Schlachthöfe in NRW

Corona: Land schließt Westfleisch-Schlachthof in Coesfeld

Das Land NRW hat heute den Westfleisch-Schlachthof in Coesfeld geschlossen, nachdem dort die Zahl der Corona-Infizierten hochgeschnellt ist. Jetzt werden die Mitarbeiter an allen 35 NRW-Schlachthöfen getestet.

Erst 11, dann 69, schließlich 151 positive Corona-Fälle am Westfleisch-Schlachthof in Coesfeld – die Zahl der infizierten Werksmitarbeitern stieg von Donnerstag auf Freitag rapide an. Am späten Nachmittag zog NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann die Notbremse und ordnete auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes die Schließung des Schlachthofs nach Schichtende an. Damit ist der Plan der Westfleisch hinfällig, mit reduzierter Schlachtzahl weiterzuarbeiten.

Kreis Coesfeld bleibt (fast) im Lock-Down

Da der erst vor wenigen Tagen von Bund und Ländern vereinbarte Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten wird, bleibt der Kreis Coesfeld damit vorerst und bis zum 18. Mai im Lock-Down. Lediglich Schulen und Kitas im Kreis sind ausgenommen und öffnen schon ab dem 11. Mai.

Die Zahlen waren aufgrund intensivierter Testungen der Mitarbeiter auf das Corona-Virus nach ersten Fall-Meldungen hochgeschnellt. Bei der Hälfte der 1200 Mitarbeiter ist bereits ein Abstrich gemacht worden. Die restlichen sollen im Laufe dieses Wochenendes folgen. Die Proben werden von den Veterinäruntersuchungsanstalten des Landes untersucht, die ihre Testkapazität auf 4000 Proben pro Tag hochschrauben.

Schlachthof für sieben Tage geschlossen

Der Schlachthof bleibt zunächst für sieben Tage geschlossen. Anhand der Untersuchungsergebnisse wird Minister Laumann entscheiden, wann der Schlachtbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

Infizierte Mitarbeiter werden unter Quarantäne gestellt, ebenso Kontaktpersonen ersten Grades, die länger als 16 Minuten weniger als 1,50 m Abstand zu infizierten Personen hatten. Das dürfte bei vielen der Werkvertragsarbeiter zutreffen, die oft in Sammelunterkünften leben und mit Kleintransportern zur Arbeit fahren.

Gesundheitsminister Laumann kündigte in einer Pressekonferenz darüberhinaus an, dass die Testung landesweit auf alle 17.000 bis 20.000 Werksvertragsmitarbeiter an NRW-Schlachthöfen ausgedehnt werden soll. In den Schlachtbetrieben soll bei den Arbeitsschutzüberprüfungen der Schwerpunkt auf der Hygiene liegen. Zudem sollen alle Unterkünfte begutachtet werden. In NRW gibt es nach Angaben von Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser 35 große Schlachtbetriebe, die 18 Mio. Schweine und 600.000 Rinder jährlich schlachten.

Schockstarre in der Schlachtbranche

Die Branche ist nach dieser Nachricht in Schockstarre. Die RVG Werne hat schon am Freitagvormittag reagiert und einen Abzug von 5 € pro Schwein für Partien angekündigt, die weniger als 96 kg Schlachtgewicht im Schnitt aufweisen. Damit will sie Panikverkäufe untergewichtiger Schweine verhindern, die angesichts der verringerten Schlachtzahl den Druck auf den Markt weiter erhöhen würden.

Die AgriV rechnet mit stark eingeschränkten Schlachtzahlen. Ihren Kunden bietet die AgriV ein „Erhaltungsfutter“ für Mastschweine an, damit bei aufgeschobener Schlachtung die Abzüge für Übergewichte nicht aus dem Ruder laufen.

Bei Westfleisch in Coesfeld sorgt ein Corona-Ausbruch für Unruhe.

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