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Ernte 2019 in NRW: Das sind die Erträge

Das zweite trockene Jahr in Folge: Trotzdem haben sich die Getreideerträge in Nordrhein-Westfalen behauptet. Bei den Futterpflanzen gab es allerdings massive Einbußen.

Die Erträge von Wintergerste sind deutlich besser als zunächst erwartet: Der Durchschnittsertrag liegt mit 76,5 dt/ha rund 10% über Vorjahresniveau.

Der durchschnittliche Getreideertrag in NRW übertrifft mit 76,8 dt/ha das Vorjahr um 5,5%. Angesichts des fehlenden Wassers ein überraschendes Ergebnis – auch wenn es um 2,4% unter dem mehrjährigen Schnitt liegt. Allerdings gab es massive Ernteeinbußen sowie Trockenschäden bei Futterpflanzen und Hackfrüchten. Diese fielen regional oft noch extremer aus als 2018. Das zeigen die vorläufigen amtlichen Ergebnisse.

Weizen an der Spitze

Den größten Anteil am landesweiten Durchschnittsertrag bildet Winterweizen, mit extrem positiven, aber auch negativen Einzelergebnissen. Weizen ist als Brot- und Futtergetreide nutzbar und stand auf etwas mehr als der Hälfte der gesamten Getreidefläche in NRW. Der Durchschnittsertrag von 81,6 dt/ha legte überraschend zum trockenen Vorjahr um 2,3% zu. Den langjährigen Schnitt verfehlte er jedoch um 4,2%. Abgesehen von teils knappen Proteingehalten blieb der Weizen von Auswuchs und Fusarium weitestgehend verschont. Hohe Fallzahlen führten bei ausreichenden Hektolitergewichten zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.

Gerste überrascht

Die Wintergerste überraschte in fast allen Regionen. Ihr durchschnittlicher Hektarertrag von 76,5 dt fiel um 10% besser aus als im Vorjahr und konnte sich im Vergleich zum mehrjährigen Mittel behaupten. Sie brachte gute Hektolitergewichte, profitierte im Frühjahr in hohem Maße von der Winterfeuchte und erreichte durch die frühe Abreife deutlich bessere Erträge als zunächst erwartet.

Was ihr jedoch zu schaffen machte, waren die sehr trockenen Aussaatbedingungen im Herbst, die teilweise zum verzögerten, ungleichmäßigen Auflauf führten. Der milde Winter ermöglichte ihr jedoch eine gute, üppige Entwicklung, allerdings mit hohem Mehltaubefall. Im Frühjahr konnte sie zunächst durchstarten, dieser Vorsprung kam ihr angesichts der weiteren, eher trockenen und kühlen Witterung in April und Mai zugute.

Roggen runter, Triticale rauf

Mit etwas mehr Wasser wäre Roggen besser klargekommen. Die Trockenheit sorgte auf vorwiegend leichteren Standorten für deutliche Einbußen. Das fehlende Wasser und der sandige Boden brachten es auf knapp 62 dt/ha, was einem Minus von 3,4 % zum Vorjahr entspricht. Dennoch passten bei dem anspruchslosen Brot- und Futtergetreide die Qualitäten. Hektolitergewichte und Fallzahlen reichten meistens aus, Auswuchs und Mutterkorn gab es kaum.

Im Gegensatz dazu bewies Triticale, dass sie mit solchen Extremwetterlagen umgehen kann: Der Ertrag überzeugte mit etwas mehr als 70 dt/ha. Hier kann man fast vom westfälischen Ertragsniveau sprechen: 91 % des ausschließlich in der Veredlung genutzten Getreides stand in Westfalen.

Sommergetreide heterogen

Dem Sommergetreide blieb wenig Wasser zur Ertragsbildung. Es musste zunächst mit trockener, kühler Frühjahrswitterung und anschließender Hitze zurechtkommen. Entgegen dem vergangenen Jahr konnte es nur geringfügig die verbliebene Winterfeuchte nutzen – und das bei fehlenden Bodenwasserreserven. Dennoch erzielte Sommergerste mit 57,7 dt/ha ein etwas besseres Ergebnis als 2018 und lag noch über dem mehrjährigen Schnitt.

Hafer verfehlte mit etwa 49 dt/ha sowohl das Vorjahr als auch das mehrjährige Mittel, wobei eine extreme Bandbreite an Einzelergebnissen vorlag. Die Bodenverhältnisse beeinflussten die Erträge sehr stark. Denkbar ist, dass sich sein Nischendasein verstärkt. Denn bei Preisen, Ertragsniveau und Verwendungsmöglichkeit ist die Gesundungsfrucht anderen Getreidearten unterlegen.

Bei Braugerste lagen die Proteingehalte meist im Zielbereich. Allerdings litt auch sie bei der Kornausbildung stark unter der Hitze.

Hackfrüchte brechen ein

Frühkartoffeln überzeugten innerhalb einer kurzen Vegetationsphase mit positiven Erträgen bei hoher Bandbreite. Deren Ernte­beginn war Ende Mai, mit kleinem Anbauumfang. Allerdings führte auch bei den frühen Sorten die Trockenheit und Hitze zu wenig Ertragszuwächsen in Juni und Juli.

Mittelfrühe und späte Kartoffelsorten sind deutlich stärker von der Hitze betroffen, denn die Bestände brachen viel zu früh zusammen. Insbesondere Flächen ohne Beregnung zeigten bisher unbefriedigende Ergebnisse, wobei die weitere Witterung noch abzuwarten ist. Eine ausreichende Beregnung bringt zwar große Vorteile, verursacht aber hohe Kosten und zusätzliche Arbeitszeit.

Bei den Rüben gehen Experten von einem Ertrag unter dem langjährigen Mittel aus, der möglicherweise etwas über dem Vorjahr rangiert. Die trockene Hitze drückt auch bei Zuckerrüben die Erträge. Bei der Bestellung mussten Landwirte auf Neonicotinoide als Saatgut-Beizmittel verzichten. Deshalb mussten sie den Blattlausbefall intensiv kontrollieren, vereinzelt trat dieser bereits zum frühen Vegetationszeitpunkt auf.

Raps enttäuscht wieder

Die Rapserträge schwankten sehr stark, im NRW-Mittel gehen Experten von nur 35 dt/ha aus. Auch die Ölgehalte waren mit 41 bis 42% niedriger als üblich, sodass die Ernte unbefriedigend ausfiel.

Bereits die Aussaat bereitete aufgrund der letztjährigen Trockenheit massive Probleme. Im Vegetationsverlauf trat ein extremer Zuflug von Schadinsekten auf, der die häufigere Anwendung von Insektiziden erforderte. Berater befürchten eine noch weitere Anbaureduzierung, was aber aufgrund pflanzenbaulicher Vorzüge dieser Ölfrucht nicht wünschenswert wäre. Nicht zuletzt führen auch die unbefriedigenden Erzeugerpreise vermehrt zu einer Entscheidung gegen die Ölfrucht.

Keine Futtervorräte mehr

Viele Futterbaubetriebe wollen nach vereinzelten Niederschlägen mit schnellwüchsigen Zwischenfrüchten die Futterlücken etwas kompensieren. Aber selbst bei sofort einsetzender, zufriedenstellender Niederschlagsverteilung können sie die Defizite auf dem Grünland und den übrigen Feldfrüchten bei Weitem nicht mehr ausgleichen. Während 2018 noch Futtervorräte aus dem Vorjahr zur Verfügung standen, wird sich die Knappheit in diesem Jahr angesichts der zweiten Trockenperiode in Folge noch weiter zuspitzen.