautsprecherboxen: „Herzlich willkommen zur Milchvieh-Abenteuer-Tour“, begrüßt er die Fahrgäste. Fast alle Sitzreihen sind belegt als es losgeht in Richtung Kuhstall. Zuvor konnten sich die Fahrgäste bei einem Rundgang durch das Milch-Aktivitätszentrum spielerisch über Milchwirtschaft und Milchviehhaltung informieren. Landwirtschaft hautnah Fair Oaks befindet sich im Bundesstaat Indiana. Der Betrieb liegt etwa 120 km südöstlich von Chicago – genau an der Hauptverkehrs­achse zwischen Chicago und Indianapolis. Die Farm ist kein gewöhnlicher landwirtschaftlicher Betrieb. Mit rund 37  000 Kühen an elf Stand­orten und mehr als 13  000 ha Ackerbau zählt sie zu Amerikas größten Milchviehbetrieben. Hinzu kommt, dass sich die neun Betreiber der Farm zur Aufgabe gemacht haben, Landwirtschaft für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen (siehe Kasten). Jedes Jahr strömen mehr als 600  000 Besucher zu dem Hof, der 2004 seine Pforten öffnete. Das Besondere am Konzept: Die Gäste erhalten Einblick in echte betriebliche Abläufe und können sich am „Campus“ zusätzlich spielerisch informieren. Öffentlichkeitsarbeit auf Fair Oaks „In Amerika gibt es einen großen Spalt zwischen Farmern und Verbrauchern“, erklärt Dr. Gary Corbett. Er ist Geschäftsführer von Fair Oaks und hat den Betrieb mit gegründet. „Viele amerikanische Landwirte arbeiteten über Jahrzehnte auf ihren Farmen, ohne die Gesellschaft mitzunehmen“, so der 71-Jährige. Ende der 90er-Jahre hatten er und acht weitere Berufskollegen die Idee, offensiv auf die Gesellschaft zuzugehen. Sie konnten an dem Standort, auf dem sie heute wirtschaften, 6000 ha arrondierte Fläche kaufen und gründeten einen der größten Milchviehbetriebe Amerikas. „Lade die Verbraucher zu dir nach Hause ein und zeige ihnen, was du tagtäglich auf deinem Betrieb machst“, lautete das Motto der Gründer. Zusätzlich zur landwirtschaftlichen Produktion, wo sie bis heute zu gleichen Teilen wirtschaften, bauten sie das Milch-Aktivitätszentrum. Corbett ist gelernter Landwirt und arbeitete lange als solcher. Heute sitzt er ausschließlich im Büro. „Als Farmer hast du die Landwirtschaft immer im Blut, aber sie verändert sich“, weiß er. „Wir sehen uns nach wie vor als Familienbetrieb, nur eben etwas größer als früher.“ Nach etwa zwei Minuten Fahrt sind auf der linken Straßenseite bereits die großen Stallgebäude zu sehen. Der grauhaarige Busfahrer lenkt das Fahrzeug vorbei an XXL-Silohaufen und großen Trucks. Währenddessen trägt die freundliche Tonband-Stimme einer Frau Informationen zum Betrieb vor: „Auf diesem Standort der Farm leben 3700 Kühe. Sie gehen dreimal am Tag zum Melkkarussell und ruhen sich in der Zwischenzeit in mit Sand gefüllten Tiefboxen aus.“ Nachdem der Bus vorbei an den scheinbar endlos langen Boxenlaufställen gefahren ist, biegt der Fahrer links ab – direkt auf den Futtertisch. Für die Kühe ist das offenbar Gewohnheit, sie schenken dem Bus nur einen kurzen, gelangweilten Blick, bevor sie sich wieder ihrer Ration widmen. Die Fahrgäste hingegen zücken aufgeregt Handys und Fotoapparate, um Bilder und Videos zu machen. Melkkarussell begeistert Inzwischen läuft das Band weiter: „Die Kühe sind in drei Herden unterteilt: Laktierende, Trockensteher und Transitkühe. Die Gruppen erhalten unterschiedliche Rationen, die genau an ihren Energiebedarf angepasst sind.“ Während der Fahrer den Bus aus dem Stall manövriert, gibt es weitere Informationen über das Leben einer Kuh. Es geht in Richtung Melkzentrum. Ein Rolltor öffnet sich, der Bus fährt hinein. Erst als das Tor wieder geschlossen ist, öffnen sich die Bustüren und der Fahrer fordert die Gäste auf, auszusteigen. Nur in diesem Bereich dürfen die Besucher den Bus verlassen, denn auf dem gesamten Gelände herrschen strenge Hygienevorschriften. Über eine steile Treppe geht es hinauf in den Besucherraum. Dieser befindet sich oberhalb des 72er-Melkkarussells. Von dort haben die „Abenteuerlustigen“ einen guten Blick auf das Geschehen. Eifrig werden wieder Fotos geschossen, Videos aufgenommen und „Selfies“ gemacht. Nach etwa zehn Minuten geht es weiter in den nächsten Raum. Dort erklärt einer der insgesamt 650 Mitarbeiter von Fair Oaks einige Fakten rund um die Milch: „Jeden Tag geben die Kühe im Schnitt 40 kg Milch“, so der Angestellte. Vom Karussell gelangt diese direkt in die Kühltanks. Lkw transportieren sie täglich zur eigenen Molkerei. Nachdem alle Fragen beantwortet sind, nehmen alle wieder ihre Plätze im Bus ein. Zielstrebig steuert der Busfahrer das schwarz-weiße Gefährt zurück zum Campus, auf dem sich auch das Milch-Aktivitätszentrum befindet. Wer nun denkt, der Spaß sei mit dem Ausstieg aus dem Bus vorbei, hat weit gefehlt. Sowohl Kinder als auch Erwachsene kommen bei Fair Oaks nicht zu kurz: Im sogenannten „Birthing barn“, also Geburtsstall, können die Gäste live bei Kalbungen und der Erstversorgung der Kälber zusehen. Kinder haben die Möglichkeit, auf dem Spielplatz „Moo­ville“ zu toben. Im sogenannten Cowfé können die Gäste Käse-, Eis- und Milchprodukte der eigenen Marke verkosten und Souvenirs kaufen. Im Farmhouse-Restaurant bereiten Köche hinter großzügigen Glasfronten Speisen mit Lebensmitteln aus eigener Produktion zu. Ziel: 40  000 Kühe melken Was mit der Darstellung moderner Milchwirtschaft begann, hat sich zu einem Informationszentrum entwickelt, das die Bandbreite der Landwirtschaft nahezu vollständig abdeckt. Im Kern geht es immer darum, drei Leitgedanken zu vermitteln: Landwirtschaft ist mit Tier- und Umweltschutz zu vereinbaren und tierische Produkte sind gut für Konsumenten. 2015 eröffnete das Schweine-Informationszentrum mit dem zu­gehörigen Schweinebetrieb. Im Sommer 2016 kam das Ackerbau- Zentrum hinzu. Zukünftig wird das Konzept mit den Bausteinen Geflügelhaltung und Fleischrindermast ergänzt. 2018 soll die Kuhzahl auf 40  000 Kopf aufgestockt und das Melken an Robotern demonstriert werden. Weitere Artikel aus der USA-Serie finden Sie hier: