Brochterbeck: Streit ums Wasserrecht

In Brochterbeck-Wechte bewegt zurzeit das Theme Wasser die Gemüter. Der Wasserversorgungsverband Tecklenburger Land (WTL) hat bei der Bezirksregierung ein neues Wasserrecht beantragt, das vermutlich ohne nennenswerte Auflagen für die nächsten 30 Jahre bewilligt wird. Die Landwirte fürchten bei der vorgesehenen max. Fördermenge von 18.000 m3/Tag unter anderem erhebliche Schäden an ihren Kulturen.

Das Wasserrecht in Brochterbeck (21 Brunnen, bewilligte Fördermenge bislang 5 Mio. m3) ist Ende 2012 ausgelaufen. Deshalb hat der Wasserversorgungsverband Tecklenburger Land (WTL) bei der Bezirksregierung ein neues Wasserrecht bis 2042 beantragt. Der Antrag sieht vor, dass der Verband bis 2016 rund 4 Mio. m3 und danach 3,5 Mio. m3 in Brochterbeck fördern darf. Maximale Fördermenge pro Tag: 18.000 m3.

Trinkwasser für die Region
Der Wasserversorgungs- verband Tecklenburger Land (WTL) versorgt im Altkreis Tecklenburg 170.000 Menschen und viele Gewerbe- und Industriebetriebe mit Trinkwasser. Der Jahresbedarf beträgt etwa 12 Mio. m3. In Brochterbeck, Dörenthe, Lehen und Schollbruch fördert der Verband Grundwasser in Wasserschutzgebieten. Zudem hat der WTL einen Liefervertrag mit den Stadtwerken Osnabrück bis 2020 geschlossen. Zuletzt haben die Osnabrücker etwa 800.000 m3 Wasser pro Jahr gen Süden gepumpt.

Nur unwesentliche Beeinträchtigungen?

Während ein Gutachter in Zukunft nur unwesentliche weitere Beeinträchtigungen sieht, weil ja schon jahrzehntelang Grundwasser in der Region gefördert werde, haben die betroffenen Landwirte Bedenken. Sie weisen auf die bereits entstandenen Schäden in der Natur und auf ihren Höfen hin: Viele Hofbrunnen sind versiegt, alte Hofeichen und Obstbäume vertrocknen, Teiche und Gräben führen kein Wasser mehr. Neu angepflanzte Gehölze gehen nur noch an, wenn man sie im Sommer permanent bewässert.

Sauer stößt den Landwirten auf, dass die Bezirksregierung aufgrund der Stellungnahme des Gutachters entschieden hat, dass der WTL keine Umweltverträglichkeitsprüfung für den Wasserrechtsantrag beibringen muss. Die Absenktrichter seien größer als angenommen, ein zweites Gutachten müsse her, fordern sie.

Die Landwirte halten zudem die beantragte maximale Tagesfördermenge von 18.000 m3 für zu hoch. Gerade bei extremer Sommerhitze werde das meiste Grundwasser entnommen. Damit im Winterhalbjahr mehr Grundwasser gebildet wird, müsse der WTL Stauwehre in die Gräben einbauen, verlangen sie.

Weiterer Kritikpunkt: Die heikle Frage, ob Landwirte in den Wassergewinnungsgebieten selbst Grundwasser fördern dürfen, um damit etwa ihre Kartoffeln oder das Gemüse (Spargel) zu beregnen, wird im Wasserrechtsantrag nicht behandelt.

Ein langer Kampf

Seit Anfang der 1990er-Jahre kämpft der Landschaftsschutzverein Brochterbeck/Wechte gegen eine zu hohe Grundwasserförderung und für gerechte Entschädigungen in den Wassergewinnungsgebieten. Damals hatten es die Bauern geschafft, dass ein (unbeliebter) Gutachter gehen musste.

Doch der Stachel sitzt nach wie vor tief. Den Landwirten stößt auch bitter auf, dass der WTL immer mehr Grundstücke in der Region aufkauft und dabei Preise (bis 8 €/m2) zahlt, die ein normaler Bauer nicht zahlen kann. Armin Asbrand


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