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Ernte 2019

Durchwachsene Erntebilanz: Mais und Gras bereiten Sorgen

Beim Getreide sind die Erträge leicht unterdurchschnittlich und die Preise mäßig, beim Mais und Gras sind die Einbußen deutlich: Auf diesen Nenner lässt sich die Bilanz zur Ernte 2019 bringen, die der Westfälsich-Lippische Landwirtschaftsverband zieht.

BU: „Auf dieser Fläche steht der Mais gut“, sagen Dirk Schulze Pellengahr (links) und WLV-Präsident Johannes Röring. Auf anderen Flächen rechnen sie mit deutlich geringeren Erträgen.

Im vergangenen Jahr musste Deutschland Getreide importieren, damit es für die Verbraucher genügend zu Essen gibt. Dieses Jahr ist die Situation vermutlich ähnlich, da es wieder eine extreme Dürre und Hitze gab. Das sagte Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) am Mittwoch auf der Erntepressekonferenz auf dem Betrieb Schulze Pellengahr in Ascheberg (Kreis Coesfeld).

Der Verband schätzt den durchschnittlichen Getreideertrag 2019 in Westfalen-Lippe auf rund 74 dt/ha (ohne Körnermais). Das ist etwas besser als das dürrebedingt schlechte Ergebnis aus 2018, aber weniger als der Mittelwert der Jahre 2013 bis 2018. Durch das trockene Wetter hat die Ernte früher als sonst begonnen. Die Qualität ist überwiegend gut, da es kaum Pilzbefall gab. Die Erträge von Winterraps sind auf 32 dt/ha weiter gesunken und liegen 17 % unter dem Fünfjahresschnitt.

Getreidelager sind wieder gut gefüllt

Die unterdurchschnittlichen Erntemengen haben die Preise aber nicht beflügelt: Winterraps ist mit 35 bis 36 €/dt nahezu konstant, Futterweizen liegt mit 15 bis 17 €/dt sogar etwa 3,50 € unter Vorjahr. „Die Getreidelager auf der Nord- und Südhalbkugel sind gut gefüllt. Zudem zeichnet sich eine Rekordernte bei Getreide ab“, begründet Röring. Mit diesen Mengen gleiche Deutschland sein Defizit aus. Die fehlenden Rapsmengen kämen überwiegend aus Osteuropa wie z.B. der Ukraine. Der WLV-Präsident betonte deshalb, dass er gegen Protektionismus und für offene Märkte ist ­– aber zu fairen und vergleichbaren Bedingungen.

Das zweite Jahr in Folge leiden Rinderhalter und Biogasanlagenbetreiber unter geringen Erträgen. Auf dem Grünland sind ein oder zwei Schnitte aufgrund der Dürre ausgefallen. Beim Silomais gibt es extreme Unterschiede: Auf wasserversorgten Flächen sei mit guten Erträgen zu rechnen, auf trockenen Standorten gebe es Totalausfälle. Im Schnitt rechnet der WLV, dass die Silomaiserträge 28 % unter dem langjährigen Mittelwert liegen.

Entspannte Schweinehalter

Viele Rinderhalter müssen deshalb Futter zukaufen. Zum Teil können sie Flächen häckseln, die ursprünglich als Körnermais vorgesehen waren, wo aber die Kornausbildung miserabel ist und sich ein Drusch nicht lohnt. Oder sie kompensieren die Rationen zumindest teilweise mit Getreide. Das alles verteuert die Produktion. „Aufgrund der hohen Futterkosten ist die Milcherzeugung aktuell nicht kostendeckend“, sagte Röring. Er erwartet für 2019 einen durchschnittlichen Auszahlungspreis in NRW von 32 bis 33 Cent/kg, das sind 1 bis 2 Cent/kg weniger als im Vorjahr. Deutliche Kritik übte er am Deutschen Milchkontor: Das DMK müsse sich endlich anstrengen, beim Milchpreis oben zu sein.

Im Vergleich sei die aktuelle Situation der Schweinehalter deutlich entspannter. Durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in China und weiten Teilen Asiens sei der Erzeugerpreis in Deutschland stark gestiegen. Röring berichtete, dass durch die ASP rund ein Drittel der chinesischen Schweineproduktion weggebrochen sein. Zur Einordnung: Das ist etwa ein Sechstel der weltweiten Schweineproduktion. „Die Schweinehalter in Westfalen-Lippe haben deshalb gute Aussichten – solange die ASP nicht hier bei uns ausbricht“, sagte der WLV-Präsident.

Politik und Verbraucher sollen sich ehrlich machen

Familie Schulze Pellengahr bewirtschaftet in Ascheberg einen Betrieb mit 88 ha Acker- sowie Grünland, 550 Zuchtsauenplätzen, 2100 Ferkelaufzuchtplätzen und 200 ha Forst. Dass die Ernte von Jahr zu Jahr schwanke, sei eine Herausforderung, sagte Dirk Schulze Pellengahr. „Was aber wirklich nervt ist, dass sich die Politik nicht positioniert und sich nicht zur Landwirtschaft bekennt“, sagte der Landwirt. Vom deutschen Handel fehle dieses Bekenntnis ebenfalls.

Und auch von den Verbrauchern wünscht sich Schulze Pellengahr mehr Ehrlichkeit. Er sei gerne bereit, auf Wünsche einzugehen und beispielsweise weniger Tiere zu halten. Allerdings müsse der Verbraucher diese höheren Anforderungen dann auch bezahlen: „Dabei geht es nicht darum, reich zu werden. Wir möchten einfach unsere Familien ernähren können, so wie andere auch!“