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Hofübergabe: Ein Gemeinschaftsprojekt

Marit Schröder, Wochenblatt-Redaktion.

Wenn einer zum Hoferben wird, müssen andere verzichten - das birgt Zündstoff. Die weichenden Erben müssen finanziell wie persönlich zurückstecken. Damit nicht nur die Betriebe, sondern auch die Familien eine Hofübergabe unbeschadet überstehen, ist größtmögliche Offenheit gefragt.

Eine Hofübergabe ist aufreibend für alle Beteiligten. Es steht nicht weniger zur Disposition als das Lebenswerk von Generationen – mit allen Wünschen und Hoffnungen, mit all der Verantwortung, die damit einhergeht. Um die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu er­halten, sieht die Höfeordnung nur einen Erben vor. Doch wenn einer zum Hoferben wird, müssen andere verzichten. Den weichenden Erben wird dabei einiges abverlangt. Und das birgt Zündstoff.

Finanzielles Ungleichgewicht

Da wären zum Beispiel die gesetzlichen Erb­ansprüche, die die Höfeordnung als Mindestmaß vorsieht: Wo auf der einen Seite Millionenwerte in die nächste Generation wandern können, stehen auf der anderen im Zweifel nur vier Ziffern vor dem Komma. Das ist – rein finanziell betrachtet – ziemlich ungerecht.

Es kann nur einen geben

Da wäre zum anderen aber auch die Frage nach der Wahl des Hoferben. Wer dieser oder diese wird, zeichnet sich in vielen Familien schon früh ab. Ein Kind zeigt besonderes Interesse am Hof, lernt oder studiert sogar Landwirtschaft? Eine klare Sache. Doch Ambitionen sprießen da, wo sie gefördert werden. Tradierte Rollenbilder beeinflussen auch heute noch – zumindest unterbewusst – die Wahl eines Erben. Oftmals ist es das älteste Kind, der einzige Sohn. Die Geschwister? Hatten nie wirklich Interesse am Hof.

Und dann wären da schließlich noch die Fragen, die allen Beteiligten mit voller Kraft vor Augen führen, was eine Hofübergabe eben auch ist: ein Generationenwechsel. Die eigenen Eltern werden älter, müssen vielleicht gepflegt werden. Doch wer kümmert sich? Was früher wie selbstverständlich den Hoferben zufiel, bleibt heute viel zu oft unangesprochen.

Alle an einen Tisch

Damit nicht nur die Betriebe, sondern auch die Familien eine Hofübergabe unbeschadet überstehen, ist größtmögliche Offenheit gefragt. Die weichenden Erben müssen finanziell zurückstecken – das ist ebenso richtig wie notwendig. Zu hohe Erbansprüche nagen an der Betriebssubstanz. Nichtsdestotrotz ist der Pflichtanteil nach Höfeordnung gerade für wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe zu gering. Und ja, einen Betrieb zu übernehmen, kann auch eine Last sein, ist in jedem Fall aber eine große Verantwortung. Nur sollte die Frage, ob man sich dieser Verantwortung stellen möchte, nicht für einen getroffen werden. Und so schwer es auch ist, sollte mit der Hofübergabe auch die Pflege der Eltern geregelt werden. Das rührt an allen und deckt Fragen auf, die über das bloße Wirtschaftliche hinausgehen.

Entscheidend für eine runde Hofübergabe ist der gegenseitige Respekt aller Beteiligten und deren Kompromissfähigkeit. Denn eine Hofübergabe bleibt vor allem eines: ein Gemeinschaftsprojekt.