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Bodenzustandserhebung des Thünen-Instituts

Deutschland ganz unten: Wie gut ist der Boden fürs Klima?

Wie viel organische Kohlenstoffe speichern Böden, die landwirtschaftlich genutzt werden? Das Thünen-Institut hat das für ganz Deutschland untersucht. Vor allem ein Ergebnis hat die Wissenschaftler überrascht.

Das Thünen-Institut hat die erste Inventur der organischen Kohlenstoffvorräte in landwirtschaftlichen Böden vorgelegt.

In den landwirtschaftlich genutzten Böden Deutschlands sind zur Zeit rund 2,5 Mrd. t organischer Kohlenwasserstoffe gespeichert - und damit mehr als in den Wäldern und Forsten des Landes. Das ist eines der überraschenden Ergebnisse der "Bodenzustandserhebung", den das Thünen-Institut vorgelegt hat. Erstmals liegt damit eine bundesweite Inventur der organischen Kohlenstoffvorräte in landwirtschaftlich genutzten Böden vor.

Der Abschlussbericht soll eine weitere Grundlage für die Ackerbaustrategie bilden, die das Bundeslandwirtschaftsministerium für Herbst 2019 angekündigt hat. Die Inventur soll in zehn Jahren wiederholt werden, um so Veränderungen des Bodenzustandes zu erkennen.

3100 Bodenproben von den Alpen bis zur Nordsee

Die Studie stützt sich auf rund 3100 Bodenproben. Sie wurden in einem Raster von 8 x 8 km flächendeckend in Deutschland genommen – „mit aktiver Unterstützung der Landwirte, die die beprobten Flächen bewirtschafteten und Informationen zur Bodennutzung und ihrem landwirtschaftlichen Betrieb bereitstellten“, wie es im Bericht heißt. Die Böden wurden in fünf Tiefenstufen bis zu 100 cm untersucht. Bei Moorböden wurden auch tieferliegende Bodenschichten in den Blick genommen.

Der Gesamtvorrat von 2,5 Mrd. t organischer Kohlenwasserstoffe im oberen Meter der Böden sei „sehr variabel“ verteilt: gering in flachgründigen und sehr sandigen Böden, besonders hoch in Moor- und moorähnlichen Böden. Entgegen einem landläufigen Vorurteil weisen landwirtschaftlich genutzte Böden einen etwas höheren Vorrat an organischen Kohlenstoffen auf als Waldböden. Landwirtschaftlich genutzte Böden seien deshalb „mit Abstand der größte terrestrische Speicher organischer Kohlenstoffe in Deutschland“. Von einem „überraschenden Ergebnis“sprechen die Autoren der Studie. Sie erklären es zum einen mit der höheren Tiefgründigkeit landwirtschaftlich genutzter Böden, zum anderen mit dem höheren Anteil an stark hydromorphen, also wasserspeichernden Böden mit sehr hohem Kohlenstoff-Vorrat, so etwa in Moor- und moorähnlichen Böden.

Forscher: Das ist für den Humusaufbau zu tun

Unter dem Strich plädieren die Autoren für gezielte Maßnahmen des Humusaufbau im Rahmen eines effizienten und verlustarmen Nährstoffmanagements. Sie wirkten „vielfältig positiv“ auf Bodenfruchtbarkeit und Ertragssicherheit, aber auch auf Boden- und Klimaschutz und seien „im Sinne einer effizienten und umweltschonenden Landwirtschaft zu nutzen“.

Die großen Mengen an gespeichertem Kohlenstoff könnten die Böden unter bestimmten Bedingungen auch wieder abgeben, warnte der Direktor des Thünen-Instituts (TI) für Agrarklimaschutz, Prof. Heinz Flessa, bei der Vorstellung der Studie in Berlin Er mahnte einen umsichtigen Umgang mit dem Boden an und warnte, dass vor allem die Veränderungen des Kohlenstoffgehaltes klimarelevant seien.

Klöckner, Krüsken, Löwenstein, Ostendorff: Stimmen zum Bericht

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner betonte, dass Deutschland zu den fruchtbarsten Agrarregionen weltweit gehöre. Um die hohe Fruchtbarkeit zu erhalten, müsse man die Böden nachhaltig bewirtschaften. Die Ministerin verwies auch auf die große Bedeutung des Agrarbodens für den Klimaschutz und für die Klimaanpassung. Es gelte, die besondere Rolle der Land- und Forstwirtschaft stärker nutzen, Kohlenstoff zu speichern und damit als "natürliche Treibhausgassenke" zu fungieren.

Laut Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, zeigt die Bodenzustandserhebung, dass bei ackerbaulicher Nutzung mehr als ein Drittel des organischen Kohlenstoffs im Unterboden gebunden sei. Das Ziel der Landwirte sei der Erhalt und die Erhöhung dieses Vorrats.

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), warnte, dass die Landwirtschaft sich selbst schade, wenn sie humusschädigend arbeite. Löwenstein forderte die Bundeslandwirtschaftsministerin auf, als Konsequenzen aus den Forschungsergebnissen die EU-Agrargelder gezielt für den Klimaschutz auszugegeben, beispielsweise für wirksame Programme zum Humusaufbau auf dem Acker.

Friedrich Ostendorff, Agrarsprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, hielt Klöckner vor, sie ziehe keine agrarpolitischen Schlussfolgerungen aus dem Bodenzustandsbericht und verschweige den durch einen falschen Umgang mit dem Boden bedingten hohen Beitrag der Landwirtschaft an der Klimakrise. Klöckner lasse „keinerlei Interesse“ erkennen, den Humusgehalt der Böden zu erhöhen.