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BDM: „Milch muss mehr kosten!“ Digital Plus

Dramatische Lage auf den Milchviehbetrieben, radikaler Politikwechsel nötig: Vertreter vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) aus NRW verdeutlichen ihre Positionen im Gespräch mit dem Wochenblatt.

Im Milchviehstall von Michael Alterauge (links) diskutierten Patrick Liste (Wochenblatt), Karl Watermann und Albert Engbert über Milchpolitik.

Für seinen eigenen Betrieb brachte es Karl Watermann aus Legden mit diesem Satz auf den Punkt: „Mit meinem Einkommen bin ich zufrieden, ich muss nur zu viel dafür leisten.“Seiner Meinung nach muss ein Landwirt heute deutlich mehr ­arbeiten als vor 40 Jahren, da er die höheren Anforderungen über mehr Arbeitsstunden abfange. In anderen Branchen sei das nicht so.

Doch die Arbeitsbelastung stoße auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben jetzt an Grenzen: Das Familienleben sei belastet, die Hofnachfolge gefährdet. Das Einstellen einer Arbeitskraft sei für viele Milcherzeuger keine Option, weil schlichtweg das Geld dafür fehle.

Kein Geld für Auflagen

„Auf diesem Milchpreisniveau lässt sich nicht nachhaltig produzieren. Der Strukturwandel erhöht sich – und irgendwann sind wir der Nachbar, der weg ist“, sagt ­Watermann. Michael Alterauge aus Drolshagen pflichtet ihm bei: „Die Auflagen sind nicht das Problem, wenn wir das Geld dafür bekommen. Nur mit den aktuellen Preisen können wir die Auflagen nicht stemmen.“Deshalb begrüßt er die Initiative „Land schafft Verbindung“, die diesen Widerspruch auf die Straße gebracht habe und einen Dialog darüber herstelle.

Weitere Möglichkeiten, die Kosten der Milchproduktion zu senken und somit die Wirtschaftlichkeit zu verbessern, gebe es kaum. Das Optimierungspotenzial sei auf den meisten Milchviehbe­trieben ausgeschöpft, sagt Albert Engbert aus Hopsten: „Es ist alles ausgereizt, die Schrauben sind schon überdreht. Das jetzige System ist vor die Wand ­gefahren.“

Dennoch...

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Für seinen eigenen Betrieb brachte es Karl Watermann aus Legden mit diesem Satz auf den Punkt: „Mit meinem Einkommen bin ich zufrieden, ich muss nur zu viel dafür leisten.“Seiner Meinung nach muss ein Landwirt heute deutlich mehr ­arbeiten als vor 40 Jahren, da er die höheren Anforderungen über mehr Arbeitsstunden abfange. In anderen Branchen sei das nicht so. Doch die Arbeitsbelastung stoße auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben jetzt an Grenzen: Das Familienleben sei belastet, die Hofnachfolge gefährdet. Das Einstellen einer Arbeitskraft sei für viele Milcherzeuger keine Option, weil schlichtweg das Geld dafür fehle. Kein Geld für Auflagen „Auf diesem Milchpreisniveau lässt sich nicht nachhaltig produzieren. Der Strukturwandel erhöht sich – und irgendwann sind wir der Nachbar, der weg ist“, sagt ­Watermann. Michael Alterauge aus Drolshagen pflichtet ihm bei: „Die Auflagen sind nicht das Problem, wenn wir das Geld dafür bekommen. Nur mit den aktuellen Preisen können wir die Auflagen nicht stemmen.“Deshalb begrüßt er die Initiative „Land schafft Verbindung“, die diesen Widerspruch auf die Straße gebracht habe und einen Dialog darüber herstelle. Weitere Möglichkeiten, die Kosten der Milchproduktion zu senken und somit die Wirtschaftlichkeit zu verbessern, gebe es kaum. Das Optimierungspotenzial sei auf den meisten Milchviehbe­trieben ausgeschöpft, sagt Albert Engbert aus Hopsten: „Es ist alles ausgereizt, die Schrauben sind schon überdreht. Das jetzige System ist vor die Wand ­gefahren.“ Dennoch plädieren die Milch­erzeuger des Landesteams NRW des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) nicht dafür, mehr Geld vom Staat zu bekommen. Sie wünschen sich vielmehr höhere Produktpreise. Ihre Forderung: Bessere Markterlöse, indem die Milchpreise die wahren Kosten wiedergeben. Sektorstrategie 2030 Wie das gelingen kann, hat der BDM im Januar 2019 in seiner „Sektorstrategie 2030“ zusammengefasst. Sie besteht im Wesentlichen aus Positionen, die der Verband schon seit Jahren fordert. Die Strategie soll marktgerechtes Verhalten der Milcherzeuger fördern und diese krisenfester machen, mehr Wettbewerb um Milch schaffen und eine wirtschaftliche sowie nachhaltige Weiterentwicklung aller Milchviehbetriebe ermöglichen. Dazu schlägt der BDM drei Schritte vor: Mit dem BDM-Milchmarkt-Krisenmanagement-Konzept sollen Milchkrisen erst gar nicht entstehen. Das dreistufige Konzept sieht je nach Marktlage verschiedene Eingriffe in den Milchmarkt vor, von zum Beispiel der Öffnung der Privaten Lagerhaltung bis hin zur verbindlichen Mengenrücknahme. Zudem soll Artikel 148 der Gemeinsamen Marktordnung greifen. Demnach muss es verbindliche Verträge zwischen Milcherzeuger und Molkerei über Liefermenge, Milchpreis, Lieferdauer und Milchqualität geben. Eine eigenständige Branchenorganisation Milchviehhaltung soll sich national aus Milchverbänden, Erzeugergemeinschaften usw. gründen. Die Vertreter von 27 nationalen Branchenverbänden sollen eine Branchenorganisation EU gründen. Mögliche Aufgaben sind unter anderen Marktinformationen für Milcherzeuger, in Krisen Festlegen von Markteingriffen und Mengenanpassung. Ein zukunftsfähiges Milchmarktsystem soll für eine wirtschaftlich interessante Milchviehhaltung sorgen. Die nationale Branchenorganisation spielt hierbei eine zentrale Rolle. Sie vermarktet die Milch an die Molke­reien. Es gibt keine direkte Vertragsbeziehung mehr zwischen Milcherzeuger und Molkerei. Diese Ideen hat der Verband in die bundesweite Arbeitsgruppe zur „Sektorstrategie Milch“ eingebracht, die zur Grünen Woche Mitte Januar 2020 erste Ergebnisse liefern will. Neben dem BDM gehören der Gruppe der Deutsche Bauernverband, der Milchindus­trie-Verband, der Bundesverband der Privaten Milchwirtschaft, der Deutsche Raiffeisenverband und die Interessengemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft an. „Aber wir sind die einzigen, die einen konkreten Lösungsvorschlag für eine bessere Marktstellung der Milcherzeuger mitbringen“, sagt Alterauge. Ob das aber tatsächlich mit der BDM-Strategie gelingt, bezweifeln einige Branchenvertreter und Wissenschaftler. Zudem hat beispielsweise auch der Deutsche Bauernverband in seinen Zielen zur Strategie 2030 formuliert, die Wertschöpfung für die Milcherzeuger zu erhöhen. Mitglieder und Faire Milch Wenig konkret sind die Aussagen der drei Milcherzeuger zur Frage, wie viele Mitglieder der BDM bundesweit hat. Die Zahl sinke analog zum Strukturwandel, soll aber noch bei rund 21.000 liegen.Aufwärts soll es dagegen beim Absatz der „Fairen Milch“ gehen. Zwar habe der BDM hier Lehrgeld zahlen müssen, sei jetzt aber auf einem guten Weg. Und seit September gibt es auch drei Käsesorten unter der Marke „Die Faire Milch“. Mehr zum Thema: