LsV: Reißt euch zusammen!

Auch wenn die Risse innerhalb von Land schafft Verbindung tief sind, sollten die beiden LsV-Stränge ihre internen Reibereien jetzt zügig und endgültig beenden. Denn die Querelen gefährden eine wichtige Bewegung.

Wie tief die Risse zwischen den Lagern von „Land schafft Verbindung (LsV)“ sind, zeigt unsere Interviewanfrage: Maike Schulz-Broers von „LsV – Das Original“ lehnte ein ­gemeinsames Telefonat mit Dirk ­Andresen von „LsV – Deutschland“ strikt ab. Daraufhin haben wir einzeln mit ihnen gesprochen.

Klar ist: Eine kurzfristige Versöhnung dürfte es kaum geben – auch wenn Motivation, Ziele und Einschätzungen der beiden ähnlich sind. Der markanteste Unterschied ist, dass sich „LsV – Das Original“ ausdrücklich um die Belange der gesamten Landbevölkerung kümmern möchte.

Überflüssige Streitereien

Vielleicht ist die Wiedervereinigung beider Lager auch nicht zwingend nötig, möglicherweise können sie parallel laufen. Definitiv überflüssig sind aber Streitereien wie aktuell um die Nutzung des Logos. Diese kosten unnötig Zeit, Kraft und Geld.

Noch gefährlicher für die Verbindung sind allerdings die Entwicklungen bei „LsV – Deutschland“: Sebastian Dickow, neben Dirk Andresen Sprecher der Organisation, ist Ende vergangener Woche zurückgetreten. In einer siebenminütigen Videobotschaft begründet er den Schritt mit Sticheleien, Anfeindungen sowie Spaltungen innerhalb der LsV-Bayern-Gruppe. Sein Rücktritt soll ein Zeichen setzen.

„Reißt euch zusammen!“

Viele Landwirte sind enttäuscht. „Reißt euch zusammen!“, lautet ihre Botschaft. Zu Recht. Denn LsV hat seit der Gründung im Oktober 2019 sieben bewegende wie erfolgreiche Monate durchlaufen:

  • Innerer Zusammenhalt: Selten waren die Landwirte so vereint, ­selten gab es so ein starkes „Wir-­Gefühl“, auch wenn der Zusammenhalt zuletzt bröckelte.
  • Neue Leute: Auf einmal engagieren sich Personen, die sich vorher jahrelang zurückgehalten haben. Und vor allem sind viele junge Menschen mit Herzblut dabei.
  • Frische Ideen: Die Schlepper-Demos waren eindrucksvoll. Die Aktionen sind manchmal frech oder polarisierend, aber fast immer kreativ. Aktuelles Beispiel: Die LsV-ler in NRW wollen mit großen Wimpeln an viel befahrenen Straßen auf die In­ternetseite www.weitersäen.de aufmerksam machen, die den Dialog zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft fördern soll.
  • Äußere Wahrnehmung: Politik und Gesellschaft blicken oftmals positiver auf die Landwirtschaft als vor den LsV-Aktionen, für viele Gesprächsrunden hat sich jetzt die Tür geöffnet.
  • Unbequemer Antreiber: LsV hat etablierte Verbände wachgerüttelt, ihre Schwachpunkte offengelegt. Viele reagieren, sind offener und schneller, kupfern zum Teil auch ab.
  • Gute Erfolge: Die Landesdüngeverordnung NRW wäre ohne die LsV-Aktionen vermutlich viel schärfer ausgefallen. Ein toller Erfolg – und tolle Teamarbeit mit den Landesbauernverbänden.

Durch die Querelen sehen selbst LsV-Sympathisanten die Bewegung gefährdet. Die Gefahr ist real. Zwar haben beide Lager jeweils einen Verein gegründet. Wie viele Mitglieder sie haben, können oder wollen aber weder Schulz-Broers noch Andresen sagen. Sie verweisen auf die mehr als 31.600 „Freunde“ bei Facebook (LsV – Das Original) bzw. mehr als 100.000 Teilnehmer bei WhatsApp (LsV – Deutschland). Das sind zweifellos beeindruckende Zahlen, aber eben keine zahlenden Mitglieder. Diese hätten eine andere Bindung zur Organisation als ein Klick in den sozialen Netzwerken. Im schlechtesten Fall sind Anhänger bei Facebook und WhatsApp so schnell weg wie sie gekommen sind. Das wäre schade, fatal und eine verlorene Chance.

Interne Streitigkeiten beenden

Deshalb sollten die Führungsteams der beiden LsV-Stränge jetzt zügig und endgültig ihre internen Auseinandersetzungen beenden. Scharfmacher, Hetzer sowie Intriganten von außen sollten sie in die Schranken weisen. Dialog bedeutet zuhören und Kompromisse finden – und nicht stur mit aller Gewalt versuchen, die eigene Meinung durchzudrücken. Und Kritiker sollten sich an eine Grundtugend bei Diskussionen erinnern: „Hart in der Sache, fair im Umgang!“

Wenn das gelingt, kann LsV noch viel erreichen.

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