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Kommentar

Keine gute Idee: Wenn Bauern einen Journalisten belagern

Gisbert Strotdrees

Journalisten sind Widerspruch gewöhnt - und sollten Widerspruch aushalten. Doch es ist keine gute Idee, wenn 20 Landwirte, so wie kürzlich in Niedersachsen geschehen, unangemeldet an einem Sonntagmorgen das Privathaus eines Journalisten "besuchen".

So geschehen kürzlich an einem Sonntagvormittag in Niedersachsen: Rund 20 Landwirte suchten mit Flugblättern und einer Schubkarre Mist das Privathaus eines Redakteurs der „Braunschweiger Zeitung“ auf. Dem Redakteur hielten sie vor, sich „polemisch und fachlich sehr mangelhaft“ mit ihrer Situation befasst zu haben. Auf dem Fußweg vor der Einfahrt bauten die Landwirte Tische und Bierbänke auf, der Journalist solle dort mit ihnen diskutieren.

Ihre Namen hätten sie nicht genannt, und erst nach Aufforderung hätten sie den Weg frei gemacht – so berichtet es Armin Maus, Chefredakteur der „Braunschweiger Zeitung“, der seinen Redakteur in Schutz nimmt. Es sei das gute Recht der Landwirte, auf ihre Anliegen hinzuweisen, so Maus. „Ein freies Land gibt den Bauern viele Möglichkeiten. Die Verletzung der Privatsphäre gehört nicht dazu.“

"Immer zum Gespräch bereit"

Ulrich Löhr, Vize-Vorsitzender des Niedersächsischen Landvolkes, hat sich, obwohl nicht für die Aktion verantwortlich, vom Vorgehen der Berufskollegen distanziert. Der Chefredakteur stellt das anerkennend fest und fährt fort:

„Auch unsere Redaktion weiß, dass unser Land ohne den Nährstand in Not geriete. Wir nehmen für uns in Anspruch, ein wohlwollender, wenngleich notwendigerweise kritischer Begleiter zu sein. Unsere Redaktion ist unter vernünftigen Umständen immer zum Gespräch bereit. Das Eindringen in das Privatleben ­eines Journalisten werden wir nicht hinnehmen. Hier ist eine Grenze überschritten worden, die verteidigt werden muss.“

Den Respekt vor dem anderen wahren

Dem ist ausdrücklich zuzustimmen. Was für das „Haberfeldtreiben“ der selbst ernannten Agraropposition in Bayern galt, das gilt auch für die Organisatoren der Bauernproteste: In allem Streit sind die Regeln der Demokratie und des respektvollen Umgangs miteinander einzuhalten. Dazu zählt gerade auch der Respekt vor der Privatsphäre des anderen.

Werden diese Regeln durchbrochen, dürfte der Zuspruch in den Medien und in der Bevölkerung schneller verschwunden sein, als ein Traktormotor anspringen kann.