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DMK: Der Rubel soll rollen Digital Plus

Das Deutsche Milchkontor ist 2016 in eine russische Molkerei eingestiegen und hat diese 2018 übernommen. Aktuell baut das DMK eine zweite Molkerei.

Mitte September 2019 liefen die Bauarbeiten für die neue Molkerei des Deutschen Milchkontors (DMK) in Russland auf Hochtouren. Im dritten Quartal 2020 soll der erste Käse vom Band rollen.

Ganz überraschend kam die Meldung nicht: Das Deutsche Milchkontor (DMK) liebäugelte schon vor dem Handelsembargo 2014 damit, stärker in den russischen Markt einzusteigen. 2016 hat die Molkerei eine Mehrheitsbeteiligung an der Richart-Gruppe in der Region Woronesch erworben. 2018 hat das DMK die verbleibenden 40% der Molkerei übernommen. „Wir fokussieren uns international auf wesentliche Märkte, dazu gehört Russland. Das stärkt die Gesamtleistung des Unternehmens“, begründet ein DMK-Sprecher.

Verschiedene Lieferverträge

Aktuell verarbeitet die russische Molkerei täglich rund 300 t Milch, das entspricht einer Jahresmilchmenge von mehr als 100 Mio. kg Milch. Diese stammt von etwa 30 Lieferanten. Es ist keine Genossenschaft. Der kleinste Betrieb liefert täglich 500 kg, der größte Betrieb ist Stefan Dürr mit täglich 100.000 kg Milch. Alle Lieferanten haben individuelle Verträge. In der Regel gelten diese für ein Jahr. Die Konditionen können je nach Liefermenge unterschiedlich sein. Beispielsweise müssen kleinere Betriebe ihre Milch selbst zur Molkerei...

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Ganz überraschend kam die Meldung nicht: Das Deutsche Milchkontor (DMK) liebäugelte schon vor dem Handelsembargo 2014 damit, stärker in den russischen Markt einzusteigen. 2016 hat die Molkerei eine Mehrheitsbeteiligung an der Richart-Gruppe in der Region Woronesch erworben. 2018 hat das DMK die verbleibenden 40% der Molkerei übernommen. „Wir fokussieren uns international auf wesentliche Märkte, dazu gehört Russland. Das stärkt die Gesamtleistung des Unternehmens“, begründet ein DMK-Sprecher. Verschiedene Lieferverträge Aktuell verarbeitet die russische Molkerei täglich rund 300 t Milch, das entspricht einer Jahresmilchmenge von mehr als 100 Mio. kg Milch. Diese stammt von etwa 30 Lieferanten. Es ist keine Genossenschaft. Der kleinste Betrieb liefert täglich 500 kg, der größte Betrieb ist Stefan Dürr mit täglich 100.000 kg Milch. Alle Lieferanten haben individuelle Verträge. In der Regel gelten diese für ein Jahr. Die Konditionen können je nach Liefermenge unterschiedlich sein. Beispielsweise müssen kleinere Betriebe ihre Milch selbst zur Molkerei liefern, größere Betriebe zurren Milchmenge und Milchpreis ein Jahr im Voraus fest. In der Molkerei arbeiten etwa 320 Mitarbeiter. Sie produzieren täglich rund 30 t verschiedene Käsesorten, zum Teil unter der Marke „Oldenburger“. Aufschneiden, Verpacken und Lagern des Käses erfolgt an einem Standort in der Nähe von Moskau. Hier sind weitere 200 Mitarbeiter beschäftigt. Zudem sind dort etwa 75 Mitarbeiter in Vertrieb, Buchhaltung, Qualität und Verwaltung tätig. Spezial- und Blauschimmelkäsemarkt Der Fokus der Molkerei liegt auf Spezialkäse, nicht auf Standardware. So sticht in der ­Produktion beispielsweise der 1-kg-Kugelkäse ins Auge. Dieser verlangt in der Herstellung zwar viel Handarbeit, erzielt aber Verkaufspreise von bis zu 8,50 €/kg. Das ist etwa 1 € mehr als in Deutschland. Noch lukrativer ist die Produktion von Blauschimmelkäse. Dieser Markt ist – im Gegensatz zu Deutschland – zwei- bis dreimal größer als der Weißkäsemarkt. Das DMK hat in der Molkerei eine eigene Produktionslinie dafür. Spezielle Maschinen schießen Luft in den Käse, in den Reiferäumen bildet sich danach der Blauschimmel. Die Verkaufspreise liegen bei umgerechnet bis zu 18 €/kg. Entsprechend den höheren Verkaufspreisen lag der durchschnittliche Auszahlungspreis der Molkerei im September 2019 deutlich über dem Milchpreisniveau in Deutschland. Neubau für Spezialitäten Weil die Geschäfte gut laufen, baut das DMK nur wenige Kilometer vom ersten Standort entfernt eine zweite Molkerei auf der grünen Wiese. Sie soll eine Verarbeitungskapazität von 450 t pro Tag (etwa 165 Mio. kg Jahresmilchmenge) haben und 150 Mitarbeiter beschäftigen. Auch hier will DMK keine Standardware, sondern Spezialkäse in Brot-, Zylinder- und Kugelform produzieren, etwa Tilsiter, Gouda, Goya und Maasdam. Aus der Molke soll hochwertiges Molkenpulver entstehen.Bis zum dritten Quartal 2020 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Zum Teil will das DMK die Anlagen aus dem ehemaligen Standort Bad Bibra (Sachsen-Anhalt) dort einbauen. Die Investitionssumme sei ein „niedriger zweistelliger Millionenbetrag“. Bei unserem Besuch lobte der russische Landrat die gute Zusammenarbeit mit dem DMK. Mehr zum Thema: