Corona-Krise beeinflusst Märkte

Bauern werben um Unterstützung

Corona bringt die Märkte durcheinander. Statt Außer-­Haus-Essen ist jetzt Selbstverpflegung angesagt. Das darf auch gerne ein heimisches Rindersteak sein, findet der Landwirtschaftliche Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe.

Gerade jetzt in der Krise zeigt sich, wie wichtig eine regionale Erzeugung hochwertiger Lebensmittel ist. Denn diese werden unter nachvollziehbaren Bedingungen erzeugt, müssen nicht über weite Strecken transportiert werden und sichern auch in schwierigen Zeiten die Versorgung der Bevölkerung. Allerdings spüren auch die heimischen Landwirte die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Das wurde in der vergangenen Woche bei einem Pressegespräch auf dem Hof von Antonius Tillmann und Dagmar Feldmann in Warburg-­Bonenburg deutlich. Dort informierte der Landwirtschaftliche Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe – unter Beachtung der notwendigen Hygiene­regeln – über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die heimische Landwirtschaft.

Durch die umfangreichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind die Märkte durcheinander geraten, erklärten WLV-Präsident Hubertus Beringmeier und sein für Milchfragen zuständiger Vizepräsident Wilhelm Brüggemeier. Die mehr als 80 Mio. Verbraucher in Deutschland brauchen weiterhin jeden Tag Nahrungsmittel und die heimischen Bauern sorgen mit hohem persönlichem Einsatz dafür, dass die Erzeugung trotz Corona-Erschwernissen weiter läuft.Die Versorgungskanäle und die bevorzugten Produkte haben sich aber geändert, ergänzten Höxters Kreisverbandsvorsitzender Antonius Tillmann und sein Stellvertreter Udo Engemann. Durch die weggebrochene Außer-Haus-Verpflegung in Betriebskantinen, Schulmensen, Hotels und Restaurants geraten deren Lieferanten unter Druck. Das betrifft beispielsweise Molkereien, die sich auf diese Absatzschiene spezialisiert haben und ihre Produktion jetzt nicht kurzfristig umstellen können.

Den Ausfall der Gastronomie-Kunden spüren aber vor allem die heimischen Rind- und Kalbfleischerzeuger. Die Edelteile vom Rind werden üblicherweise eher in großen, professionellen Küchen zubereitet. Die steigende Nachfrage der jetzt selbst kochenden Privathaushalte konnte diesen Einbruch beim Rindfleisch bislang nicht ausgleichen. Entsprechend schlecht sind die Erzeugerpreise, beschrieb Felix Pahlsmeier die Misere: Die Kombination aus knappem und teurem Grundfutter und schlechten Preisen führe zu hohen Einbußen von rund 200 € pro Bulle. Der Delbrücker Mäster ist bei Land schafft Verbindung (LsV) aktiv und möchte mit einem Apell an die Verbraucher eine Lanze für die Produkte aus der Region brechen: „Wir würden uns freuen, wenn die Menschen gerade jetzt mehr heimisches Rindfleisch essen“, wünscht sich Pahlsmeier: „Legen sie mal öfters ein schönes Steak auf den Grill oder in die Pfanne. Das schmeckt gut und hilft den Bauern vor Ort durch diese schwierige Zeit.“

Schließlich zeigt die aktuelle Krise gerade, wie wichtig eine Eigenversorgung durch die heimischen Betriebe ist. Wer nicht auf Importe angewiesen sein möchte, muss aber auch dafür sorgen, dass die heimischen Bauern dauerhaft von ihrer Arbeit leben können, mahnte Antonius Tillmann. Die Landwirte brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und Perspektiven, aber keine ständigen, neuen Produktionsauflagen und -erschwernisse, sonst bleibt die sichere Lebensmittelversorgung aus der Region ein Wunschbild.

Mehr zum Thema lesen Sie in der Wochenblatt-Ausgabe 19 am 7. Mai.


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