LsV und Bauernverband: Es geht nur gemeinsam

Politik und Gesellschaft hinterfragen zusehends den Status quo landwirtschaftlicher Praxis. Auf den neuen Weichen muss der Berufsstand verbindlich und vertrauensvoll kommunizieren - auch nach innen.

Zugegeben: Eine Phrase wie „zusammen sind wir stark“ ist abgedroschen. Dass sie dennoch gültig ist, haben die vergangenen Wochen verdeutlicht – im Positiven wie im Negativen.

Gesunder Aktionismus

Da ist zum einen die Mahnwache vor der SPD-Geschäftsstelle am Münsteraner Hauptbahnhof. Drei Wochen lang haben Vertreter der Initiative „Land schafft Verbindung – Deutschland“ (LsV) vor Ort ausgeharrt. Auch das Ende der Mahnwache vergangenen Donnerstag zeigte die LsV-Mobilisierungskraft eindrucksvoll: Hunderte Schlepper eskortierten die Mahnwache nach Hause.

Es braucht derzeit solch einen Aktionismus. Denn zum einen rüttelt der gesellschaftliche Diskurs zusehends am bisherigen Verständnis von Landwirtschaft. Zum anderen verhageln politische (Nicht-)Entscheidungen dem landwirtschaftlichen Nachwuchs die Zukunftsperspektiven.

Die Demonstrationen Ende Mai oder die Mahnwache sind agil. Im Gegensatz zur nicht nur Corona-bedingten Starre bewegt sich etwas – und seien es auch „nur“ Schlepper. Das ist wichtig und richtig.

Etablierte Strukturen

Da ist aber ebenso die Arbeit des Bauernverbandes. Wo LsV „einfach mal macht“, wird im Verband im Zweifel einmal zu viel als zu wenig nachgefragt. Doch auch wenn die Verbandswege auf den ersten Blick länger erscheinen, haben sie einen entscheidenden Vorteil: Sie führen durch etablierte Systeme und gewachsene Netzwerke.

So ist es kein Zufall, dass das sich anbahnende Gespräch zwischen Bundesumweltministerin Svenja Schulze und LsV auf Bestreben des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) zustande kam.

Nötig ist also beides. Wo LsV außerhalb bestehender Strukturen arbeitet und eine immense Motivation unter den Landwirten erzeugt, kennen WLV und DBV sich bestens gerade innerhalb dieser Strukturen aus. Statt auseinanderzudriften, sollte der Berufsstand genau diese beiden Pfunde gemeinsam denken. Damit aus Aktionismus nicht blinder Aktionismus, aus Struktur nicht Unbeweglichkeit wird, gilt es nun, Kommunikationswege zwischen Verband und LsV zu finden: vertraulich und verbindlich, für beide Seiten.

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