Meinung

Schaut aufs Land und auf die Landwirte

Die Corona-Krise taucht den ländlichen Raum und die Landwirtschaft in ein anderes Licht. Plötzlich ist sie "systemrelevant", zusammen mit Berufsgruppen wie Pflegekräften, Lkw-Fahrern, Handwerkern oder Mitarbeitern im Lebensmittelhandel.

Eindrucksvoll beweisen Landwirte und Landbevölkerung, was sie selbst in der Corona-Krise leisten. Das können Politik und Gesellschaft nicht übersehen. Deshalb müssen sie nach Corona stärker auf die Belange der Menschen vom Land eingehen.

Teile der Landwirtschaft leiden gerade massiv. Beispielsweise wissen Sonderkulturbetriebe nicht, wie sie die Ernte vom Feld bekommen sollen, weil Saisonkräfte aus dem Ausland fehlen. Rinderhalter kämpfen mit dem Absturz der Milch- und Rindfleischpreise. Doch bei allen Herausforderungen ist ein positiver Aspekt nun endlich klar ausgesprochen: Landwirtschaft ist systemrelevant!

Landwirte ernähren die Bevölkerung. Das hatten viele Verbraucher und Politiker kaum mehr im Bewusstsein, weil es rund um die Uhr alles im Überfluss gab. Jetzt stocken internationale Warenflüsse, sind Supermarktregale leer gefegt und Einkaufsmengen rationiert. Die Landwirte produzieren aber auch jetzt die Mittel zum Leben. Dafür bekommen sie von weiten Teilen der Gesellschaft und Politik Anerkennung und Wertschätzung. Das ist richtig – und längst überfällig.

Entscheidend ist jedoch, dass sich diese Einstellung fest verankert – und nicht verschwindet, wenn Gesellschaft und Politik nach der Corona-Krise in alte Denkmuster und altes Handeln zurückfallen. Dazu muss die Branche geschlossen auftreten und aktiv die Rolle der Landwirtschaft einbringen. Die „Zukunftskommission Landwirtschaft“ kann dabei ein guter Anfang sein.

Wenig hilfreich sind dagegen Versuche, die Coronakrise als Druckmittel zu nutzen. So schadet der Streik einzelner Landwirte aus Ostwestfalen dem Image der Landwirtschaft. Genau wie die Reibereien um die Rechte des Logos von „Land schafft Verbindung“, die sich die beiden Lager gerade leisten.

Und der ländliche Raum? Auch auf dem Land infizieren sich Menschen und sterben, müssen Firmen auf Kurzarbeit umstellen und einige Gastronomen oder Tourismusbetriebe vielleicht für immer schließen. Doch im Vergleich zu den sonst hochgelobten Metropolregionen lebt es sich auf dem Land in Corona-Zeiten besser.

Die Menschen im ländlichen Raum können trotz Kontaktsperre in den eigenen Garten oder raus in die Natur. Gerade für Familien mit Kindern ist das ein entscheidender Vorteil gegenüber der Stadt, wo Spielplätze geschlossen sind und die Polizei patrouilliert.

Zudem profitiert die Landbevölkerung vom Zusammenhalt in den Dörfern und Bauerschaften. Engagierte Bürger, Nachbarschaften und Vereine kümmern sich um die Menschen, die dringend Hilfe benötigen – und zwar ehrenamtlich! Das ist gelebte Praxis, weil sich der Staat immer stärker vom Land zurückzieht und sich auf die Städte konzent­riert. Damit sollte jetzt endgültig Schluss sein! Die Politik muss sich im gleichen Maße um die Sorgen und Probleme in den ländlichen Regionen kümmern und Lösungen liefern. Zum Beispiel schnelles Internet, um nur einen Punkt zu nennen.

Es stehen herausfordernde Wochen bevor. Doch Landwirte und Menschen im ländlichen Raum könnten gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen und vom Rand ins Zentrum der gesellschaftlichen Wahrnehmung wandern – zusammen mit anderen Berufsgruppen wie Pflegekräften, Lkw-Fahrern, Handwerkern oder Mitarbeitern im Lebensmittelhandel.


Diskussionen zum Artikel

von Heinrich Vinnemann

Wo ist das Lob für die Landwirte in den Medien

Manchmal kommen mir die Kommentatoren der landwirtschaftlichen Fachblätter wie Rufer in der Wüste vor. Ich selbst vermarkte täglich Kartoffeln und merke, daß meine Mitarbeiter und ich erheblich gefordert werden. Wirtschaftlich ist das sicher eine schöne Sache, obwohl von ... mehr anzeigen

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