Zum Inhalt springen
4 °C Münster (Westfalen)

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

WLV-Kreisbauerntag

Die Zukunft der Bauern im Kreis Höxter

Werden die Bauern im Kreis Höxter künftig noch gebraucht? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch das Programm des diesjährigen WLV-Kreisbauern­tages in Brakel.

Zukunftsforscher Dr. Manfred Kern erläuterte den Besuchern des Kreisbauerntages, wer künftig die Welt ernähren kann.

Werden die Bauern im Kreis Höxter künftig noch gebraucht? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch das Programm des diesjährigen WLV-Kreisbauern­tages. „Als wir das Thema festgelegt haben, ahnten wir allerdings noch nicht, welche aktuelle Brisanz es ausstrahlen würde“, erklärte Kreisverbandsvorsitzender Antonius Tillmann am Donnerstag vergangener Woche in Brakel vor rund 450 Landwirten und Gästen.

Werden wir noch gebraucht?

Denn Tags zuvor waren die Pläne der Südzucker AG bekannt geworden, die Warburger Zuckerfabrik im nächsten Jahr zu schließen. Viele Bauern fragen sich seither, wie es in der Region weitergehen soll, nachdem der West­fleisch-Schlacht­hof in Paderborn seit 2016 Geschichte ist und 2018 das Deutsche Milchkontor den Standort in Rimbeck geschlossen hat. Die Fragen nach der Zukunft kommen daher nicht von ungefähr, auch wenn die Landwirte beim Kreisbauerntag „Rückendeckung“ durch Landrat Friedhelm Spieker und Brakels Bürgermeister Hermann Temme erhielten, die beide betonten: Ohne die heimischen Bauern geht es nicht.

Vor allem in der städtischen Bevölkerung, in Politik und Nichtregierungsorganisationen gibt es aber auch andere Stimmen und Stimmungen, wie Tillmann berichtete: Diese forderten von den Landwirten ständig Veränderungen ein, ohne einen eigenen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten zu wollen. Trotzdem wollen die Bauern auf die Mitbürger zugehen, ihre Ängste und Sorgen um Tierwohl und Artenschutz ernst nehmen. Gleichzeitig gelte es, den Menschen die Leistungen der Landwirte für die Gesellschaft zu verdeutlichen. „Das haben wir 2018 an unterschiedlichen Stellen getan“, verwies der Kreisverbandsvorsitzende unter anderem auf den Tag der Landwirtschaft in Brakel oder das Pilot­projekt zum Erhalt der Artenvielfalt in Marien­münster.

Chancen und Perspektiven

Alles in allem kämpfen die deutschen Landwirte zwar mit zahlreichen Wettbewerbsnachteilen und nationalen Erschwernissen. Sie werden aber weiter gebraucht, erklärte Gastredner Dr. Manfred Kern  –  allein schon, weil die wachsende Weltbevölkerung nur mithilfe der klimatischen Gunst­regionen in Mittel­europa ernährt werden könne. Der Biologe und Trend­forscher blickte vor diesem Hintergrund mit Sorge auf verzögerte Zulassungen bzw. fehlende Aus­nahme­genehmigungen bei Pflanzen­schutzmitteln und eine kontra­produktive Außenhandelspolitik zulasten der heimischen Landwirte. Er sah aber im stärkeren Umweltbewusstsein der Deutschen auch Chancen: Als Beispiel dafür nannte Kern die F4-Produktion: „fossil fuel free farming“ – also eine landwirtschaftliche Erzeugung ohne Einsatz fossiler Brennstoffe. Das könnte sich zu einem Allein­stellungsmerkmal der heimischen Landwirtschaft entwickeln, müsste allerdings auch entsprechend bezahlt werden.

Aus dem Kreisverband Höxter
Der WLV-Kreisverband Höxter zählt aktuell 1720 Mitglieder in 30 Ortsverbänden. Es gibt ein breites Spektrum an verschiedenen Betriebs­typen und -größen. Einen Schwerpunkt bildet der Ackerbau in Kombination mit Schweine- oder Milchviehhaltung. Immer häufiger haben die Land­wirte auch mit dem Thema Windenergie zu tun, erklärte Hans-Josef Hanewinkel, der die Geschäftsstelle in Brakel gemeinsam mit Stefan Legge führt: In den vergangenen zwei Jahren beispielsweise habe man die Mitglieder in zahlreichen Fällen bei sogenann­-ten Nutzungsentgeltverträgen für Windkraftanlagen-Standorte unterstützt. Hanewinkel hat dabei die Erfahrung gemacht, dass diese Verträge stets gründlich geprüft werden sollten – vor allem wenn die kommunale Standortfindung noch gar nicht abgeschlossen ist.

Mehr zum Thema: