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Heinen-Esser: Sie weiß, was sie will

Anselm Richard, Chefredakteur.

Eine dialogbetonte und politisch kluge Ministerin mit klaren Vorstellungen und einem gesunden wirtschaftlichen Hintergrund. NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser fühlt sich nach den ersten 100 Tagen im Amt sichtlich wohl - und das ganz ohne großes Brimborium.

Ganz ohne großes Brimborium ist sie ins Amt gekommen und genauso agiert sie jetzt auch: Die Düsseldorfer Landwirtschafts- und Umweltministerin Ursula Heinen-Esser fällt nicht dadurch auf, dass sie täglich in den Medien präsent ist und lautstark ihre Ideen und Pläne präsentiert. Die ersten 100 Tage ihrer Amtszeit sind fast vorbei und Heinen-Esser fühlt sich sichtlich wohl mit ihrer nicht mehr ganz neuen Aufgabe.

Im Wochenblatt-Interview hat die studierte Volkswirtin ihre Vorstellungen von Agrar- und Umweltpolitik sehr klar dargestellt und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. Auffallend ist dabei, dass Heinen-Esser sich gar nicht erst bemüht, etwa mit Wahlgeschenken bei den Landwirten und ihren Familien zu punkten oder ihnen platt nach dem Mund zu reden. Anbiedern hat sie nicht nötig; die Verbundenheit mit dem Land und den Bauern kauft man ihr auch so ab.

Wenige Sätze schon machen deutlich, wofür das Herz der selbstbewussten Rheinländerin schlägt: Bewahrung der Schöpfung, Bewusstsein für den Klimawandel, klare Spielregeln für alle, aber eben auch Erhalt möglichst vieler landwirtschaftlicher Betriebe – und das mit einem gesunden wirtschaftlichen Hintergrund. Denn, das weiß die Makroökonomin: Landwirtschaft ist Wirtschaft. Ackerbau und Viehzucht sind weder Hobby noch Selbstzweck, sondern Existenzgrundlage der Bauernfamilien und das Fundament der ländlichen Räume.

Diese Haltung ist eine gute Basis für ihre Arbeit. Sehr bald hat die Ministerin einiges abzuarbeiten, die Landwirtschaft steht vor großen Zukunftsfragen: Wie ist ein Strukturbruch in der Sauenhaltung zu verhindern? Wie lassen sich die kleineren Familienbetriebe wirtschaftlich stützen, ohne Geld bloß mit der Gießkanne zu verteilen? Was ist gegen den Flächenverbrauch zu unternehmen? Und nicht zuletzt: Wie muss die europäische Agrarpolitik gestaltet werden, damit sie einfacher und effizienter wird?

Heinen-Esser gibt nicht vor, auf all diese Fragen fertige Antworten parat zu haben. Sie will auch keine Versprechungen machen, die sie nicht einhalten kann. Aber sie steht für eine glaubwürdige und gleichberechtigte Vertretung von Agrar- und Umweltpolitik – im Kabinett genauso wie in der Gesellschaft.

Als Vorsitzende der Agrarministerkonferenz hat die Düsseldorfer Ressortchefin Gestaltungsspielraum. Den will die erfahrene Politikerin nutzen, um alte Gräben zuzuschütten und die deutschen Interessen zu bündeln. Dialogbetont, um Inte­ressenausgleich bemüht und politisch klug handelnd, könnte ihr das gelingen – womöglich sogar wieder ganz ohne großes Brimborium.