Nach der WLV-Wahl: Große Aufgaben warten

Mit Hubertus Beringmeier steht erstmals ein Ostwestfale an der Spitze des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Den neuen Bauernpräsidenten unterscheidet mehr als der Wohnort von seinem Vorgänger Johannes Röring - obgleich die politische Grundüberzeugung beide eint.

Der WLV setzt auf Kontinuität. Neuer Präsident der westfälisch-lippischen Landwirte ist der Ackerbauer und Schweinemäster Hubertus Beringmeier. Der größte Unterschied zwischen ihm und seinem Vorgänger Johannes Röring ist auf den ersten Blick, dass dieser nahe der holländischen Grenze wohnt, Beringmeier aber Ostwestfale ist.

Tatsächlich ist es jedoch so, dass Röring stets „Multitasking“ praktiziert hat, also an verschiedenen Schauplätzen für die Bauern arbeitete, unter anderem im Deutschen Bundestag. Beringmeier dagegen will sich auf sein neues Amt konzentrieren und „nur“ den WLV in den Mittelpunkt seiner Aktivitäten stellen.

Ein gutes Zeichen für die innerverbandliche Demokratie

Die Mitglieder des Landesverbandsausschusses hatten eine echte Wahl. Mit Susanne Schulze ­Bockeloh stand eine schon erfahrene Kreisverbandsvorsitzende als zweite Kandidatin zur Verfügung. Ihr Wahlergebnis, im zweiten Durchgang rund 45 % der Stimmen, war gut, aber eben nicht gut genug. Vielleicht war dafür entscheidend, dass sie selbst keine Tierhalterin ist. Viele hätten es trotzdem gern gesehen, dass endlich einmal eine Frau an der Spitze eines Landesbauernverbandes steht. Sie warten weiter darauf.

Ein respektables Ergebnis hat auch der dritte Bewerber eingefahren. Joachim Pehle, bis vor wenigen Wochen seinen meisten Berufskollegen unbekannt, holte weit mehr Stimmen als die ­seines eigenen Kreisverbandes. Die Delegierten haben offenbar sehr genau überlegt, wem sie wann ihre Stimme geben. Für die innerverbandliche Demokratie ist das ein gutes Zeichen.

Schneller kommunizieren

Hubertus Beringmeier hat angekündigt, vor allem die Kommunikation des WLV schneller und intensiver zu gestalten – nach außen und nach innen. Da hat der Verband etwas nachzuholen. Die Grundüberzeugungen zu den wichtigen Fragen der Agrarpolitik werden wohl kaum völlig anders sein als die von Johannes Röring. Es geht mehr um das Wie der Interessenvertretung.

Röring selbst, der mit 60 Jahren aus dem Amt scheidet, hat in seinen acht Jahren als WLV-Präsident viel Gutes für die Landwirtschaft angestoßen und umgesetzt. Seine Verdienste wurden mit der Schorlemer-Plakette in Gold angemessen gewürdigt. Er und seine Familie haben aber auch die Schattenseiten des Ehrenamtes intensiv erleben müssen: ungerechtfertigte persönliche Angriffe, verletzende und bösartige Kritik von außen. Aus dem eigenen Verband heraus wurde vor allem das Doppelmandat infrage gestellt: Verbandspräsident und Bundestagsabgeordneter. Die Entscheidung, sich nun auf das politische Mandat zu konzentrieren, verdient allen Respekt.

Röring macht den Weg frei für einen Neuanfang. Sein Nachfolger Beringmeier hat nun die Chance zu zeigen, was Ehrenamt und Hauptamt im WLV noch alles zu leisten vermögen. Große Aufgaben gibt es in der Landwirtschaft zuhauf.

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