EU: Freizügigkeit für „systemrelevante“ Arbeitskräfte sicherstellen

Im Zuge der Corona-Krise dürfen auch nach Deutschland so gut wie keine Erntehelfer mehr einreisen. Nun hat sich die Europäische Kommission zu Wort gemeldet: Die Mitgliedstaaten sollen die Freizügigkeit systemrelevanter Arbeitskräfte wahren.

Die Europäische Kommission hat die Mitgliedstaaten zur Wahrung der Freizügigkeit systemrelevanter Arbeitskräfte, wozu sie auch Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft zählt, innerhalb der Europäischen Union aufgefordert. Mit den heute (30. März 2020) präsentierten Leitlinien reagiert die Brüsseler Behörde auf die im Zuge des Corona-Geschehens zunehmend erlassenen Einschränkungen der Reisefreiheit und Grenzschließungen im Binnenmarkt. Neben Arbeitskräften in der Lebensmittelbranche fallen unter anderem auch Personal im Gesundheitsbereich sowie systemrelevantes Positionen in Versorgungsunternehmen unter die Brüsseler Empfehlungen.

Bedarf an Saisonarbeitskräften ermitteln

Laut Kommission sollen in den Fachgremien Informationen über den jeweiligen Bedarf der EU-Staaten an Saisonarbeitskräften in der Landwirtschaft ausgetauscht werden. Zudem wird in den Leitlinien empfohlen, spezifische Verfahren zur Gewährleistung eines reibungslosen Grenzübertritts für die betreffenden Grenzgänger einzuführen und so auf den krisenbedingten Arbeitskräftemangel zu reagieren.

Erntehelfer sind systemrelevant

Mit Nachdruck weist die Kommission auf die besondere Bedeutung vieler Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft für wichtige Pflanz-, Pflege- und Erntearbeiten hin. Gerade in der aktuellen Krise sollten die Mitgliedstaaten Erntehelfer mit systemrelevanten Arbeitskräften gleichsetzen. Nichtsdestoweniger sollte den landwirtschaftlichen Arbeitgebern mit auf den Weg gegeben werden, dass für einen angemessenen Schutz der Gesundheit und Sicherheit der Arbeitskräfte gesorgt werden müsse.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen appellierte an die Mitgliedstaaten, im Sinne der gesamten Union einer Lösung nicht im Wege zu stehen. Sie hob unter anderem die Leistungen der Saisonarbeitskräfte in der Lebensmittelproduktion hervor. Auf diese Menschen könne die EU gerade in der aktuellen Krise nicht verzichten.

Klöckner begrüßt Vorgehen

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat die Haltung der Europäischen Kommission und Kommissionspräsidentin von der Leyen begrüßt. Der Hinweis einer besondere Behandlung von Saisonarbeitskräften sei richtig, so Klöckner. "Viel können wir zwar durch die Vermittlung von Arbeitskräften im Inland erreichen, aber bei weitem nicht alles. Die Ernten warten nicht, sie müssen ein- und die Grundlage für die neuen Ernten in die Erde gebracht werden."

Mehr zum Thema:

Corona-Krise

Spargelernte vor dem Aus?

vor von Carolin Lülf

Durch Einreiseverbote für Erntehelfer spitzt sich die Lage der Spargelanbauern zu. Auch Christoph Drees aus Coesfeld ist davon betroffen. Zurzeit weiß er nicht, in welchem Umfang er seinen Spargel...

Corona-Krise

Was bedeutet der Einreisestopp für Sonderkulturbetriebe?

vor von Ute Heimann, HOFDirekt

Seit dem 25. März dürfen so gut wie keine Erntehelfer mehr nach Deutschland einreisen. Was bedeutet das für betroffene Betriebe. Wir haben bei Henner Erpenbeck aus Lengerich im Kreis Steinfurt...

Corona-Krise

Corona lässt die Saisonbetriebe bangen

vor von Carolin Lülf

Das Bundesinnenministerium hat die Einreise für ausländische Erntehelfer gestoppt. Gerade für Sonderkulturbetriebe ist das katastrophal.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Auf Kommentar antworten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen