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Grüne Woche 2019

Jetzt auf die Langstrecke

Anselm Richard;Chefredakteur

Die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat ihre erste Grüne Woche mit Bravour gemeistert. Als erfahrene Politikerin war sie sehr medienpräsent und hat klare Bekenntnisse reichlich abgegeben. Jetzt ist es an der Zeit, Taten folgen zu lassen.

Für Landwirtschaftsminister ist die Internationale Grüne Woche in Berlin stets eine Bewährungsprobe, vor allem die jeweils erste ihrer Amtszeit. Nach dem Schaulaufen der ersten Monate als Bundesministerin hat Julia Klöckner auch diese Hürde gemeistert.

Bei der Eröffnungsfeier hat sie die wichtigen großen Themen angesprochen, alle gesellschaftlichen Gruppen, aber auch die Landwirte zum Dialog aufgerufen und Verständnis angemahnt. Unverkennbar trotzdem ihre Sympathie für die Arbeit der Bauern und die Menschen im ländlichen Raum, ohne sich dabei aufdringlich kumpelhaft zu geben.

Als erfahrene und gewiefte Politikerin war Klöckner sehr medienpräsent. Sie vermittelte ein positives Bild der Agrar- und Ernährungsbranche. Die Fachfrau überlässt wenig dem Zufall, aber wirkte bei ihren Auftritten nicht gestelzt. Das Thema Digitalisierung ist selten so intensiv mit der Landwirtschaft in Verbindung gebracht worden wie in diesen Tagen. Auch zu Ernährungsthemen nahm die CDU-Frau fachkundig Stellung.

So weit, so gut. Doch wenn diese Grüne Woche Geschichte ist, warten weitere Aufgaben auf die Ressortchefin – und keine kleinen. Jetzt geht es um die Detailarbeit, die nicht immer Spaß macht und oft mühselig ist. Nicht Kunstturnen ist da angesagt, sondern Langstreckenlauf.

Ganz vorn im Pflichtenheft stehen der Agrarhaushalt der Europäischen Union und die Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik. Erst einmal das Geld für Landwirte und ländliche Räume sichern und dann für die richtige Verteilung sorgen, darauf kommt es in Brüssel an.

Auf nationaler Ebene ganz wichtig: Das Tierwohl-Label, mit dem sich Klöckners Amtsvorgänger Christian Schmidt schon geschmückt hat, obwohl es das Siegel noch gar nicht gab. Die Ministerin muss zum Beispiel dafür sorgen, dass das von der Initiative Tierwohl erreichte Finanzierungsmodell von dem neuen Zeichen nicht untergraben wird, und vor allem, dass kein Siegel-Wirrwarr entsteht.

Hinzu kommen diverse Zukunftsfragen aus dem Bereich der Tierhaltung. An den Themen Ferkelkastration, Schwanzkupieren und Kastenstand kommt Klöckner nicht vorbei, wenn sie es ehrlich meint mit den Bauern. Auch nicht daran, immer wieder klar und öffentlich Position zu beziehen in Sachen Wolf und Weidetierhaltung. Das kommt nicht überall gut an.

Gleichwertige Lebensverhältnisse in der Stadt und auf dem Land zu schaffen, ist immer noch eine Mammutaufgabe. Doch genau daran, wie weit die Ministerin dabei vorankommt, werden die Menschen im ländlichen Raum sie demnächst messen. Klare Bekenntnisse hat sie reichlich abgegeben. Jetzt ist die Zeit, Taten folgen zu lassen.