Zum Inhalt springen
4 °C Münster (Westfalen)

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

Berthold N. muss ins Gefängnis

Ein ehemaliger Mitarbeiter hinter Gittern: Die "Initiativbank" hätte sich diese Schlagzeile gerne erspart. Foto: WGZ-Bank

Geltungssucht und zwei außereheliche Beziehungen haben Berthold N. offensichtlich auf die schiefe Bahn geleitet. Am Freitag der vergangenen Woche verurteilte das Landgericht Münster den Rentner aus Senden wegen Betruges (29 Fälle) und Urkundenfälschung (23 Fälle) zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten.

Von April 2009 bis Mitte 2013 hat Berthold N. Verwandte, Freunde und Bekannte um knapp 1,3 Mio. € geprellt. Diese Summe konnte das Gericht nachweisen. Der 66-Jährige hatte jahrzehntelang einen „Vertrauensjob“ bei der WGZ-Bank in Münster. Er baute die Betriebssportgruppe der Bank auf, organisierte Events und Fitnessreisen für die Mitarbeiter der Bank und deren Verbundpartner. Für sein Organisationstalent wurde er viel gelobt und wertgeschätzt.

Ein Schneeballsystem

Doch Berthold N. hatte auch eine dunkle Seite. Er vermittelte zuerst seinen Schwiegereltern und später Freunden und Bekannten Geschäftsanteile der WGZ-Bank zu hohen Zinsen (etwa 8 %). Das eingesammelte Geld legte er aber nicht an, er verbrauchte es jedenfalls zum Teil für eigene Zwecke. Es floss in die von ihm organisierten Veranstaltungen, zum Teil finanzierte Berthold N. damit aber auch seinen Lebensunterhalt und zwei außereheliche Beziehungen.

Mitte 2013 flog sein gut getarntes Schneeballsystem auf, seine langjährige Ehefrau reichte die Scheidung ein. Danach legte Berthold N. ein umfassendes Geständnis ab (Folge 9 „Hüttengaudis ganz ohne Rechnung“), was das Gericht als strafmildernd wertete.

Er wurde nie richtig kontrolliert

Bei der Urteilsverkündung nannte der Vorsitzende Richter am Landgericht Junge einen Umstand als sehr erstaunlich: „Warum ist Berthold N. von seinem Arbeitgeber in all den Jahren nie richtig kontrolliert worden?“Der Verurteilte ist heute mittellos, er muss ins Gefängnis, steht im sozialen Abseits. Nach einem Bericht des WDR-Fernsehens ist die WGZ-Bank angeblich bereit, den von Berthold N. angerichteten Schaden zumindest teilweise wieder gut zu machen (Az. 12 KLs 2/14). Armin Asbrand