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Kommentar

Klima retten mit den Bauern

Chefredakteur Anselm Richard

Plötzlich steht die Land- und Forstwirtschaft weltweit im Mittelpunkt des Interesses: Der Weltklimarat ruft zum Umdenken in der Agrarpolitik und beim Konsum auf. Die „Landnutzung“ müsse sich ändern, der Fleischverzehr sinken. Und jetzt?

Plötzlich steht die Land- und Forstwirtschaft weltweit im Mittelpunkt des Interesses: Der Weltklimarat ruft zum Umdenken in der Agrarpolitik und beim Konsum auf. Die „Landnutzung“ müsse sich ändern, der Fleischverzehr sinken. Das Ganze im Interesse des Klimaschutzes, denn die Landnutzung sei für 23 % aller menschengemachten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.

Unbestritten ist der Weltklimarat mit seinen Empfehlungen ernst zu nehmen. Das Echo auf den Sonderbericht in Deutschland setzte deshalb sofort ein – wobei vor allem die bekannten Kritiker der konventionellen Landwirtschaft sinngemäß einfach das wiederholten, was sie ohnehin immer fordern: mehr Ökolandbau, weniger Tierhaltung, Direktzahlungen anders verteilen oder abschaffen. Das allerdings ist nicht zu Ende gedacht.

Der Weltklimarat lenkt nämlich das Augenmerk auf die weltweite, nicht auf die deutsche Landwirtschaft. Und er weist auch darauf hin, dass die menschliche Ernährung ohne Landnutzung und ein gewisses Maß an Treibhausgas-Emissionen nicht zu sichern ist. In Deutschland liegt der Anteil der Landwirtschaft an den Treibhausgas-Emissionen übrigens nur bei etwa 7 %.

Dass andere Länder deutlich schlechtere Klimabilanzen haben, darf gleichwohl kein Ruhekissen für die deutsche Agrarbranche sein. Jeder muss seinen Beitrag leisten. Die pauschale Forderung „Weniger Fleisch!“ hilft allerdings nicht weiter. Nur ein Beispiel dazu: Natürlich ist es klimapolitisch richtig, Regenwaldrodungen in Südamerika, Afrika oder Asien zu stoppen. Auch dann, wenn dadurch in Europa Importfuttermittel wie Sojaschrot knapper werden. Die Ernährungssicherheit würde das nicht gefährden. Tatsächlich ist es ja so, dass die oft kritisierte Schweinefleischproduktion in Deutschland ja schon seit Jahren zurückgeht.

Wer von deutschen Bauern Exportverzicht fordert, der muss auch die Importe in den Blick nehmen. Rindfleischlieferungen vom anderen Ende der Welt nach Europa sind klimaschädlich und werden auch nicht benötigt. Genauso wenig wie Äpfel aus Neuseeland oder Südafrika.

Dauergrünland wollen Umweltschützer unter allen Umständen erhalten und schützen. Das ist mit Blick aufs Klima richtig. Aber wie das für die menschliche Ernährung nicht verwertbare Gras nutzen, wenn nicht mit Rindern? Den einfachen Zusammenhang zwischen Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung muss die Branche mehr als bisher verdeutlichen.

Wer Klimaschutz ernst meint, der bezieht die Bauern und ihre Familien ein und macht ihnen nicht nur allgemeine Vorwürfe. Keine Berufsgruppe ist so direkt und existenziell vom Klimawandel betroffen wie die Landwirte. Sie selbst haben das größte Interesse daran, dass die Erd­erwärmung gestoppt wird. Gleichzeitig bietet sich auf Acker- und Grünland sowie in den Wäldern ein großes Potenzial als CO2-Senke.

Klimaschutz geht nicht gegen die Bauern, sondern nur mit ihnen gemeinsam!