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Bullenmäster unter Druck

Seit Juli steht der Kälberstall bei Bullenmäster ­Johannes Peter aus Coesfeld leer. Kopfschmerzen bereiten ihm Marktlage und Politik.

Der im Jahr 2010 gebaute Kälberstall steht seit Monaten leer. Momentan lagern dort Stroh und ein Gülle­fass. Von Kälbern ist weit und breit nichts zu sehen.

Johannes Peter ist ein hochmotivierter und positiv denkender Bullenmäster. Anfang des Jahres noch hat der Ortslandwirt seinen Berufskollegen Mut gemacht, den Kopf nicht hängen zu lassen. Als Vorsitzender des ­Arbeitskreises Rindfleisch­erzeugung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) diskutierte er mit ihnen die „Tierschutzleitlinie für Mastrinderhaltung“. Schalentränken und ein angemessenes Platzangebot seien machbar, erklärte er – und glaubte da­ran. Von seinem Optimismus ist momentan nicht mehr viel übrig geblieben.

Kälberstall bleibt leer

Der Coesfelder Landwirt mästete seine Tiere bislang in Partiengrößen von 60 bis 80 Tieren, insgesamt also 430 Mastbullen. Nun hat er den Bestand auf 320 Tiere reduziert. Eigentlich hätte er nach seinem Rhythmus im Juli Bullen verkaufen und Kälber einkaufen ­müssen. „Im Juli waren die Bullenpreise aber mehr als unterirdisch. Für weniger als 3,40 € wollte ich meine Bullen nicht verkaufen“, erklärt der Landwirt. Deshalb konnte er ­keine neuen Kälber einstallen.

Johannes Peter ist Bullenmäster aus Leidenschaft. Aber die aktuelle politische Situation und die schlechte Marktlage frustrieren ihn.

Obwohl die Bullen mittlerweile vermarktet sind, gibt es immer noch keine neuen Kälber. Im modernen, 2010 gebauten Kälberstall lagern stattdessen Strohballen und ein Güllefass. Aktuell klingt der 50-jährige Landwirt auch nicht so, als würde er den Stall bald wieder mit Kälbern besetzen. Das liegt nicht nur an der schwierigen Futtersituation im zweiten Jahr, sondern eher an der angespannten Situation auf dem Rindermarkt. Die Maissilage aus dem vergangenen Jahr reicht sogar noch bis Dezember. Aber Fleckviehkälber sind unverhältnismäßig teuer und Bullen zu billig. „Das liegt unter anderem an den Restriktionsgebieten der Blauzungenkrankheit. Einmal mehr eine unsinnige Vorschrift der Politik“, so empfindet es der Landwirt.

Im vergangenen Jahr kaufte der Mäster Futter in bester Qualität zu, um die Leistung beizubehalten. Er wertet seine Ration mit Körnermais, Getreide und Soja auf.

Futter teuer, Erlös schlecht

Um alle Kosten zu decken, muss er fast 4 €/kg Fleisch bekommen. Das war die vergangenen Monate nicht im Ansatz zu erreichen.

Jedes Jahr muss der Bullenmäster 10 bis 20 ha Mais zukaufen, da ­seine eigene Anbaufläche nicht reicht. In diesem Jahr hat Peter aber bereits 15 ha von seinem eigenen Mais an eine Biogasanlage verkauft, weil ihm die Futterqualität für seine Bullen nicht ausreichte.

Politik raubt allen Mut

„Ob ich in diesem Jahr überhaupt Mais zukaufe, weiß ich noch nicht“, sagt der Landwirt schulterzuckend. Außerdem ist bei einem Preis von 3,45 €/kg Rindfleisch bei Produktionskosten von 4 €/kg keine wirtschaftliche Produktion möglich.

Gleichzeitig gibt der Vorsitzende der WLV-Rindermäster zu bedenken: „Zwei schlechte Jahre kann man verkraften. Wirklich den letzten Mut raubt uns die Doppelmoral, die unsere Politik und die Verbraucher beim Umgang mit den Landwirten an den Tag legen.“ Eine Auflage folgt der nächsten. Die verschärfte Düngeverordnung, vor allem in den „roten Gebieten“ lässt keinen wirtschaftlichen Anbau mehr zu, so Peter. „Die Politik ist enttäuschend“, ärgert sich der Landwirt. „In Deutschland werden die Bauern mit Bürokratie und immer strengeren Auflagen geplagt.“ Aber damit nicht genug, das Fleisch soll aus Ländern wie Brasilien importiert werden, obwohl dort der Urwald brennt und unserem Umweltschutz und unserer Klimapolitik gänzlich widerspricht. „Deutschland unterstützt die Landwirte nicht wie ­beispielsweise Frankreich oder Italien“, kritisiert der frustrierte Landwirt.

Johannes Peter ist Landwirt geworden, um bei seinen Tieren im Stall oder draußen auf dem Feld zu arbeiten. „Dort bekomme ich den Kopf frei und genieße meinen Beruf.“ Aber der bürokratische Aufwand wird immer größer und raubt ihm die Motivation.

Was kommt als Nächstes?

Die Frage, ob er wieder neue Tiere einstallt, kann Peter nicht beantworten. „Die Fresserpreise sind im Moment günstig und die Bullenpreise gehen bestimmt, zumindest kurzfristig, hoch“, kalkuliert er. „Aber niemand weiß, was aus Kreisen der Politik als nächste Auflage kommt.“ Ein Stallbau steht für ihn bei den aktuellen Pachtpreisen und der Diskussion über die Nährstoffüberschüsse sowieso nicht zur Debatte.

Stattdessen denkt der Bullenmäster darüber nach, seine Stalltüren endgültig zu schließen. Wenn Gummimatten auf der Liegefläche Pflicht werden, will er sofort aufhören. Seine fünf Kinder sind nicht an Landwirtschaft interessiert. Mittlerweile kann er ihnen aber auch nicht mehr dazu raten.

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