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Auf dem Weg zum digitalen Betrieb

Die Digitalisierung hat das Potenzial, die Agrarbranche grundlegend zu verändern. Doch wie sieht der digitale Alltag im Büro der Betriebsleiter aus? Und wie kann der Einstieg gelingen?

Alles im Blick: Drohnen liefern Informationen zum Zustand von Pflanzen und Böden. Das spart Betriebsmittel, erfordert aber ein neues Denken.

Veränderungen mag unser Gehirn gar nicht. Telefon, Computer, Internet – alles technologische Innovationen, die in ihren Kinderschuhen mehr belächelt als ernst genommen wurden.

„Es ist ganz normal, dass wir uns erstmal gegen Neues sträuben“, räumte auch Dr. Matthias Weddeling am Donnerstag vergangener Woche in Münster ein. Der Geschäftsführer der Sparte LV digital aus dem Landwirtschaftsverlag hatte Landwirte und Berater zu einer Veranstaltung zum Einstieg ins digitale Agrarbüro eingeladen. „Auch wenn unser Gehirn Gewohnheiten liebt“, so Weddeling weiter, „ist es manchmal trotzdem sinnvoll, sich von ihnen zu lösen.“

Wunsch versus Wirklichkeit

Der digitale Wandel könnte so ein „manchmal“ sein. Blickt man auf die aktuellen Herausforderungen der Agrarbranche, wird aus dem „könnte“ schnell ein „muss“. Auf rund 25 % schätzt die Unternehmensberatung McKinsey die Ertragssteigerung durch Digital Farming. Allein mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung – 2050 müssen 9 Mrd. Menschen ernährt werden – ein Potenzial, welches nicht ungenutzt bleiben darf. Im Bereich Pflanzenschutz könnte die neue Technik schon bald eine zielgenauere Ausbringung von Pflanzenschutzmittel ermöglichen. Auch bei zunehmendem Dokumentationsdruck und wachsenden Papierbergen kann die Digitalisierung unterstützen.

Das nächste „große Ding“ wird nicht höher, schneller oder weiter, da ist sich Wochenblatt-Chefredakteur Matthias Schulze Steinmann beim Blick auf den technologischen Wandel sicher, „das nächste große Ding wird effizienter, smarter, ressourcenschonender! Und das passt sowohl zu den Umwelt- und Akzeptanzdiskussionen, die wir derzeit in Deutschland führen, als auch zu den globalen Herausforde­rungen.“

Schulze Steinmann weiß aber auch: „Wunsch und Wirklichkeit klaffen oftmals noch auseinander.“ Das zeigt sich nicht zuletzt an der lückenhaften Breitband­erschließung vieler ländlicher Regionen.

Digitalisierung im Praxistest

Zwei, die sich trotzdem auf den Weg in den digitalen Alltag gemacht haben, sind Marcus Holtkötter und Hartmut Börger. Arbeitserleichterung für Schweinebauer Holtkötter bietet insbesondere eine digitale Ackerschlagkartei. „Wenn Vattern zum Spritzen fährt, dokumentiert er mit dem Programm alles automatisch. Schlag, Menge des Pflanzenschutzmittels, Anwender und Indikation – da hatte selbst der Pflanzenschutzprüfer von der Kammer nichts zu meckern.“

Für die Öffentlichkeitsarbeit vor Ort nutzt Holtkötter, der auch als Agrarblogger Bauer Holti bekannt ist, unter anderem sogenannte Broadcast-Listen des Messenger- Dienstes WhatsApp. Eine Nachricht kann auf diese Weise gleichzeitig an mehrere Kontakte verschickt werden, ohne dass die einzelnen Empfänger für alle sichtbar sind. „Vor allem beim Güllefahren informiere ich die Nachbarn kurz mit einer Nachricht – das sorgt insgesamt für mehr Verständnis und weniger Beschwerden.“

Hartmut Börger, Milchviehhalter aus Wietmarschen (Grafschaft Bentheim, Niedersachsen), hat vor einem knappen Jahr mit der Software top farmplan den Einstieg ins digitale Agrarbüro gewagt und eines gelernt: „Wenn man umstellt, dann auch konsequent!“

Mittlerweile legt er alles digital ab. Vom Lieferschein bis zur Futtermittelrechnung: Sobald ein Dokument eingeht, wird es mittels Paginier­stempel nummeriert, eingescannt und anschließend in Kartons aufbewahrt. Nur besondere Dokumente wie Verträge oder Steuerbescheide werden noch in Ordnern abgeheftet. „Eine unglaubliche Zeitersparnis!“

Den größten Vorteil sieht der Milchviehhalter aber in der automatischen Texterkennung und Volltextsuche, die das Programm bietet: „Man kann jedes Wort in jedem Dokument suchen. Das kann ein Papierbüro im Leben nicht leisten!“

Schritt für Schritt digital

Auch wenn Börgers Agrarbüro und Holtkötters Schweinebetrieb in vielen Bereichen immer digitaler werden, hat die analoge Lösung nicht ausgedient. So verzichtet Holtkötter nicht auf die Stallkarten vor den Schweinebuchten: „Digital bedeutet nicht automatisch auch besser. Es ist wichtig, seinen eigenen Weg zu finden und sich Schritt für Schritt auf die neue Technik einzulassen.“

top farmplan
Eine Software, die bei der Digitalisierung von Büroprozessen hilft, ist top farmplan. Als Plattformlösung deckt sie die Bereiche Agrarbüro, Ackerschlagkartei und Bestandsmeldung ab.
Agrarbüro: Eingescannte Dokumente können in einem digitalen Aktenschrank archiviert werden. Eine OCR-Texterkennung ermöglicht die Suche nach Schlagworten in gesamten Dokumenten. Zudem verfügt das Programm über ein eigenes E-Mail-Postfach.
Ackerschlagkartei: Aussaat, Pflanzenschutz und Düngung können intuitiv do­ku-mentiert werden. Die Aufzeichnung erfolgt Cross Com­pliance-konform.
Bestandsmeldung: Rinderbestandsmeldungen können direkt aus dem Programm an HIT abgegeben werden.
top farmplan kann sowohl am PC als auch mobil per App genutzt werden.
Mehr Infos gibt es unter www.topfarmplan.de

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