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Ehrlich, aber entlarvend

Wochenblatt-Chefredakteur Matthias Schulze Steinmann.

Seit Jahren schon scheitert NRW krachend daran, den Flächenverbrauch auf 5 ha pro Tag zu reduzieren. Nun streicht die Landesregierung die Zielmarke zur Eindämmung des Flächenfraßes aus dem Landesentwicklungsplan - und öffnet damit zusätzlichem Flächenverbrauch Tür und Tor.

Wohlwollende Zeitgenossen könnten der schwarz-gelben Landesregierung attestieren, dass sie wenigstens ehrlich ist. Seit Jahren schon scheitert das Land Nordrhein-Westfalen krachend daran, den Flächenverbrauch auf 5 ha pro Tag zu reduzieren. Damit wird nun endlich bald Schluss sein. Nicht aber, weil das tägliche Wachstum der Siedlungs- und Verkehrsfläche von derzeit mehr als 10 ha deutlich sinken wird. Sondern weil die Landesregierung aus CDU und FDP die Zielmarke zur Eindämmung des Flächenfraßes schlichtweg aus dem Landesentwicklungsplan streicht.

Allen Protesten von Landwirten und Naturschützern zum Trotz macht Düsseldorf mit seinem „Entfesselungspaket“ Ernst und öffnet damit zusätzlichem Flächenverbrauch Tür und Tor. Natürlich sind sich alle einig, dass landwirtschaftliche Fläche ein schützenswertes Gut ist. Wenn es darauf ankommt, sind der Bau einer neuen Autobahn oder die Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten aber eben doch wichtiger. Wirtschaftliches Wachstum und Arbeitsplätze ließen sich zwar auch durch die Aufwertung alter Indus­triebrachen, kluge Nachverdichtung und eine strategische Innen­entwicklung von Dorf- und Stadtkernen sichern. Aber warum so kompliziert denken, wenn es auf der grünen Wiese so viel einfacher geht?

Auf Beton wächst allerdings keine Nahrung, von summenden Bienen und zwitschernden Vögeln ganz zu schweigen. Artenvielfalt, war da was? Wer bei der Diskussion ums Insektensterben mit dem Finger auf die Landwirte zeigt, sollte mal als Bürger hinterfragen, was die Landesregierung mit seinen Steuergeldern so treibt. Das Ergebnis ist bei den Themen Flächen- und Artenschutz ziemlich ernüchternd.

Das müssen die Bauern noch viel deutlicher kommunizieren. Und sie sollten beispielsweise mit dem NABU einen Verbündeten einbeziehen, mit dem sie nicht immer einer Meinung sind, der sich aber in der Frage des Flächenverbrauches ebenfalls klar positioniert hat. Bauern und Naturschützer sollten die Zeit bis Mitte Juli nutzen und einfordern, dass der Flächenschutz in Nordrhein-Westfalen den Stellenwert bekommt, den er verdient, nämlich oberste Priorität. Dafür braucht es wohldurchdachte Konzepte vom eigentlichen Eingriff bis zu flächensparenden Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen – und eben auch verbindliche Ziele.