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3-MW-Biogasanlage in Werl?

Vor der letzten NRW-Landtagswahl hatte es heftige Attacken gegen die Windkraft gegeben. Doch inzwischen sind viele Kritiker verstummt. Auf dem 1. Branchentag Windenergie, der Mitte vergange­ner Woche in Duis­burg stattfand, waren sich alle Vertreter der Politik und Wirtschaft einig: Das Land NRW wird seine Ziele zur Reduzierung der schädlichen Treibhausgase (bis 2020 –20 % gegenüber 1990) nur schaffen, wenn Landesregierung und Gemeinden bei der Windkraft den Fuß von der Bremse nehmen.

Gemeinsam mit den Stadtwerken Werl und der Entsorgungswirtschaft Soest GmbH (ESG) planen RWE Innogy und WLV den Bau einer 3-MW-Biogasanlage. Ob der Bau einer Biogasanlage dieser Größe in Werl möglich und von den Landwirte der Region gewünscht ist, prüfen RWE und WLV zurzeit.

Der WLV ist in dieses Projekt aufgrund einer Anfang 2009 mit der RWE geschlossenen Kooperationsvereinbarung eingebunden, nach der RWE und WLV in Westfalen-Lippe Biogasprojekte nur gemeinsam umsetzen. Ziel ist es, an den Standort angepasste Konzepte zu finden. Am Mittwoch der vergangenen Woche hatte der WLV-Kreisverband Soest seine Mitglieder zu einer Informationsveranstaltung nach Welver-Klotingen eingeladen.

Substratmix aus Zuckerrüben, Mais und Gülle

Gebaut werden soll die Anlage am Abfallwirtschaftszentrum Werl. Das Rohbiogas soll vor Ort aufbereitet und anschließend in die anliegende Gasleitung der Thyssengas GmbH eingespeist werden (etwa 700 Nm³/h). Geplant ist ein Substratmix aus 43 % Zuckerrüben, 43 % Silomais sowie 14 % Rinder- und Schweinegülle. Das entspricht einem Flächenbedarf von rund 1050 ha und etwa 8500 m³ Gülle. Die Investitionssumme von rund 14 Mio. € soll je zur Hälfte die RWE Innogy und die grüne Seite tragen.

Dr. Arne Dahlhoff, Biogasberater bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, verdeutlichte den großen Flächenbedarf der Anlage. Geht man davon aus, dass die Nachwachsenden Rohstoffe für die Biogasanlage nur ein Viertel der Fruchtfolge ausmachen sollen und rechnet man alle mit zum Beispiel Sonderkulturen, Grünland oder Streuobst besetzten Flächen heraus, steigt der Flächenbedarf der Anlage auf knapp 5200 ha. Zu beachten ist, dass rund um Werl bereits 13 landwirtschaftliche Biogasanlagen in Betrieb bzw. geplant sind.

Egbert Schwarze, Wirtschaftsberater an der Kreisstelle Soest der Landwirtschaftskammer ergänzte, dass es zurzeit nur sehr schwer möglich sei, zu entscheiden, ob Beteiligung und Substratlieferung wirtschaftlich sein könnten. Dazu seien zu viele Optionen offen.

Wie ist die Stimmung unter den Landwirten?

Der WLV will jetzt ein Stimmungsbild aufnehmen und wartet auf Rückmeldung der Landwirte. Ob die Landwirte für oder gegen das Projekt sind, hofft der WLV bis spätestens Mitte August ermittelt zu haben. Danach erst würden weitere Schritte eingeleitet. Inbetriebnahme der Anlage könnte frühestens April 2013 sein. Doris Nienhaus, Geschäftsführerin der WLV Service GmbH und von Seiten des WLV verantwortlich für das Projekt betonte, dass WLV und RWE das Projekt nur vorantreiben würden, wenn die Landwirte der Region zustimmen und genügend Substrate zur Verfügung stellen. stü

Für Rückmeldungen und Nachfragen steht die WLV-Kreisgeschäftsstelle Soest offen (Tel.: 0 29 21 / 36 76 10).

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