Corona: Tönnies baut Testcenter für seinen Schlachthof

Tönnies erweitert sein Hygienekonzept, um das Corona-Risiko in den Bereichen Arbeit, Wohnen und Transport zu minimieren.

Ein eigenes Testcenter für die Mitarbeiter und ein 14-Punkte-Plan für die Hygiene – damit will die Tönnies-Gruppe das Corona-Risiko in ihren Schlachthöfen weiter minimieren. Seit Februar analysiert und bewertet das Unternehmen wöchentlich die Maßnahmen im Pandemie-Krisenstab. Diese Arbeit wird in den folgenden Wochen mit den nochmals verschärften Regeln des Hygienekonzepts fortgesetzt. Kernelement ist die risikobasierte PCR-Probennahme im eigenen Testcenter. „Für uns ist es entscheidend, das wir erkrankte Mitarbeiter so früh wie möglich erkennen“, betonte Pressesprecher Dr. Andé Vielstädte auf Nachfrage des Wochenblatts. „Nur so können wir rechtzeitig Kontaktpersonen ausfindig machen.

Infektionsketten unterbrechen

Die ersten offiziellen Ergebnisse für den Standort Rheda werden am Mittwoch erwartet. Experten der Gesundheitsbehörden erwarten positive Tests, obwohl keine klinischen Symptome aufgefallen sind. Am Standort in Kellinghusen liegen schon Ergebnisse aller 170 Mitarbeiter vor. Hier sind alle Proben negativ. Auf diesen Ergebnissen will das Unternehmen in den kommenden Wochen und Monaten mit Tests im eigenen Testcenter aufbauen. So sollen Infektionsketten noch besser unterbrochen werden.

Tönnies' Hygienekonzept

„Der 14-Punkte-Plan ergänzt unserer Strategie der vergangenen Wochen und setzt klare Regeln und Verantwortlichkeiten“, sagt Dr. Gereon Schulze Althoff, Leiter des Pandemie-Krisenstabs. „Wir schaffen damit verbindliche Vorgaben in den Bereichen Wohnen, Transport und Arbeit.“ Dabei stimmt sich das Unternehmen eng mit den Behörden ab. Das Hygienekonzept fußt auf folgenden Punkten:

  1. Aufbau eines Tönnies Testcenters für PCR-Tests auf COVID-19.
  2. Freiwillige PCR-Testung von Kontaktpersonen der Kategorie 1 und 2, wenn nicht schon behördlich durchgeführt.
  3. PCR-Testung aller Beschäftigten, die bisher in Wohneinheiten mit mehr als 10 Personen lebten.
  4. PCR-Testung aller Beschäftigten, die länger als 96 Stunden nicht im Betrieb waren.
  5. PCR-Testung im Wohn- und Besuchsumfeld bei zukünftigen Frühwarnmeldungen der Gesundheitsbehörden.
  6. PCR-Testung aller Beschäftigten, die bei den täglichen Temperaturmessungen auffallen, die an den Produktionseingängen mit dem Thermoscanner automatisch erhoben werden..
  7. Quarantäne aller neuen Mitarbeiter bis ein Negativbefund vorgelegt wird.
  8. Vorhalten von Quarantäne-Wohnraum für Infizierte.
  9. Wöchentliches Antikörperscreening einer repräsentativen Stichprobe im Tönnies-Labor, um die Dunkelziffer zu ermitteln..
  10. Reduktion der Wohneinheit auf maximal 10 Personen pro Wohneinheit. Keine Sammelunterkünfte wie ehemalige Kasernen.
  11. Dringende Bitte um Besuchsminimierung von Externen für alle Beschäftigten.
  12. Intensivierung der Wohnraumberatung durch die Tönnies Integrationsbeauftragte.
  13. Reduktion der Zahl der Mitfahrer in PKW auf maximal 5 Passagiere pro Fahrzeug. Mundschutzpflicht im PKW.
  14. Einrichtung eines kooperativen Frühwarnsystems mit den Gesundheitsämtern der Landkreise. Direkte Meldung, wenn Mitarbeiter von Dienstleistern positiv reagieren - auch wenn die Ermittlung von Kontaktpersonen am Arbeitsplatz nicht erforderlich ist.

"Bedarf an einem konstruktiven Dialog"

Mit dem 14-Punkte Plan und dem eigenen Testcenter geht ClemensTönnies in der Corona-Krise in die Offensive. Der geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens wundert sich über die politischen Äußerungen der vergangenen Tage, da das Unternehmen sich an Recht und Gesetz halte und sogar übergesetzliche Standards schaffe. Der Politik bietet er an, die Firmenerfahrungen an einem runden Tisch mit den Arbeitsministern Karl-Josef Laumann und Hubertus Heil einzubringen. Seine Überzeugung: „Es besteht Bedarf an einem konstruktiven Dialog.“ Tönnies fordert von der Politik bundeseinheitliche Regelungen und Auditierungen von Wohnungen: „Das gilt branchenübergreifend für die Fleischbranche, genauso wie für das Bauwesen, den Maschinenbau, Dienstleistungssektor oder Online-Versandhandel.“

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