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Emsland-Stärke: Am Transport bereichert?

Zwei ehemaligen Geschäftsführern der Emsland-Stärke in Emlichheim sollen illegal mehrere Millionen Euro zugeflossen sein. Hintergrund ist ein langjähriger Exklusivvertrag mit einem Transportunternehmen, an dem sie beteiligt waren.

Durch die Machenschaften ehemaliger Geschäftsführer der Emsland-Stärke soll das Unternehmen kurz vor dem Ruin ­gestanden haben. Die Landwirte in der Region sind darüber immer noch sehr aufgebracht. Viele verfolgen den Prozess.

Seit dem 6. August wird vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht in Osnabrück der Prozess gegen die beiden Geschäftsführer Hubert E. und Michael S. geführt. Zwei weitere Angeklagte, Thomas S. und Clemens S., sollen als Geschäftsführer des Logistikunternehmens S. GmbH aus Bremen mit ihnen ­gekungelt haben.

Nach Vorwürfen der Staatsanwaltschaft soll ab dem Jahr 2007 ein Exklu­siv­vertrag die alleinige Übernahme aller Seefrachttransporte der Emsland Group, zu der die Ems­land-Stärke gehört, durch das Logistikunternehmen geregelt haben. Als Gegenleistung erhielten die beiden Geschäftsführer der Ems­land-Stärke einen Anteil von je 25 % an der S. GmbH, und zwar über eine Beteiligungsgesellschaft.

Überhöhte Frachtkosten

Die exklusive Zusammenarbeit soll bis zur fristlosen Kündigung der beiden Angeklagten der Ems-land-Stärke im Dezember 2014 fortgesetzt worden sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass den beiden Geschäftsführern durch die Unternehmensanteile insgesamt jeweils mehr als 3 Mio. € zuflossen.

Am vierten Verhandlungstag am Donnerstag vergangener Woche hörte das Landgericht unter dem Vorsitz von Richter Norbert Carstensen als Zeugen auch den Logistik-Manager der Emsland-Stärke, Herbert Z. Dieser hatte die Abteilung schon von 2005 bis 2007 ge­leitet. Wiederholt habe er damals die aus seiner Sicht zu hohen Frachtkosten des Logistikunternehmens gegenüber Geschäftsführer Michael S. angesprochen. Doch der soll stets abgewiegelt haben. Bereits vor dem auf zehn Jahre festgeschriebenen Exklusivvertrag habe der Logistikdienstleister komplett die Seefrachten nach Mexiko und Korea bedient und dafür stets 200 US-$ je Container mehr verlangt als die Konkurrenz, erläuterte der Zeuge.

Für gewöhnlich seien Aufträge periodisch ausgeschrieben und an verschiedene Unternehmen vergeben worden. Die Vertragsdauer habe meistens ein Jahr betragen. „Zehnjährige Verträge sind nicht normal“, so Herbert Z.

2008 erhielt Herbert Z. einen Anruf von Thomas S., der ihn, offenbar alkoholisiert, beschimpfte. 2011 verließ Herbert Z. die Emsland-Stärke, nachdem die Geschäftsleitung ihm mitgeteilt hatte, nicht mehr mit ihm zu planen.

Nach dem Rauswurf der ehemaligen Geschäftsführer haben die neuen Chefs Herbert Z. 2015 ins Unternehmen zurückgeholt. Damals soll das Unternehmen kurz vor der Pleite gestanden haben.

Logistik wird übernommen

Lange Zeit organisierte die Ems-land-Stärke selbst den Versand der Ware, jährlich etwa 15  000 Seecontainer. Dies änderte sich im Frühjahr 2007. Damals habe Herbert Z. eine Notiz von Michael S. erhalten, wonach ab dem Sommer alle Seefrachten exklusiv über den Logistiker abgewickelt werden sollten. Dieser übernahm ab dann auch die komplette Koordinierung aller Frachten.

Herbert Z., dem man damals zeitgleich nahelegte, in den Vertrieb zu wechseln, geht davon aus, dass man jährlich 12 Mio. € hätte einsparen können, wenn die Ems-land-Stärke die Logistik weiterhin selbst übernommen hätte. Auch Zeuge Ortwin S., Speditionskaufmann bei Kühne & Nagel, sagte zur Sache aus. Demnach habe der Angeklagte Michael S. ihn in einem persönlichen Gespräch im Jahr 2007 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Angebote zukünftig ausschließlich an das Bremer Logistikunternehmen zu richten seien. Auf spontane Ausschreibungen der Emsland-Stärke solle nicht reagiert werden.

Ab Juli 2007 hat die S. GmbH, wie Oberstaatsanwalt René van Münster aus dem Vertrag vorlas, die gesamte Koordinierung mit den Lieferwerken sowie die Teiltransporte zu den Häfen übernommen. Dies beinhaltete auch die EDV-gestützte Nachverfolgbarkeit und Standortbestimmung der Container. Die Frage, ob Kühne & Nagel auch zu dieser Leistung in der Lage gewesen sei, bejahte Zeuge S.

Einzigartige IT-Lösung?

Eingangs der Verhandlung hatte Rechtsanwalt Dr. Manfred Sanden eine Erklärung für seinen Man­danten Clemens S. abgegeben. Demnach will dieser erst nach ­Abschluss des Exklusivvertrages Geschäftsführer der S. GmbH geworden sein. Weiterhin gab er an, dass die IT-Lösung, die die S. GmbH zur Koordinierung der Vortransporte verwendete, auf möglichst kurze Standzeiten der Container abzielte und einzigartig am Markt gewesen sei.

Für das Verfahren sind insgesamt 15 Verhandlungstage angesetzt. Der nächste beginnt am 4. September um 9 Uhr.

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