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Kreisverbandstag Gütersloh

Beringmeier fordert Rauswurf von Staatssekretär Aikens

Die angekündigte Verschärfung der Düngeverordnung war beim Kreisverbandstag Gütersloh in Rheda-Wiedenbrück das bestimmende Thema, die Diskussionen entsprechend emotional.

Auf dem Podium diskutierten: Heinrich Bottermann, Wilhelm Jäger, Dennis Speckmann, Moderator Matthias Schulze Steinmann, Leif Balz, Hubertus Beringmeier.

In der großen Halle des A2-Forums in Rheda-Wiedenbrück wurde es mucksmäuschenstill, als Hubertus Beringmeier seinem Zorn freien Lauf ließ. Er sei, so der Vorsitzende des WLV-Veredlungsausschusses, fast vom Stuhl gefallen, als die Meldung aus Berlin zum verschärften Grundwasserschutz kam. Ohne Abstimmung mit den Fachgremien und dem Berufsstand habe Staatssekretär Dr. Hermann Otto Aeikens die Segel gestrichen und Maßnahmen aus Brüssel akzeptiert, die „einen Abbau der Tierbestände in Nordwestdeutschland mit der Brechstange zur Folge haben“. Beringmeier: „Das war eine grandiose politische Fehlleistung. Der Staatssekretär sollte seinen Posten räumen.“

Etwa 20% mehr Fläche

Beringmeier bewirtschaftet einen 180-ha-Hof mit 4000 Mastschweineplätzen in Hövelhof-Espeln. Setzt Berlin das Brüsseler Diktat ab 2020 um, benötigt die Familie bei gleicher Tierzahl etwa 20 % mehr Land für die Gülle. Etwa 55 % aller Flächen im Kreis Paderborn sind „rote Gebiete“.

Zunächst, da war sich Beringmeier mit NRW-Staatssekretär Heinrich Bottermann aus dem Umweltministerium einig, müssen wir uns die Messstellen der Grundwasserkörper anschauen. Woher kommen die erhöhten Nitratwerte? „Sportplätze, Golfplätze, Kleingärten – überall wird kräftig gedüngt. Aber allein wir Bauern sollen schuld sein?“, fragte der Landwirt.

In der munteren Podiumsdiskussion, geleitet von Wochenblatt-Chefredakteur Matthias Schulze Steinmann, verteidigte Bottermann seinen Amtskollegen aus Berlin, wenngleich auch er mehr als überrascht war („Das war für uns der Knaller des Jahres“) . Deutschland müsse die Düngeverordnung in zwei Punkten (Schlagbezogenheit, rote Grundwasserkörper) nachbessern, sonst drohten Strafzahlungen bis 800  000 € pro Tag. Gleichwohl stehe NRW an der Seite der Viehhalter, sagte Bottermann.

Rote Gebiete verkleinern

Das Landesamt für Natur- und Umweltschutz (LANUV) solle jetzt zügig alle Grundwasserkörper in NRW überprüfen und die roten Gebiete eingrenzen („Binnendifferenzierung“). Ein Teil der Gebiete werde dann wahrscheinlich nicht mehr den verschärften Auflagen unterliegen. Daneben fordert NRW laut Bottermann vom Bund ein Förderprogramm zum Güllebehälterbau. Einen möglichen Ausweg sieht der gelernte Tierarzt auch in großtechnischen Anlagen zur Gülleaufbereitung. „Die überschüssigen Nährstoffe in den viehstarken Gebieten müssen in die Ackerbauregionen.“

Gleich zu Beginn des Verbandstages hatte Vorsitzender Andreas Westermeyer auf die extrem miese Stimmung im Berufsstand hingewiesen und gefragt: „Was ist hier eigentlich los?“ Die Bauern seien schuld am Bienensterben, sie quälten ihre Tiere, verschmutzten das Grundwasser. Westermeyer: „Wir haben die Schnauze voll und fühlen uns im Stich gelassen. Unser Nachwuchs investiert doch nicht mehr in neue Ställe, wenn Vertrauen und Verlässlichkeit in der Politik und Gesellschaft fehlen.“

Die Tierproduktion, auch Garant für Wohlstand und sichere Renten in Deutschland, wandere immer stärker ins Ausland ab, warnte der Vorsitzende. „Will die Politik dies wirklich in Kauf nehmen?“

Bald leere Schlachtbänder?

Diese Gedanken griff Dr. Wilhelm Jäger, Leiter der Abteilung Landwirtschaft bei Tönnies, auf. „Unser Konzern verliert an Wettbewerbskraft, wenn unsere Schlachtbänder nicht mehr ausgelastet sind. Wir brauchen eine sichere Rohstoffbasis für ein erfolgreiches Geschäft.“

Dagegen hielten sich Lidl-Abteilungsleiter Dr. Leif Balz und Milch-Direktvermarkter Dennis Speckmann aus Steinhagen bedeckt. Die Verbraucher seien sehr preissensibel, berichtete Balz, sie wollten einerseits mehr Tierwohl, mehr regionale Produkte und auch Bioware, andererseits dafür aber möglichst wenig zahlen. Ähnlich sieht es Speckmann, der vor zwei Jahren in die Milchdirektvermarktung eingestiegen ist. „Es ist mühsam, die Direktvermarktung zu steigern, aber es lohnt sich und macht Spaß.“

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