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ADEBAR ist mehr als ein Storch

Störche im Münsterland – das Foto entstand auf einer Grünlandfläche bei Alverskirchen im Juli 2014. Foto: Bockhoff

Die Kartierung von 80 Millionen Vogel-Brutpaaren und mehr als 400.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit stecken in „ADEBAR“. Das Kürzel steht für "Atlas Deutscher Brutvogelarten" – ein Werk, das einen umfassenden Datenfundus zu allen in Deutschland brütenden Vogelarten liefert.

Der Brutvogelatlas wurde von der "Stiftung Vogelwelt Deutschland" und dem Dachverband der Deutschen Avifaunisten in Bonn vorgestellt, in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz. Mehr als 4000 Ehrenamtliche beteiligten sich an den Bestandserhebungen. Den Verbreitungskarten liegen rund 600.000 ausgewertete Datensätze zugrunde, die auf mehr als 4 Mio. kartierten Vogelrevieren basieren. Einige Fakten aus dem Werk:

  • Aktuell brüten 280 Vogelarten in Deutschland, davon regelmäßig 248 einheimische Arten. Der Rest verteilt sich auf unregelmäßig brütende oder gebietsfremde Vogelarten.
  • Insgesamt brüten hierzulande rund 80 Millionen Vogelpaare. Damit entfällt auf jeden Einwohner Deutschlands ein Vogelpaar.
  • Die mit Abstand häufigsten Arten sind Buchfink und Amsel mit jeweils über acht Millionen Paaren, gefolgt von der Kohlmeise mit mehr als fünf Millionen Paaren. Zusammen mit 19 weiteren Arten, deren Bestände über eine Million Paare erreichen, machen sie 80 Prozent aller in Deutschland brütenden Vögel aus.
  • Etwa ein Fünftel aller einheimischen Brutvogelarten besiedelt mehr als 90 Prozent der Landfläche Deutschlands.
  • Auf der anderen Seite stehen mit knapp 100 Arten etwa doppelt so viele, die auf weniger als zehn Prozent der Landesfläche brüten. Davon sind viele Arten stark gefährdet, wie der Seggenrohrsänger, dessen Bestände sehr stark abgenommen haben und nur mithilfe sehr großer Schutzanstrengungen vor dem Erlöschen bewahrt werden können.

ADEBAR lasse Veränderungen des Brutareals von Vogelarten seit etwa Mitte der 1980er-Jahre sichtbar werden und zeige "wie sensibel Vogelarten auf Veränderungen in ihren Brutlebensräumen reagieren können“, erklärte Dr. Kai Gedeon, Vorsitzender der Stiftung Vogelwelt. „Die Art mit der größten Bestandsabnahme seit Mitte der 1980er-Jahre ist das Rebhuhn, die Art mit den größten Arealverlusten die Haubenlerche, dicht gefolgt von der Bekassine, dem Vogel des Jahres 2013." Zu den positiven Entwicklungen zählte Gedeon, dass sich beispielsweise das Schwarzkehlchen stark ausgebreitet habe. Insgesamt überwiege aber der Anteil an Arten, deren Brutareal schwindet.

"Zunehmend industriell bewirtschaftetes Ackerland"

Bernd Hälterlein, Vorsitzender des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten, zeigte auf die Landwirtschaft: „Offenkundig ist, dass viele Arten der Agrarlandschaft weite Bereiche des noch in den 1980er-Jahren besiedelten Brutareals geräumt haben.“ Betroffen seien vor allem Arten des Feuchtgrünlandes, aber auch solche des "zunehmend industriell bewirtschafteten Ackerlandes", wie Hälterlein formulierte. Aufgrund von Entwässerung, Grünlandumbruch und Intensivierung der Grünlandnutzung hätten etwa die Uferschnepfe und der Wiesenpieper viele Brutgebiete aufgegeben. Die Bestände vieler auf dem Boden brütenden Feldvögel wie Kiebitz und Feldlerche seien vor allem im zurückliegenden Jahrzehnt stark zurückgegangen.

„Vogelarten sind ausgezeichnete Indikatoren, mit deren Hilfe sich stellvertretend die Entwicklung der Artenvielfalt und die Landschaftsqualität messen lassen. Geht es ihnen schlecht, so sind auch viele andere Tiergruppen betroffen“, erklärte BfN-Präsidentin Prof. Jessel. Sie forderte mehr Weitblick bei der Nutzung natürlicher Ressourcen. Anderenfalls drohe "ein dramatischer Verlust an Artenvielfalt", der weit über das Verschwinden einzelner Vogelarten hinausgehe. idw/Str.