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Elmerhaus vor Gericht

Das Landgericht in Arnsberg ist Schauplatz eines Wirtschaftskrimis. Foto: Richard

Die Taten liegen fast zehn Jahre zurück, aber werden erst jetzt vor Gericht verhandelt. Am Freitagmorgen begann in Arnsberg vor dem Landgericht der Prozess gegen Johannes Elmerhaus (65) und seine Ehefrau Hildegard (62). Beiden wird vorgeworfen, bei der Viehverkaufsgenossenschaft (VVG) Lippborg Oelde insgesamt rund 1,9 Mio. € veruntreut zu haben.

Private Kredite und Firmengeld

Vielen Bauern ist die Insolvenz der VVG im vergangenen Jahr noch als Skandal in Erinnerung. Das jetzt begonnene Hauptverfahren in Arnsberg hat damit aber nur indirekt zu tun. Die Handlungen der Angeklagten bereiteten vermutlich den Weg für die Pleite.

Im Kern geht es darum: Elmerhaus war seit Mitte der siebziger Jahre als hauptamtliches Vorstandsmitglied bei der VVG in Lippborg tätig. Seien Ehefrau erledigte als angestellte Buchhalterin Zahlungs- und Schriftverkehr und betreute die Buchführung der Genossenschaft.

Johannes Elmerhaus hatte eine Schwäche für Pferde. Direkt neben der VVG in Lippetal-Lippborg war deshalb auch die „Zucht- und Sportpferde Schmidt GmbH“ ansässig, an der Elmerhaus über längere Zeit mit einem Anteil von 50 % beteiligt war. Heute ist auch dieses Unternehmen insolvent. Hier wurden früher große Summen umgesetzt.

1,5 Millionen Kredit

Um den Finanzbedarf des Pferdebetriebes zu decken, hatte Johannes Elmerhaus nach eigener Aussage einen Kredit in Höhe von zunächst 1,5 Mio. DM auf Vermittlung des Schlachtunternehmers Alexander Moksel aus Bayern erhalten. Insgesamt soll er der dortigen Raiffeisenbank aber zuletzt 1,7 Mio. € geschuldet haben. Moksel wiederum hatte für die Verbindlichkeiten gebürgt. 2004 – Moksel war mittlerweile schwer erkrankt – wollte dieser aus der Bürgschaft entlassen werden und forderte Elmerhaus auf, den Kredit zurückzuführen.

Tatsächlich zahlte Elmerhaus, allerdings nicht aus seinem Privatguthaben, sondern vom Geschäftskonto der Genossenschaft.

Um die Buchhaltung „in Ordnung“ zu halten, wurden über die fehlenden Beträge Scheinrechnungen an eine Gesellschaft ausgestellt, die zum Schlachtkonzern Tönnies ind Rheda-Wiedenbrück gehört. In den Büchern stand also, dass die „Jolante GmbH“ der VVG noch rund 1,7 Mio. € schuldig war. Erst Jahre später fiel dieser Betrug auf.

Ähnlich gelagert ist der zweite Fall: Hier geht es um einen Betrag von 192.000 €, der eigentlich von der Zucht- und Sportpferde Schmidt GmbH zu zahlen gewesen wäre. Auch hier sprang die VVG unfreiwillig ein, weil sich das Geschäftsführer Ehepaar am Genossenschaftskonto schadlos hielten.

Wer wusste wann was?

Dieser Sachverhalt ist weitgehend bewiesen und unstrittig. Unklar ist dagegen, wer eigentlich wann von diesen Vorkommnissen wusste und gegebenenfalls hinnahm oder sie gar zu vertuschen half. Das könnte vor allem im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der VVG-Insolvenz noch sehr wichtig werden.

Während des ersten Verhandlungstages stritten die Angeklagten die Handlungen nicht ab. Fortgesetzt wird der Prozess am 11. April. Sehr schnell könnte danach auch ein Urteil gesprochen werden. Das Strafgesetzbuch sieht für Untreue eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor.

Johannes Elmerhaus ist heute, wie auch seine Ehefrau, Rentner. Darüber hinaus ist der Angeklagte laut amtsärztlichem Attest aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt verhandlungsfähig. ri